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Neue Nationalzeitung · 1912-12-20 · Heft 25 (20.12.1912) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 25 (20.12.1912)
Date
1912-12-20
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 25 reich. 12 nach verschiedenen anderen Ländern. In die Heimut ziiriiekbefördert wurden IN Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im November für 40 Personen zusammen 78 Tage Logis und volle Verpflegung gezahlt und an Oft Emigranten insgesamt 360 Speisemarkeu für die Israelitische- Volksküche ausgegeben. Vom Jänner bis Ende November wurden insgesamt von Wien aus 1122 russische und rumänische Emigranten nach überseeischen bezw. westeuropäischen Ländern weiterbefördert und 101 Rückwanderer repatriiert. Rückgang der Einwanderung. Auch in dem abgelaufenen Rechnungsjahre hielt, wie die „New Yorker Handelszeitung" berichtet, der Rückgang der Einwanderung, der sich schon 1010 bis 1011 zeigte, an. Es landeten insgesamt N3X.172 Personen, etwa 40.000 weniger als im Vorjahre und 200.000 weniger als 1000 bis 1910, in dem der Rekord erreicht wurde. Von den Einwanderern kamen 6(15.151 durch Ellis Island, 43.740 durch Philadelphia und nur 21.667 durch Baltimore. Der letztere Hafen geht als Einwanderungstiafen immer mehr zurück, noch vor wenigen Jahren stand er sowohl über Boston wie über Philadelphia. Besonders verzeichnet die jüdische Einwanderung einen bemerkenswerten Rückgang. Sie bebet sich im letzten Jahre auf 80.505, während in den übrigen Jahren des letzten Jahrzehntes die Zahlen waren: 1002 57.688, 100.3 76.20.?. 1004 106.236, 1005 120.010. 1006 153.748. 1007 140.182. 1008 103.385, 1000 57.551. 1010 84.260. 1011 9\22?> und 1012 80.505. (Vgl. den Artikel von Arthur Meyerowitz: „Die jüdische Einwanderung in die Vereinigten Staaten" (Nr. 2t), der zu anderen Resultaten gelangt.) Eine österreichische Rekordfahrt. (In acht Tagen von Teneriffa nach Südamerika.) Die Tatsache,.daß ein österreichisches Schiff zum ersten Male die Strecke von den Kanarischen Inseln nach Südamerika in acht Tagen zurücklegte, hat in maritimen Kreisen berechtigtes Aufsehen erregt. Der Triester „Piccolo" schreibt darüber: „Der Austro-Americana-Dampter „Kaiser Eranz Josef I." hat einen bemerkenswerten Rekord vollführt. Mit der Bestimmung, nach Buenos Aires lief er Neapel, Barcelona und Teneriffa an. kam nach Rio de Janeiro, San tos, Montevideo und Buenos Aires. Von dieser letzten Stadt kehrte er zurück, berührte wieder dieselben Häfen und brauchte zu dieser ganzen Reise, inbegriffen den Aufenthalt in den verschiedenen Häfen, nur 45 Tage." Nach dieser glänzenden Probe wurde der Dampier „Kaiser Franz Josef I." von der Austro-Americana in den Fahrplan 1913 der Südamerika-Linie eingestellt. Er wird am 16. Jänner von Triest seine erste regelmäßige Fahrt nach Brasilien und Argentinien antreten. Er nimmt auch Passagiere für Barcelona und die Kanarischen Inseln mit. Der jüdische Hausherr und sein antisemitischer Mieter. «Oder: Wie ein armes Jadenmädchen zu einem Vermögen kam.) Eine recht heitere Ueschichte, heiter nur für einen Teil, nämlich den j ü d i s c h e n, hat sich jüngst in Wien zwischen einem jüdischen Hausherrn und seinem antisemitischen Mieter zugetragen. Schauplatz: I. Bezirk, vis-ä-vis der Oper. Personen: Baron Gustav Springer und Hothutfabrikant Peter H a b i g. Die Geschichte, die bereits durch mehrere Blätter, ahne Nennung der Namen, die Runde gemacht hat, wird folgendermaßen erzählt: öeite •> Vor einigen Tagen ließ der Chef einer großen Hutfirma iu der Kärntnerstraße eine seiner Angestellten zu sich kommen und erklärte ihr kurz und bündig: „Fräulein, ich habe eben erfahren, daß Sie eine .1 üdin sind. Wiewohl ich nun gegen Ihre sonstigen Qualitäten nichts einzuwenden habe, bedauere ich lebhaft, Ihnen mitteilen zu müssen, daß Sic nicht länger in meinen Diensten verweilen können. Es ist mein Geschäftsprinzip, keine jüdischen Angestellten zu beschäftigen." Das Mädchen strich die ihr zugezählte Abfertigung weinend ein und ging von dannen. Im Korridor begegnete ihr ein im selben Hause wohnhafter Advokat, der das Mädchen weinen sah und sie nach der Ursache tragte. Der Advokat erklärte der bitter Schluchzenden, er wolle sich ihrer annehmen, sie möchte am nächsten Tage in seiner Advokaturskanzlei erscheinen. Der besagte Advokat richtete sofort an den Eigentümer des Hauses, in welchem die Niederlage der Firma sich befindet, Herrn Baron Gustav Springer, ein Schreiben, in welchem er ihm den Sachverhalt mitteilte und um Satisfaktion für das gekränkte Mädchen bat. Bald darauf wurde der Chef der Firma von Herrn Baron Springer eingeladen. Baron Springer sprach ihn kurz und bündig an; „Vom 1. Februar 1913 angefangen werden Sie für Ihr Geschäitslokal in meinem Hause in der Kärntnerstraße um 4800 Kronen jährlich mehr zahlen als bisher." Der Hutfabrikant versuchte nun einzuwenden, diese Mietzinssteigerung treffe ihn furchtbar hart, zumal er kurz vorher für Renovierungen unJ Erneuerungen des Portals große Summen investiert hätte. Baron Springer aber erklärte: „Sie haben dieses Geschäftslokal seit mehr als zwanzig Jahren in Miete, ohne daß Ihnen auch ein Heller gesteigert worden wäre. Sie müssen sich jetzt diese geringfügige Erhöhung gefallen lassen. Sollten Sie jedoch nicht sofort zustimmen, so müßten Sie sich um ein anderes Lokal Hinsehen. Als Herr H. Bedenkfrist erbat, erklärte Baron Springer, die Erhöhung würde, wenn nicht sofort zugestimmt, 10.000 Kronen ausmächen. Der Chef der genannten Firma machte also gute Miene zum bösen Spiel und unterschrieb sofort den ihm vorgelegten Vertrag. Als er sich entfernen wollte, hielt ihn Baron Springer noch zurück, klingelte, worauf das aus der Firma entlassene jüdische Mädchen aus dem anstoßenden Bureau hereintrat. Herr Baron Springer sagte: „Fräulein! Der Herr zahlt vom 1. Februar angefangen 400 Kronen monatlich mehr für sein Geschäftslokal, diese 400 Kronen gehören Ihnen und Sie werden sie am ersten eines jeden Monats bei der Firma gegen skalamäßig gestempelte Quittung beheben." Spraehs und verabschiedete beide Parteien. Herr Hab ig hat seine Kontoristin entlassen, weil sie ein Jüdin ist. Wie wir erfahren, soll sich die jüngere Enkelin des verstorbenen David von G ti t - man — die ältere hat sich bereits mit einem christlichen Offizier vermählt mit dem Sohne des genannten Herrn Habig verlobe«. Wir sind sehr neugierig, ob Herr Habig gegen diese Verlobung mit einer Jüdin etwas einwenden wird. Gemeindeu* Vereinsnachrichten. Wien. (Verein M i ß r a c h i".) In der am s. d. M. stattgehabten konstituierenden Generalversammlung w urden in die Vereinsleitung berufen-. Austcilitz August, A u s t e r I i 7. Isidor. L c i t n e r Julius. M ä r z Jakob. N e urath Emil. Spiegel Markus. Stern Jakob. In der nun folgenden Sitzung der neuen Vereinsleitung wählte dieselbe zum Obmann Herrn Isidor A u s t e r I i t z, zu Obmann-Stellvertretern die Herren Emil Neurath und Jakob März, zum Kassier Herrn Julius L c i t n e r. Fei ner w ählte die üeneral- Neue NaJionaJhZcittitig '

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