Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 25 (20.12.1912)
- Date
- 1912-12-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7 J. Lovenberg, ist ein Jude, und der Vorsitzende des Finanzkomitees der Stadtkommission, welche seit 10 Jahren in öalvestone bestand und auf diese Art zum Muster für die Vereinigten Staaten wurde, ist Herr J. Ii. Kempner, welcher immer und immer wiedergewählt wurde, immer als Erster auf der Wahlliste." „Gibt es irgendein Zeichen von sozialem Boykott in Klubs oder in anderen gesellschaftlichen Vereinigungen?" — „Im ganzen Süden nicht ein einziges. Juden, welche klubfähig sind, werden gerade so wie andere Leute in allen Klubs aufgenommen; außerdem nehmen sie als Freimaurer hohe Stellungen ein und der Große Potentat (Machthaber) der lokalen schottischen Gebräuche war mehrere Jahre hindurch J. Seinsheimer und das Haupt der „State Knights of Pythias" war durch einige Zeit S. W. Lewy." „Werden Juden auch in akademischen Kreisen empfangen und nehmen sie am Hochschulleben teil?" — „Da kann ich nicht so positiv antworten, weil meine Aufmerksamkeit dieser Seite der Frage nicht so direkt zugewendet war. Aber ich weiß zufällig, daß an der Universität von Texas AndrewMoses Professor der Nationalökonomie, Rabbi D a v i s Rosenbau m Lehrer der semitischen Sprachen und Constance Pessels Professor für englische Sprache war, während an der Tulane Universität in New Grleans Professor Ralph S c h w a r z bürgerliches Recht und Professor J o s i a h Morse Psychologie an der Universität von Süd- Karolina lehrt. Das sind nur Beispiele, die mir einfallen, aber sie scheinen das Fehlen jeder Abneigung gegen die Juden an den Universitätsfakultäten zu beweisen." „Wie steht es mit den Berufen?" — „Auch hier habe ich keine besonderen Studien gemacht, aber in der Rechtskunde war B. F. J o n e s in New Orleans als Advokat und Publizist bekannt, C. J a c o b s o h n in Arkansas ist ein Rechtsanwalt und Staatsvertreter, J. Lovenberg jr. war einmal Assistent General-Anwalt des Staates Texas. JosefHirsch in Vicksburg ist ein bekannter Anwalt, so wie JohnNeethein Galveston, Henry Dannenbaum in Houston und Max Dinkels p i e 1 in New Orleans. Richter J a c o b s in Houston ist einer der bekanntesten Architekten und Feldmesser des Südens. Jüdische Aerzte im Süden haben die Gewohnheit, denselben zu verlassen, wenn sie bekanntgeworden sind, infolge der seltenen Gelegenheit, Ansehen zu erlangen. A. F. S a m p s o n in Galveston übersiedelte aus diesem Grunde nach San Franzisko." „Wen würden Sie als die hervorragenden Führer des südamerikanischen Judentums an Stelle des Leo N. Levi oder Isidore N e w m a n n bezeichnen?" — „Auf diese Frage ist schwer zu antworten. Niemand tritt wie einst Judah T o u r o oder wie Leo N. Levi vor seiner Uebersiedlung nach New York hervor. Aber jeder kennt Morris Lasker; J. H. Kempner und Nat. W a s her, deren Namen ich erwähnen will, begegnet man bei allen guten Werken." „Um auf die einheimischen Angelegenheiten zurückzukommen -— was können Sie über das Judentum tum im Süden berichten?" — „Ich kann auf das nachdrücklichste erklären, daß eine tätige Kraft in unserem Leben herrscht. Jeder Jude gehört einer jüdischen Organisation an, einer Synagoge oder sonst einer institituüon. Wir haben keine Nichtstuer, wie Sie solche im Osten haben. Es ist merkwürdig, die Entwicklung solcher zu beobachten, die nach dem Süden kommen; sie sind gegen ihren Willen in Ortodoxie auferzogen worden und streifen jeden Zwang ab, wenn sie erwachsen sind; wenn diese Intellektuellen aber nach dem Süden kommen, so kommen sie ausnahmslos nach einem oder zwei Jahren zur Gemeinschaft zurück und vereinigen sich mit den guten Werken ihrer Brüder in Israel und beinahe immer mit der Synagoge. Besonders tun dies die Anhänger der gemäßigten Reform, denn die Reform im Süden ist niemals radikal. Wenn ich meine eigene Gemeinde anführen darf, möchte ich die Tatsache erwähnen, daß wir Purim und Chanukah mit vielen alten Gebräuchen feiern." „Wie sind die Beziehungen zwischen den orthodoxen und reformierten Gemeinden?" — „Sehr enge und freundschaftliche. Natürlich ist die Mehrzahl der neuen Einwanderer im orthodoxen Ritus erzogen, aber selbst die neueren Ankömmlinge, welche von Galveston kommen, sind durch die Laxheit in Rußland beeinflußt worden; so wenn zum Beispiel Dampfer am Sabbath ankommen, habe ich die Auswanderer oft rauchen gesehen und durch meine Erkundigungen erfahren, daß sie diese Gewohnheit in Rußland angenommen haben." „Wird der Sabbath von den Juden im Süden vernachlässigt?" — „Nein, ich glaube nicht, obwohl er niemals sehr streng gehalten wurde. Ich sollte vielleicht sagen, daß der Sabbath weder bei den Reformern, noch bei den Orthodoxen im geringsten vernaehläßigt wird." „Gibt es viele oder wenige Mischehen?" — „Eigentlich sehr wenig und die christliche Meinung ist gerade so dagegen, wie die jüdische. In den seltenen Fällen, welche vorgekommen sind, war die jüdische Partei in keiner engen Verbindung mit der Synagoge." „Sie geben einen beinahe rosigen Bericht vom südlichen Judentum, welches nach Ihren Berichten sehr günstig von den jüdischen Zuständen des Nordens absticht. Welchen Umständen schreiben Sie diesen günstigen Zustand der Dinge zu?" — „Ich spreche wohlerwogen, wenn ich sage, daß meiner Meinung nach die Hauptsache darin besteht, daß die Rabbiner die Führer der südlichen Gemeinden sind und sie dadurch in der Lage sind, ihre Leute zusammenzuhalten. Als Beweis dieser natürlichen Führerschaft der Rabbis in ihren Gemeinden möchte ich Max H i 11 e r und Dr. Leucht in New Orleans, George Salomons in Savannah, Greenburg in Dallas, Frisch in Pine Bluff, bevor er nach Far Rokaway übersiedelte, und Harry Barnstein in Houston anführen. Diese Rabbiner arbeiten nicht nur innerhalb ihrer Genieinden, sondern vertreten sie auch nach außen hin." „Trifft das nicht bei allen Sekten im Süden zu, zum Beispiel bei den Katholiken?" — „Bis zu einer gewissen Grenze stimmt das. Andererseits tut die Obrigkeit alles, was in ihrer Macht steht, um der jüdischen Empfindlichkeit entge-