Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 25 (20.12.1912)
- Date
- 1912-12-20
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 „Neue Naiipnäl-Zeitung^. Üebrigens berichten englische Blätter, daß Sir Isaacs demnächst zum Lord-Oberrichter, mit weicher Würde auch die Stelle des Präsidenten des Hauses der Lords verbunden ist, ernannt werden soll. LITERATUR. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Die Oesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums versendet ihren 10. Jahresbericht, dem wir folgendes entnehmen: Die Gesellschaft beklagt den Heimgang zweier verdienter Mitarbeiter, des Privatdozenten Dr. Georg C a r o von der Züricher Universität und des Berliner Universitätsprofessors Nikolaus Müller, von denen ersterer der verdienstvolle Verfasser der „Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter und in der Neuzeit", letzterer der Verfasser der Studie über „Die jüdische Katakombe am Monteverde in Rom, dem ältesten jüdischen Friedhof im Abendland" ist. Die Gesellschaft hat im Berichtsjahre wieder einen Zuwachs von nahezu 150 Mitgliedern zu verzeichnen, an welchem, wie der Bericht ausdrücklich hervorhebt, Oesterreich- Ungarn einen hervorragenden Anteil hat. Ebenso erfreulich wie die Zunahme an Mitgliedern ist die Tätigkeit der Gesellschaft. Sie hat wieder eine Reihe für die Wissenschaft des Judentums wertvoller Schriften herausgegeben, von denen wir den 3. Band der bedeutsamen Talmudischen Archäologie von Prof. Dr. S. K r a u ß - Wien hervorheben, die nun noch durch zwei Bände, Synagoge und Politische Altertümer, ergänzt werden soll; das Erscheinen einer weiteren Anzahl von Werken wurde durch Subvention der Gesellschaft ermöglicht. Das neue Geschäftsjahr dürfte für die Gesellschaft besonders bedeutungsvoll werden, denn der Bericht kündigt das Erscheinen der ersten Bände sowohl der seit langem in Vorbereitung befindlichen Mischnaausgabe wie der Germania Judaica an. Ihre Aufmerksamkeit hat die Leitung der Gesellschaft in diesem Jahre auch dem Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums zugewandt und durch Gewinnung einer Anzahl von hervorragenden Mitarbeitern für die Fortsetzung dieses viel beachteten Unternehmens Sorge getragen, von dem nunmehr schon 9 Bände vorliegen und als 10. Band die Geschichte des Synagogenkultus von Dozent Dr. J E I b o g e n in Druck ist. Alles in allem ist es erstaunlich, was die Gesellschaft mit verhältnismäßig geringen Mitteln zu leisten vermag. Und dabei sorgt sie in geradezu vorbildlicher Weise für das literarische Interesse ihrer Mitglieder: so hat sie in diesem Jahre außer der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums und dem Jahrbuche für jüdische Geschichte und Literatur kostenlos unter ihre Mitglieder verteilt, die Gesammelten Abhandlungen von Ludwig P h i - lippson. ein Geschenk der Familie des Verfassers, den Festvortrag von J. E 1 b o g e n über Ludwig Philippson, die Riegersche Festschrift zur Jahrhundertfeier des Judenedikts vom 11. März 1812, die Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden und die Nr. 11. des Korrespondenzblattes des Verbandes der deutschen Juden. — Die ordentliche Mitgliederversammlung der Gesellschaft wird in Breslau am 30. Dezember d. J. im Festsaale der Lessingloge stattfinden; Herr Prof. Dr. Ludwig Blau wird dabei einen Vortrag über Aegyptische Papyri und Talmud in gegenseitiger Beleuchtung halten. — Der lesenswerte Jahresbericht ist von der Gesellschaft; Berlin N. 24, Große Hamburgerstraße 29, kostenlos zu beziehen. * Dr. Max Kemmerich. Aus der Geschichte der raenschi liehen Dummheit. (Geheftet 3 Mark 50 Pfg., gebunden 5 Mark. Verlag von Albert Langen, München.) Dr. Max Kemmerich, dessen zwei Bände „Kultur-Kuriosa" nicht minder als seine „Dinge, die man nicht sagt" allgemeines Aufsehen erregt und bei allen Freunden des Fortschrittes und vorurteilslosen Denkens begeisterte Aufnahme gefunden haben, schenkt uns hier wiederum ein Buch, das seinen Ruf als unerschrockener Wahrheitapostel neuerdings mehren wird. Die gewaltige suggestive Macht der Dummheit, des blinden Autoritätsglaubens ist sein Gegenstand. Es führt den tragischen Kampf vor Augen, den seit je die Bannerträger des Fortschritts gegen Geistesträgheit und borniertes Festhalten am Alten, gegen das Verdummungssystem der um ihre Macht bangenden Institutionen und Gewalthaber zu bestehen hatten. Kein Irrwahn, keine Dummheit, keine kulturfeindliche Handlung, die sich nicht durch die Autorität höchster Instanzen legitimieren könnte. Ein kerniges Kampfbuch, unschätzbar in unserer Zeit kirchlicher Reaktion, ein Dorn im Auge der Mucker und ultramontanen Volksverdummer. * Das Buch des Jahres 1912. Von der bekannten Verlegergruppe, zu der sich 17 der angesehensten deutschen Buch- und Kunst-Verlagsfirmen zusammengeschlossen haben, liegt der neue Weihnachts-Katalog vor: Das Buch des Jahres 1912. Diese Gruppe, die, wie bekannt, schöne und künstlerische Ausstattung pflegt und sich um die neue deutsche Buchkunst die größten Verdienste erworben hat, bietet in diesem Katalog ein reiches und praktisch benutzbares Verzeichnis ihrer Werke. Man kann sich hier ausgezeichnet über das spezielle Schaffen jener Kultur-Verlage unterrichten. Eine sehr dankenswerte Neuerung erhöht den Nutzen des Weihnachs-Kataloges: es ist eine sehr eingehende Einleitung vorhanden, die sich als Ratgeber für Bücherkäufer darstellt und auch aufs beste in die Novitäten des Verlages einführt. Zeitschriften-Rundschau. Die „Ica" und die galizische Hilfsaktion. Wir haben vor einiger Zeit im Leitartikel „Die Frankfurter Konferenz" nachgewiesen, daß die alleinige Schuld an dem Nichtouistan/diekommen der Hilfsaktion für dde armen ga- Mzischen Juden das Landes-Komitee zoi tragen habe: Nun finden wir diese Ansicht in folgendem Schreiben des Jüst'tzrates Dr. B 1 a u, der in der Frankfurter Konferenz den Vorsitz geführt hat, an die „Gerechtigkeit" bestätigt. Dieser Brief lautet: Sehr geehrter Herr! ... Wenn es auch nicht richtig>*ist, daß die „Ica" „einige Millionen" für das galizische Hilfswerk zur Verfügung gestellt hat, so ist es doch wahr, daß die außergalizischen Organisationen und deren Führung den galizischen Brüdern gerne helfen möchten, wenn die ander Spitzestehenden Herren den Verein „Selbsthilfe" ausbauen und mit entsprechenden Vorschlägen und auch mit einem Teil der Mittel an sie herantreten. Bisher ist dies leider nicht geschehen* so daß auch die genannten Organisationen noch einstweilen, wie man sagt, Gewehr bei Fuß stehen bleiben müssen. Soweit die genannten Organisationen in GalLzien bereits tätig sind, werden diiese natürlich mit ihrer Tätigkeit fortfahren. * Eine jüdische Zeitung in Kairo. In K a i r o erschien vor einigen Tagen die erste Num* mer einer neuen jüdischen Monatsschrift „La Renaissance jiriveMj die es sich zur Aufgabe stellt, das Judentum ili Aegypten in seinem Streben nach Sammlung und Hebnnfe zu untersttttfcen.