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Neue Nationalzeitung · 1912-12-20 · Heft 25 (20.12.1912) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 25 (20.12.1912)
Date
1912-12-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 25 _______________________ „NeueNatiomd-Zeitung'V_____ ___Se«te_3 nur gegen die unreellen Elemente des KaulmannsstaTides richtet, zu dem erwünschten Erfolge führen wird." Wie aus dieser Zeifcuwgsdarstellung zu ersehen ist, unternimmt die westösterreichische Handelswelt im Einvernehmen mit dem Justizministerium einen förmlichen Kreuzzug Segen G a 1 i z i e n und d ie Bukowina, und dies in dem Momente, in welchem Qalizien und die Bukowina die größten Opfer im Dienste der Gesamtmonarchie darbringen. Zwar erklärt man, daß die Spitze „der strengeren Handhabe des Gesetzes" nur gegen diejenigen gerichtet sein soll, welche strafbare Manipulationen in Bezug auf Insolvenzen begehen — a-ber wir befürchten, daß in der Zeit der allgemeinen K r e d i t e i n s t e 11 u n g e n, in der Zeit, in welcher nicht einmal die großen F i n a n z i n s t i - tute ihren Verpflichtungen nachkommen können — auch diejenigen zu Opfern „der strengeren Handhabe des Gesetzes" fallen können, die der vis major unterlegen sind. Da diese Aktion der westösterre ionischen Handelskammern wie auch die Erklärung Seiner Exzellenz des Herrn Justizministers die größte Bestürzung in der galiziischen und Bukowiner Handelswelt hervorrufen müssen, erlauben sich die Unterzeichneten gegen diesen illoyalen und schädigenden Vorgang ihre entschiedene Verwahrung einzulegen und zugleich die Anfragen zu richten: „1. Wäre Seine Exzellenz der Herr k. k. Justizminister nicht geneigt, zw der der Deputation der westösterreichischen Handelskammern gegebenen Erklärung eine authentische und beruhigende Erklärung zu erlassen? 2. Wäre Seine Exzellenz nicht geneigt, in Anbetracht der äußerst traurigen wirtschaftlichen Lage der galizischen und Bukowiner Handelswelt im heutigen Momente von irgendwelchen Verordnungen in Bezug auf das Konkursrecht und auf andere einschlägige Gesetze Abstand zu nehmen, da — wie allgemein bekannt — alle derartigen Verordnungen erfahrungsgemäß nur eine größere Bestürzung hervorzurufen geeignet sind und dadurch noch größere Opfer nach sich ziehen können? Ernst Breiter, Dr. Straucher, Dr. Hübschmann, Slavicek, Lisy, Exner, Stribruy, Burival, Reizes, Dr. Baxa, V. Klofac, Trylowskyj, Budzynowskyj, Lahodynskyj, Dr. Formanek, Markow, Fresl, Kurylowicz, Vojna, Stefanyk, Baczynskyj, Lawruk. Zur Kritik der jüdischen Gemeinde-Verwaltung in Wien. Rede des Dr. S. R. Landau in der Kultuswähler-Versammlung vom 20. November 1912. (Schluß.) Das Kompromiß mit den Zionisten. Ich bin nun auch von verschiedenen Seiten angegangen worden, mich über das Kompromiß zu äußern. Ich bin selbstverständlich Mann genug und genug unabhängig, um der Beantwortung dieser Frage nicht aus dem Wege zu gehen. Ich habe mich darüber bereits journalistisch geäußert und erklärt, daß das Vorgehen der Zionisten ein Verrat sei. Das Vorgehen des Vorstandes zu rügen, ist nicht meine Sache. Die Herren wissen sehr gut, warum sie dieses Kompromiß abgeschlossen haben. Man sagt hier natürlich, man brauche kein Kompromiß. Aber ich bitte nicht zu vergessen, daß, wenn man bei der vorigen Wahl mit 59 Stimmen Majorität gewählt worden ist (Gemeint ist damit Präsident Dr. Stern. Anmerkung der Redaktion.), dann hat man gar keinen Anlaß, sich aufs hohe Roß zu setzen. Ich will ja sonst dem Herrn Präsidenten nicht nahetreten, man schuldet seinem Alter gewisse Rücksichten, aber es darf nicht vergessen werden, daß er als Präsident der Kultusgemeinde eine gewisse Verantwortung zu tragen hat und ja selbst auch geneigt ist, diese ihm obliegende Verantwortung zu tragen. t Meine Herren! Ich kann nur eines sagen, ierr habe schon im politischen Leben verschiedene Kompromisse gesehen, — eines der sensationellsten war der berühmte Kuhhandel zwischen Klerikalen und Sozialisten in Bayern. Aber dort wurden die Mandate nach Bezirken verteilt, jede Partei bekam ihre Bezirke zugewiesen; sie hat dort agitiert und ihre Kandidaten durchgesetzt. Aber, daß auf einer und derselben Liste mit einem gemeinsamen Wahlaufruf Repräsentanten zweier Parteien vorkommen, die sich bisher bekämpft haben, die so verschieden sind wie Tag und Nacht, das war noch nicht da. Der Kuriosität wegen möchte ich Ihnen einige kleine Reminiszenzen aus den früheren Wahlkämpfen zwischen den offiziellen Kandidaten und den Zionisten erzählen. Ich habe den zionistischen Wahlaufruf vom Jahre 1906, mit welchem diese Partei damals in den Wahlkampf gegangen ist, vor mir. Da heißt es: „Es handelt sich in diesem Kampf nicht um die Wahl oder den Sturz von Personen, sondern um Beseitigung oder A u f r e c h t e r h a 11 u n g eines Systems. Man bekämpft den heutigen Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, weil er schlecht verwaltet, weil er das Judentum nach außen so vertritt, daß wir zum Gespött aller ausländischen Juden, der gesamten Nichtjudenschaft werden — siehe Taussigaffäre." An einer anderen Stelle des zionistischen Aufrufes ist über diese Affäre ausführlicher zu lesen: „Bei einer Versammlung der „Union" haben sich sämtliche Kultusvorstände mit Taussig identifiziert, und einer hat der Versammlung zugerufen: „Sie weiden sehen, der Kultusvorstand Taussig hat nur Geld hergegeben, um die Lage der Juden in Rußland zu verbessern. Die Antwort wissen Sie ja: Einige Wochen, nachdem die russische Anleihe gesichert war, kam das Blutbad von Bialystok!" a Anläßlich der vorigen Kultuswahlen hat ein zionistischer Redner im Namen der Partei in einer Wählerversammlung folgendes erklärt: „Das Wahlrecht der Kultusgemeinde ist ein Wahlrecht de rschwärzestenReaktion, ein Wahlrecht der anmaßendsten Plutokratie, der übermütigsten Verachtung der weitest en Volksschichten, kein Wahlrecht, sondern ein zum Himmel schreiendes Wahlunrecht, ein Privileg für wenige und e i n Raub an ungezählten Tausend en." Und zwei Jahre später benützt derselbe Redner — Dr. Ehrlich — „den Raub an ungezählten Tausenden", um Arm in Arm mit der „anmaßendsten Plutokratie" und „der schwärzesten Reaktion" in den Kultusvorstand einzuziehen. Er nahm sogar den „Modergeruch der Kultusstube", wie er einmal die

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