Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1913)
- Date
- 1913-01-03
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 1 Seite 3 Ein jüdisches Schulmuseum für Palästina. Während des letzten Jahrzehnts hat das moderne jüdisch-palästinische Schulwesen einen sehr bemerkenswerten Aufschwung genommen. In diesem Zeitabschnitt haben sich nicht allein die früher hier bestehenden Volksschulen bedeutend erweitert, sondern es sind auch verschiedene neue Schultypen, vom Kindergarten bis hinauf zur höheren Schule, in Sta'dt und Land entstanden. Hängt ja von der Erziehung der heranwachsenden Geschlechter das Gedeihen des jüdischen Jischuw in Palästina ab. Mögen auch die verschiedenen jüdischen Schulen in Methoden und Lehrplänen mehr oder weniger von einander abweichen, was übrigens ein natürlicher Prozeß gesunder Entwicklung ist, sie steuern doch alle unentwegt demselben Ziele zu: das klassische Land der Bibel zu einem jüdischen Kulturzentrum zu machen. In einem Kulturzentrum müssen sich aber notwendigerweise alle diejenigen Faktoren vereinigen, die, sich gegenseitig stützend und ergänzend, kulturfördernd wirken. Ein solcher wichtiger Faktor ist unleugbar ein Schulmuseum. Die Bedeutung einer solchen Institution für Unterricht und Erziehung eines Landes weiß nicht nur die Lehrerschaft allüberall richtig einzuschätzen, sondern sie wurde und wird auch von den staatlichen und städtischen Behörden aller Kulturländer erkannt. Eine Notwendigkeit geradezu ist ein solches Institut für das gesamte Bildungswesen im Orient, wo dem überwiegend größten Teil der Lehrer und Erzieher, rfern von der großen Kulturwelt, die Erzeugnisse der modernen Lehrmittelindustrie und des Schulbuchhandels, sowie der schulhygienischen Gebrauchsartikel fast völlig unbekannt bleiben. Anschaulichkeit ist die Grundbedingung für den Erfolg des Unterrichts, gute Lehr- und passende Anschauungsmittel vermögen allein jeden Unterricht zu befruchten, während nur günstige hygienische Bedingungen in der Schule Körper und Geist der Kinder gesund erhalten können. Von diesen Gedanken geleitet, hat der Jerusalemer Zweig des palästinischen Lehrerverbandes ein Pädagogisches Museum ins Leben gerufen. Dasselbe soll drei Abteilungen umfassen: 1. Eine historisch e Ab t e i 1 u n g, die alles enthalten soll, was die geschichtliche Entwicklung des palästinensischen Schulwesens betrifft; 2. eine Abteilung für Lehr - und Lernmittel, Schulgeräte, Schulbücher und pädagogische Werke und 3. eine A b - t e i 1 u n g f ü r Schulhygiene. Die palästinensische Lehrerschaft und insbesondere diejenige Jerusalems, die von der Bedeutung ihrer schweren Aufgabe durchdrungen ist, ist bereit, den Ausbau dieses Instituts mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu fördern. Sie ist hierbei aber auch auf die opferwillige Unterstützung seitens der . weiten jüdischen Kreise im Ausland angewiesen. Die Leitung des Instituts wendet sich an alle Schulleiter, Lehrer und pädagogischen Schriftsteller, sowie an Fabrikanten und Kaufleute mit der Bitte, dieses Kulturwerk in Palästina durch Uebersendung von musterhaften Lehr- und Lernmitteln für Kindergärten, Volks-, Mittel- und höhere Schulen, von Schulmaterial aller Art, wie Pläne und Modelle von Schulgebäuden, Klassenzimmern, Turnhallen, Spielplätzen und Schulgärten, Formulare, Statistiken, Stunden- und Lehrpläne, Berichte, Handbücher, Schulbücher und pädagogische Schriften sowie von Rohmaterialien jeder Art für Unterrichtszwecke zu unterstützen. Die freundlichen Förderer dieses Instituts werden in periodischen Veröffentlichungen von den Fortschritten desselben in Kenntnis gesetzt werden. Der Vorstand besteht aus den Herren Jesajas Pres s, Prorektor der Lämel-Schule, Ch. L. S u 11 e, Seminar- und Mädchenschullehrer, Dr. L. Weinb e r g, Seminarlehrer, J. E t a n, Gymnasiallehrer, und Fräulein H. F e i n s s o d, Kindergartenleiterin. Unser unbestreitbares Recht.*) Wenn irgend ein Abtrünniger jüdischer Herkunft sich im Leben hervortut, so daß er Bewunderung, Ruhm oder hohe Auszeichnungen einerntet, vorübergehend oder für längere Zeit im Munde seiner Zeitgenossen lebt, so bietet alles dies keine Veranlassung für jüdische Zeitungen, sich mit solchen Persönlichkeiten, in welcher Weise immer, zu beschäftigen. Jene haben ihr Judentum verraten, die Judenheit verlassen; für die übrigen charaktervollen Juden sind sie tot, gestorben. Tot und nicht mehr vorhanden freilich nur für die Klasse Menschen und Juden, die noch ein gesundes sittliches E m p f i n d en sich bewahrt haben und nicht eine falsche „Toleranz" zur Schau tragen, die ihnen in keiner Form und Weise zur Ehre gereichen würde. Jüdische Blätter hätten auch keine Veranlassung, beim Tode irgend eines jüdischen Täuflings Betrachtungen über ihn anzuknüpfen, mag er es auch im Leben zu den höchsten Ehren und Würden gebracht haben. Und selbst wenn er, der Apostat, durch größten Spenden an Geld für Juden und jüdische Institutionen einen „Sühnebrocken" hingeworfen hätte. Eben weil ein großer Haufen sittlich entnervter Juden schon so weit sich innerlich von seinem angestammten Glauben entfernt hat und allen Volksstolzes entkleidet ist. daß er im Abfall keinen Verrat, im Täufling keinen Verräter mehr erblickt, eben deshalb ist es unsere Ehrenpflicht, mit aller Entschiedenheit zu verurteilen, daß jüdische Männer, die im Gemeinde-, Vereins- oder Korporationsleben führende Rollen einnehmen, sich — ofiziell oder privat — an Ehrungen eines Abtrünnigen beteiligen. Wahrhaft vornehme Rücksichtnahme auf diejenigen ihrer Stammesbrüder, die ihnen die Ehrenämter und Ehrenstellen einräumen, müßte diesen Herren äußerste Zurückhaltung auch zur unverbrüchlichen Pflicht machen, wo es sich um eine Ehrung eines Renegaten handelt. Ob diese Ehrung dem lebenden oder toten Täufling gilt, ist völlig gleichgültig. Wenn heute bei einer großen Zahl Juden in dem Abfall kein Anlaß mehr erblickt wird, die bestandenen Beziehungen zu den Renegaten aufzugeben, ja, im Gegenteil, oft noch intimer werden, bis der Neuchrist die erwünschten Anschlüsse in christlichen Kreisen gefunden hat, so beweist dies eben, wie tief die sittliche Fäulnis sich in die ganze Denkweise der heutigen Juden schon eingefressen hat. Und wenn jemand noch den Mut hat, diese Charakterlosigkeiten zu geißeln, so wird der unbequeme Gewissensmahner zu einem unduldsamen Fanatiker gestempelt. Jawohl, dieselben Leute, die nur noch durch den Steuerzettel lose ans Judentum gebunden sind, infolge eigener fehlerhafter sittlicher Konstruktion nicht mehr moralisch denken können, üben stets an dem Verräter am Judentum ihre faule Toleranz, werden aber sofort unnach- *) Diesen gerade für Wien höchst aktuellen Kampiartikel gegen die Tauiseiiche entnehmen wir der Berliner „Jüdischen Presse". Die Redaktion.