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Neue Nationalzeitung · 1912-12-06 · Heft 24 (6.12.1912) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 24 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24 MN^e.;Nätion^l-Z<ytung" Seite 7 Koh 11, Hof- und Gerichts-Advokat; Max Z i r n e r, k. u. k. Hof-Juwelier. Für eine'4jährige Mandatsdauer: Eduard Schwarz, Fabrikant (neugewählt). Antisemitisch - kavalleristische Attacken. Ueber den Geschmack läßt sich bekanntlich nicht disputieren. Schon gar nicht, wenn zur Oiskussion ein in den „K a v a 11 e r i s t i s c h e n Monatsheften" publizierter Artikel „Ein Vorschlag zur Güte" des „Vizemajors Balduin Raunzer" steht, von dem billigerweise zugegeben werden soll: er ist in bezug auf seine stilistischen Blüten ganz auf den bon gout des Herausgebers dieser Zeitschrift zugeschnitten. Wenn wir nun, entgegen unserer Gepflogenheit, diese militär-theoretisch ganz inhaltlosen, dafür aber im vollendetsten Kasernenhofstil gehaltenen Mauöverglossen zum Anlaß einer Polemik nehmen, so leitet uns hiebei nur die Absicht, die maßgebenden militärischen Kreise auf manche bedauerlichen Erscheinungen aufmerksam zu machen, die, um an die Worte unseres Herrn Kriegsministers zu erinnern, mit dem Geiste unserer, wie keine andere, demokratisch sein sollenden Armee nicht vereinbar sind. Man sollte meinen, daß Manöverglossen, die das rein taktische Problem „Gefangennahme von gegnerischen Generalen durch Kavallerie" als Thema sich stecken, keinen rechten Rahmen für Anrempelungen des Judentums und jüdischer Soldaten abgeben. Aber, was ein rechter Reitersmann und Antisemit ist, der findet überall sein Steckenpferd. Soll da. während der französischen Armeemanöver, der Kommandant der einen Armee mit seinem ganzen Stabe von der gegnerischen Kavalleriedivision gefangen genommen worden sein, worauf der die Uebung leitende General die Manöver beendigen ließ. Diese Entscheidung der Manöveroberleitung gefällt nun dem Vizemajor Raunzer nicht und er möchte nun darüber geistreichein. Aber es fehlt offenbar an — Spiritus; die Herren von der Kavallerie haben daran keinen Ueberfluß; also schimpft er über — die J u d e n. Er schreibt: „... so dachte ich denn auch hier sehr bald, diese wunderbare Entscheidung der Manöveroberleitung sei vielleicht auf die Feindschaft zwischen einem Dreifüßler und einem ehrlichen Christenmenseheri zurückzuführen, was in der französischen Armee immerhin möglich wäre, und auch anderswo; seit dem Erscheinen des Semi¬ Gotha weiß man schon wo; ja." Dreifuß muß also herhalten. Vizemajor Hohlkopf recte Raunzer braucht doch antisemitischen Stoff" Aber wozu hat er sich denn mühsam durch die „Muskete" und „Kikeriki" durchbuchstabiert? Nun kommt der Schlager! „Wir wollen es uns ja schließlich gefallen lassen, daß eine Kavalleriebrigade, die eine vollkommen ahnungslos daherrnarschierende Infanteriekolonne überraschend angefallen hat, vom Schiedsrichter mit absoluter Sicherheit zum Zurückgehen beordert wird, weil den Infanteristen J a i n k e f Nadelstecher, f a 1 s e Igel und Schmu- Ii u s Rosenkäfer au s Angst d a s Gewehr oder sonst was 1 o s g e a n g e n i s t. Mein Gott, wir sind ja doch daran gewöhnt, daß wir bei größeren Manövern nur zu dem Zwecke mitgeschleppt werden, um den bei der Infanterie dienenden Ladenbudlbeflissenen beizubringe n, d a ß s i e sich n i c h t vor u n s z u fürchten-brauch e n." So schreibt ein österreichischer Offizier! Nein, so kann doch nur der Herausgeber der „Kavalleristischen Monatshefte" oder deren Hausknecht schreiben! Wäre der Schreiber wirklich ein Offizier und würde sich ernstlich in die österreichische Kriegsgeschichte vertiefen, er würde erfahren, daß es einen, in bezug auf die Zahl imponierenden jüdischen Schwertadel gibt, auf den diversen Schlachtfeldern im harten und ehrlichen Ringen erworben; er würde erfahren, daß die „Nadelstecher" und „Rosenkäfer" mit Hunderten von Tapferkeitsmedaillen, darunter vielen goldenen, partizipieren und weit entfernt davon, schon in Friedenszeiten sich vor einem Reitersmann zu fürchten, in Kriegszeiten so manchem Reitersmann für immer aus dem Sattel geholfen haben. Vizemajor Raunzer, wenn er wirklich ein Kavallerieoffizier ist, steht leider nicht vereinzelt da. Er ist der Typus jenes Aergernis erregenden aktiven Offiziers, der allzuhäufig, unter diversen Pseudonymen, in diversen Militärzeitungen, sein Unwesen treibt. Mit verdecktem Visier skribelnde Offiziere waren immer und sind auch heute ein Krebsschaden der Armee. Das Kriegsministerium würde sich den Dank aller nobel denkenden Offiziere und gutbürgeriieh gesinnten Kreise verdienen, wenn er ein für allemal diesem Unfug einen Riegel vorschieben wollte. Gewiß, das Knegsministerium kann nichts für eine Zeitschrift, die Eigentum eines bramarbasierenden, privaten Eigentümers ist. Aber wir haben noch nie eine mißbilligende Enunziation der höchsten militärischen Behörde gelesen, wonach gewisse von aktiven Offizieren herrührende literarische Erzeugnisse, als gegen die hehren Begriffe von „Kameradschaft und Korpsgeist" arg verstoßend, verurteilt werden. Wenn schon das k. u. k. Kriegsininisterium die (Jebelstände nicht zu beseitigen vermag, daß Hunderte von Offizieren jüdischer Konfession zur Taufe gezwungen werden, wenn — entgegen den Staatsgrundgesetzen — diesen Offizieren der Generalstab, das Auditoriat, die Intendantur unzulänglich sind, dann sollten wenigstens die Offiziere und Soldaten jüdischer Nationalität unter den heutigen Verhältnissen, da d e r S t a a t a u f d e n Patriotismus und die O p f e r w i 11 i g k e i t aller seiner Bürger a n g e w i e s e n i s t. vor Kränkungen geschützt werden. Sie haben im stärkeren Maße Anspruch auf Hochachtung: weil sie unter erschwerenden Umständen ihrem Volke treu bleiben und viel zu ehrenhaft sind, die Zugehörigkeit zum ältesten Kulturvolke für die vorübergehende Gunst eines antisemitischen Vorgesetzten einzutauschen. M. F. Vom Kriegsschauplatz am Balkan. Die Pogroms in Saloniki. Trotz aller BeschönUuinKSversuche der offiziösen uriechisclien Presse, ja selbst trotz üer wiederholten judemreuud-

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