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Neue Nationalzeitung · 1912-12-06 · Heft 24 (6.12.1912) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 24 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr.J24_____=___________ __ _^_^,Neue National-Zeitung" 1. Findet der Herr Ministerpräsident es nicht für angezeigt, den Herrn Minister des Aeußern um Schutz für die Judenschaft Salonikis und speziell für die dort ansässigen österreichischen Juden zu ersuchen? 2. Findet der Herr Ministerpräsident es nicht für angezeigt, durch den Herrn Minister des Aeußern eine Intervention der Großmächte zugunsten der Juden Salonikis anzuregen? Die Juden in Palästina für die Opfer des Krieges. In Haifa hat sich ein Komitee jüdischer Frauen gebildet, um Spenden für den Roten Halbmond zu sammeln. Der Chachambaschi von Jaffa und der dortige Oberrabbiner A. J. Kuk veröffentlichten einen schwungvollen Autruf, in welchem die jüdische Bevölkerung aufgefordert wird, zugunsten derjenigen armen Familien, deren Ernährer ins Feld gezogen sind. Spenden zu sammeln. Sammlungen für die Juden in Bulgarien. Unter dem Vorsitz der Königin fand eine Sitzung des „Roten Kreuz" statt, in der u. a. Großrabbiner Doktor Ehrenpreis Bericht über die Tätigkeit der jüdischen Abteilung erstattete. Die Damen der jüdischen Abteilung haben eine eigene Nähwerkstätte eingerichtet, in der fortgesetzt Wäsche für das Militär angefertigt wird. Außerdem verteilt die jüdische Abteilung täglich an die armen Familien der Soldaten Lebensmittel. Die Königin nahm den Bericht zur Kenntnis und bat den Großrabbiner, den Juden ihren Dank zu übermitteln. Sie könne nicht umhin, bei diesem Anlasse der patriotischen Haltung der Juden und ihres heldenmütigen Verhaltens im Kampfe rühmend zu gedenken. Auch der König hat an den Großrabbiner ein Dankestelegramm gerichtet. Demnächst begeben sich Dr. Ehrenpreis und einige Delegierte nach den westeuropäischen Hauptstädten, um für die bulgarischen Juden Sammlungen einzuleiten. Ein tapferer jüdischer Schneider. In der Schlacht bei Kumanowa kämpfte, wie französische Blätter berichten, ein kleiner jüdischer Schneider, namens Abraham L e v y, im serbischen Infanterieregiment mit. Die türkischen Geschosse prasselten wie Kugelregen auf die Serben nieder und richteten eine Panik unter ihnen an. „Kein Zurück!'" rief der Kommandierende. „Die Offiziere vor die Front!" Und die Offiziere marschierten an die Spitze. Vorwärts gings mit neuem Mut. Aber der Kugelregen wurde immer dichter. Die Offiziere fielen, unter ihnen der Kommandierende. Der Fahnenträger fiel. Die Lage war entsetzlich. Eine Minute länger und eine allgemeine Flucht wäre ausgebrochen. Da auf einmal flattert die Fahne wieder in der Luft, ein frischer, mächtiger Ruf ertönt: Vorwärts. Kameraden! Erstaunt blickten alle empor. Das jüdische Schneiderlein Abrahamchen hatte die Fahne ergriffen, begeistert stürmten die anderen nach, in einer Minute standen sie Leib an Leib mit dem Feinde. Die Serben kämpften wie Löwen und eroberten das türkische Fort, der Fahnenträger, Abrahamchen, an der Spitze. Am anderen Tage erscheint Prinz Alexander unter den Helden von gestern. „Wer verdient eine Auszeichnung," tragt der Prinz. Und alle weisen übereinstimmend mit dem Finger auf Abrahamchen, das jüdische Schneiderlein, den neuen Fahnenträger. Auf der Stelle ernannte ihn der Prinz zum Fahnenträger und schenkte ihm 10 Zwanzigfrankenstiicke. Seite 9 Die „Chewra-Kadischa" in Budapest für die Verwundeten. Auf Veranlassung der israelitischen Gemeinde in Belgrad beschloß die Chewra-Kadischa in Budapest, auf ihre Kosten vier jüdische Aerzte nach Serbien zu schicken, um den verwundeten Soldaten, die aus Mangel an ärztlicher Hilfe verkümmern, rettend beizustehen. Unter den verwundeten Kombattanten nehmen die Juden einen unverhältnismäßig hohen Prozentsatz ein. Eine Wiener Hilfsaktion für die jüdischen Opfer des Krieges. Die Israelitische Allianz zu Wien hat im Verein mit dem Verbände der Israelitischen Humanitätsvereiue „B n a i Berith" eine Hilfsaktion für die infolge des Krieges in unsägliches Elend geratenen jüdischen Gemeinden der Balkanländer eingeleitet. Hochherzige Spenden w erden im Bureau der israelitischen Allianz in Wien II, Untere Donaustraße 33, in den Vormittagsstunden zwischen 9 und 1 Uhr oder durch die Postsparkassa (Scheckkonto Nr. N1521 mit Dank entgegengenommen. d<JS ALLEN WELTTEILEN Ein jüdischer Rektor in Base). Professor Karl Joel, der jüngste Nachfolger Nietzsches auf dem philosophischen Lehrstuhl der Universität Basel, ist für das neue Studienjahr zum Rector magnificus der Baseler Universität gewählt worden. Ueber die engeren Kreise der philosophischen Fachwissenschaft hinaus, die er durch seine Studien zur griechischen Philosophie gefördert hat, ist der Gelehrte durch fesselnde Essays („Philosophenwege") und durch sein Buch über Nietzsche und die Romantik bekannt geworden. Konkurs der Raschi-Stiftung in Lemberg. Aus der vom sei. Salomon Buber errichteten Raschi-Stiftung gelangen die Jahreszinsen pro 1912 im Betrage von NOO Kronen au mittellose Autoren und Herausgeber alter hebräischer Werke zum Zwecke der Edition derselben, oder an mittellose Gelehrte für Werke aus dem Bereiche der judaistischen Wissenschaft. Diese Werke oder Arbeiten sollen Gegenstände aus der jüdischen Theologie, Philosophie, Literatur oder Geschichte umfassen. Die nicht gestempelten Eingaben samt den erwähnten Werken oder Arbeiten sind an das Stiftungskuratorium zu Händen des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg (Bernsteingasse 12) spätestens bis 10. Dezember 1912 zu überreichen. Die Berliner Filiale der Pariser Alliance. Die langen Zwistigkeiten in der Alliance Israelite zwischen Berlin und Paris haben mit einem Sieg des Pariser Zentralkomitees geendet. Das Berliner Landeskomitee w ird aufgelöst und es tritt an dessen Stelle lediglich eine freie Organisation der deutscheu Alliancemitglieder mit Sitz und Bureau in Berlin zum Zweck der Propaganda und mit dem Recht, gemeinsam mit den deutschen Mitgliedern des Zentralkomitees Wünsche der deutschen Komitees und insbesondere Wahlvorschläge dem Zentralkomitee zu übermitteln. Austritte aus dem Judentum in Ungarn. Nach dem ungarischen statistischen Jahrbuch sind im Jahre 1910 in Ungarn 512 Juden (263 Männer und 249 Frauen) aus dem Judentum ausgetreten. In demselben Jahre traten 12-4 Personen (43 Männer und Kl Frauen) zum Judentum über. In den letzten 15 Jahren sind im eigentlichen Ungarn insgesamt 504b Personen aus dem Judentum ausgetreten, in Kroatien und Slavonien betrug die Zahl der Austretenden von 1S98 bis 1910 zusammen 285 Personen. Es sind somit in ganz Ungarn nicht soviel Juden ausgetreten, wie in Wien aHein. Eine militärische Chanukafeier. Die diesjährige Chanukaieier der jüdischen Soldaten in der großen Synagoge

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