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Neue Nationalzeitung · 1912-12-06 · Heft 24 (6.12.1912) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 24 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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„Neue National-Zeituiig" Nr. 24 er ist ausgetreten, wir finden ihn nicht in der Registratur und müssen dann erst Erhebungen pflegen. Ich will Ihnen einen Fall aus der allerletzten Zeit erzählen. Da ist in einer Kultusgemeinde, gar nicht weit von Wien, jemand ausgetreten, ich kann den Namen augenblicklich nicht nennen! Wir haben keine Ahnung davon gehabt. Da kommt plötzlich ein Erlaß der Behörde, der Mann beschwert sich dagegen, daß sein Name vielleicht in die Austrittsliste kommen könnte und will es uns untersagen. Sie können sich denken, wie die Antwort gelautet hat. Daß der Mann ausgetreten ist, haben wir nur aus seiner Beschwerde erfahren. So ist die Sache. Es kann also ganz leicht sein, daß er in der Austrittsliste nicht erscheint weil wir von der betreffenden Gemeinde keine Mitteilung bekommen haben. (Unruhe.} Diese Landgemeinden machen überhaupt keine Mitteilungen, sie antworten überhaupt nicht und wir erfahren diese Dinge erst viel später, jahrelang später. Da können wir sie aber nicht mehr bekanntmachen. So ist die Sache. Es wird manchmal auch sogar nachträglich bekanntgemacht, aber man kann unmöglich alles in Evidenz halten. (Zustimmung.) Dr. Landau: Es fällt mir nicht ein, den guten Glauben des Herrn Präsidenten zu bestreiten, aber ich erkläre, daß seine ganze Erzählung den Tatsachen widerspricht und nur bezweckt, keine Klarheit über den Fall aufkommen zu lassen. Der frühere rfofrat und jetzige Sektionschef S., dessen Name im Austrittsbuch verschwiegen wurde, ist nicht in der Provinz, sondern hier in Wien, in der Karlskirche getauft worden! (Dr. Gustav Kohn: In TroDpau!) Dr. Landau: Auch das ist nicht wahr. Ich babe auf privatem Wep-p die Nachricht von der Taufe des Hofrates S. erhalten und sie fn meinem Blatte nnbliziert. EiniVe Tacre nachher meldeten sich bei mir zwei sehr angesehene jüdische Journalisten und erklärten: .Sie sind im Irrtum! Hofrat S. ist wütend und wird Sie klagen. Er macht uns dafür verantwortlich! Sie müssen das berichtigen." Tch habe den Herren erwidert: ,.Sie werden meine Antwort in der nächsten Nummer lesen." Dort habe ich folgendes gesagt: ..Hofrat S. ist in der Karlskirche ffetauft worden. Oberinspektor Z. war sein Taufnate. Er hat diesen Paten gefragt, in welcher Toilette er erscheinen soll und erhiHt zur Antwort: .Bei uns werden die Kinder in Windeln retauft.'" (Allgemeine Heiterkeit.) Nehmen wir weiters den Oberlandesgerichtsrnt F.! Ich habe ihn im Austrittsbuch nicht befunden, wußte aber, daß er sich hat taufen lassen. Vh bin dpr Sache nachgegangen und habe bei der Kassa erfahren, daß er in seiner mährischen Heimntseemeinde getauft wurde. Der Mann hätte also nachträglich ins Austrittsbuch aufgenommen werden sollen. Diese Vorgänge darf der Herr Präsident nicht beschönigen und nicht entschuldigen. Hier ist mehr Energie am Platze. Wenn eine Austrittsli^te veröffentlicht wird, dann muß sie auch vollständig sein: es darf keine Hintertürchen und keine Protektionen jreben. (ScWnft foisn Das Resultat der Wiener Kultuswahlen. Die Kultuswähler haben das Losungswort der „Neuen National-Zeitung" befolgt; Sie sind am 27. November zu Hause geblieben. Von den 18.657 stimmberechtigten Gemeindemitgliedern sind alles in allem 1960 Wähler zur Urne erschienen. Offenbar haben alle Kultusvorsteher, Mitglieder der Bezirkskommissionen, Beamte und sonstige Angestellte der Kultusgemeinde, Gemeindelieferanten u. <lgl., für die eine moralische Wahlpflicht statuiert ist, am Wahlakt teilgenommen: e i n Z e h ntelderWähler. Es war eine geradezu demonstrative Wahlenthaltung. Bei den vorigen Wahlen haben von 13.050 Wählern 4446 gestimmt, also zirka 35 Prozent, diesmal waren es kaum 10,5 Prozent. Das Kompromiß mit den Zionisten hat es also zu Wege gebracht, die Apathie und den Indifferentismus der Wähler bis aufs äußerste zu steigern. Wie sehr sich die gewählten Kultusvorsteher selbst dieser Wahl schämen, beweist am besten der Umstand, daß sie in den Notizen an die Tagespresse und in den Kommuniques ihrer Pauschalblätter d i e Zahl der erschienenen Wähler verschwiegen haben. Selbstverständlich haben die Pauschalblätter auch den Bericht über die zweite Wählerversammlung vollständig unterschlagen, in welcher das Präsidium der Gemeinde sehr wenig rühmliches zu hören bekam. Die Kandidaten der „kompromittierten" Clique sind gewählt und nun kann wieder Friedhofsruhe für zwei Jahre hinaus herrschen. Diese Hoffnung der unter allgemeiner Abstinenz gewählten Kandidaten wird aber jedenfalls vereitelt werden; dafür werden wir schon sorgen. * Gewählt wurden in der allgemeinen Kurie nachstehende Herren: Für eine 6jährige Mandatsdauer: Emanuel Hoffmann; Dr. Gustav Kohn, Hof- und Gerichtsadvokat; Dr. Josef P o 11 a k, k. k. Universitätsprofessor; Adolf S c h r a m e k, k. u. k. Hoflieferant; Leopold Simon, k. k. Kommerzialrat; Dr. Maximilian Steiner; Dr. Alfred Stern, em. Hof- und Gerichtsadvokat; Ingenieur Robert S t r i kk e r, Oberkommissär der k. k. Staatsbahnen. Für eine 2jährige Mandatsdauer; Dr. Jakob Ehrlich, Hof- und Gerichtsadvokat. * Am 4. Dezember erfolgte die Wahl in der höheren Kurie. Dort wählten noch einmal jene zirka 1000 Herren, denen es ihre Verhältnisse erlauben, mindestens 200 K Kultussteuer zu zahlen. An diesem Tage zeigt sich der reaktionäre Charakter des Wiener Kultusvorstandes in seiner ganzen Schamlosigkeit. InderganzenWelthatjederKultussteuerzahler nur ein Stimmrecht, und mag er auch ein Millionär sein. Nur in Wien haben Gemeindemitglieder, die 200 K oder mehr an Kultussteuer zahlen, zwei Stimmrechte. Schmach und Schande über jene, diedendemokratischenGeistdes Judentums so mit Füßen treten! * In der höheren Kurie wurden von den erschienenen 119 (!) Wählern nachfolgende Herren gewählt: Für eine 6jährige Mandatsdauer: Moriz B. E i s s 1 e r, Holzhändler; Dr. Arthur K uranda, Hof- und Gerichtsadvokat; Dr. Leopold

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