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Neue Nationalzeitung · 1912-12-20 · Heft 25 (20.12.1912) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 25 (20.12.1912)
Date
1912-12-20
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Öeite 10 Versammlung als Revisoren die Herren Mendel K o Ii n und Leopold U 11 m u n n. Wien. (Jüdischer H a n 0 1 u n g s g e h i 1 i e n - \ e rband, ]J, Taborstraße IIb.) Mittwoch, den 25. tl. M., findet in den Souterrain-Saallokalitäten des Caie Prückl, 1. Stubenring 24, ein Un t e r h a 1 t u n g s - A 1> e n d unter Mitwirkung beliebter Kunstkräfte mit anschließendem Tanzkränzchen statt. Regiebeitrag an der Abendkasse K — .60. Besinn präzise halb 9 Uhr abends. Qäste w illkommen. NB. Samstag, den 15. Februar 1913, findet im Festsaale des Hotel Continental das 4. (1 r ii n d u n k s i e s t des .Jüdischen Handlungsgehilfen-Verbandes'* statt. Wien. (Jüdischer S c h u 1 v e r e i n f ü r d e n IX. Bezirk, IX, Seegasse 16.) Am 9. d. M. fand im Frachtsaale des Hotels „Bayerischer Hof*' die Jugend-Chanuka-Feier statt, welche der jüdische Schillverein für den IX. Bezirk nunmehr zur ständigen Einrichtung gemacht hat. Nach einer warmen Begrüßung durch den Vorstand hielt Herr Rabbiner Dr. Bach eine Ansprache an die Jugend, in der er Zweck und Ursprung der Chanuka-Feier darlegte und die Jugend ermahnte, so wie die Lichtlein von Tag zu Tag mehr Licht geben, auch immerwährend in der Erleuchtung und im (Dauben aufzusteigen. Das Anzünden der Chanukalichter nahm Herr Oberkantor Leopold Müller vor und entzückte das Auditorium durch seine gesanglichen Darbietungen. Die Pause wurde durch vorzügliche musikalische \ortri\ne (Klavier und Violine) der Herren Otto Kaufmann und Rudolf Lampl sowie durch Verteilung von Säckchen mit Obst und Süßigkeiten an die Jugend ausgefüllt. Dann wurden „Die Makkabäer" von der Jugend mit Unterstützung einer Anzahl junger Damen und Herreu in äußerst gelungener Darstellung zur Aufführung gebracht. ZIVIS ZILLEN WELTTEILEN Der Zollkrieg zwischen Nordamerika und Rußland. Die Kündigung des Handelsvertrages zwischen Nordamerika und Rußland bleibt also definitiv. Es wird kein neuer Mandelsvertrag geschlossen, so lange Rußland nicht nachgibt. Das Gerücht, als ob bis zur Erneuerung des Mandelsvertrages der bisherige provisorisch in Geltung bleiben sollte, wurde vom Präsidenten Taft kategorisch dementiert. Am 1. Jänner beginnt zwischen Nordamerika und Rußland der Zollkrieg. Ein Staat wird die aus dem anderen Lande importierten Gegenstände mit den höchsten Sätzen seines Zolltarifes belasten. Nun werden wir sehen, wer müde und wer nachgeben wird. Das unentwegte Verhalten Nordamerikas an seinem Beschlüsse ist für die Juden eine genügende Satisfaktion gegenüber der schwächlichen Nachgiebigkeit und diplomatisch-hinterlistigen Auskneiferei der Herren Grey und Poincare. Oesterreich und Deutschland zählen hier überhaupt nicht mit, dank der Indolenz seiner jüdischen Führer und Parlamentarier. Senator Isidor Rayners, der einzige Jude im Oberhaus des nordamerikanischen Kongresses (Senat) ist, 61 Jahre alt. jüngst gestorben. Der Verstorbene war lediglich dem Namen nach Jude. Seine Frau und sein einziger Sohn sind Christen. Das Leichenbegängnis fand nach christlichem Ritus statt. Vor einigen Jahren mußte die Schwester des Verstorbenen im vornehmen Seebad Atlantic City bei Nacht und Nebel das Hotel verlassen, weil dort Juden nicht aufgenommen wurden. Diese Affäre hat viel Sensation hervorgerufen und die antisemitische Oesinnung der ..oberen Zehntausend" in Nordamerika demaskiert. Eine Million für eine Jeschibah in Jerusalem. Ein Mitglied der bekannten imMscfc-jiklischen Familie Sassoon hat in seinem Testament über 1,00.000 Franks mit der Bestimmung hinterlassen, daß in Jerusalem eine Jeschibah, ein Lehrhaus zum Studium des Talmuds, errichtet werden soll, wo 20 Talmudgelehrte dem Studium des Talmuds und der kabbalistischen Schriften obliegen sollen. Die silberne Hochzeit des Sir Ruius Isaacs. Ueber Sir Rufus Isaacs, den englischen Generalnrokurator und Minister „ohne Portefeuille", dein wir bereits einen Artikel gewidmet haben, schreibt der Londoner Korrespondent der „Neuen Freien Presse" anläßlich seiner silbernen Hochzeit folgendes: „Sir Rufus Isaacs und Lady Isaacs haben diese Woche ihre silberne Hochzeit gefeiert. Politische und persönliche Freunde stellten sich mit ihren Glückwünschen ein, und es war ein Kreis von Intimen aus allen Gesellschaftskreisen, der am Sonntag dem stattlichen Paare seine Aufwartung machte. An beiden sind die Jahre fast spurlos vorübergegangen, und die merkwürdige Eigenschaft der meisten englischen Staatsmänner, sich lange, auch im Aeußern, jung zu erhalten, kommt auch Sir Rufus zu. Der merkwürdig antik-römische Kopf mit noch immer scharf geschnittenen freien Zügen und lebhaften Augen auf schlankem, jugendlichem Leibe macht den obersten englischen Kronjuristen zu einer überall hervorstechenden Erscheinung, selbst im Parlament, wo noch immer so viele beste englische Typen vertreten sind. Ich wüßte neben Sir Rufus Isaacs nur noch Sir Edward Grey — sie verbindet eine gewisse Aehnlichkeit des Gesamteindruokes ihrer äußeren Person — zu nennen als so markante Vertreter vornehmen englischen Aussehens. Es ist ein nicht moderner Typ; Sir Edward Grey und Sir Rutais Isaacs könnte man sich ebenso gut im ritterlichen Harnisch oder im geistlichen Ornat vorstellen. Von da führt übrigens nur ein leichter Uebergang zum Talar und zur Perücke des Juristen; wie im Mittelalter die Kirche, so ist seit der Reformation das Juristentum in England die Pflanzschule der Talente aus allen Klassen, vielleicht die demokratischeste aller englischen Einrichtungen. Wie vielen ■bedeutenden englischen Juristen — wie zum Beispiel von heute noch lebenden Sir Edward Clarke — ist Sir Rufus eine lehrreichere und erfahrungsreichere Laufbahn beschieden gewesen, als die des lückenlosen Ueberganges von der Schulbank zum Forum. Gar mancherlei hat der heutige Attorney General in jungen Jahren gesehen und mitgemacht — die Schule in Belgien und Deutschland, die Romantik des Koloniallebens in Südafrika, die grimme Plage eines Sohiffsheizers, das nervenaufreibende Treiben der City. Und trotzdem war er erst 38 Jahre alt, als er 189S „die Seide nahm", wie der technische Ausdruck lautet, vom Lordkanzler in die Reihe der „königlichen Räte" aufgenommen wurde, die sich von den gewöhnlichen Barristers durch den seidenen Talar (statt des wollenen Talars) auszeichnen. Als er 1904 von Reading, dem durch seine Biskuittabriken bekannten Wahlkreis, zum erstenmal in das Parlament entsendet wurde, wußte man, daß er bei erster Gelegenheit zu einem der Kronjuristen gemacht werden würde; so anerkannt war er als Führer des Barreans. Kein schwieriger handelsrechtlicher Prozeß, wo man sich nicht der Dienste des Anwaltes Isaacs zu versichern suchte; dabei aber auch ein immer wachsender Ruf in Kriminalprozessen, wo seine unter sanften Formen sich versteckende, mit der Unerbittliohkeit eines geschliffenen Degens wirkende Methode des Kreuzverhörs berühmt wurde. Die Gelegenheit, ihn zum Kronjuristen zu machen, bot sich erst 1910, wo er Solicitor General wurde, um 1911 zum Attorney General befördert zu werden; heuer wurde er in das Kabinett aufgenommen." Das Interessanteste hat natürlich die „Neue Freie Presse" ganz verschwiegen; daß Sir Rufus Isaacs ein Jude ist und das englische Weltreich nicht untergegangen ist, trotzdem es einen jüdischen Generalprokurator und Minister hat.

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