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Neue Nationalzeitung · 1912-12-06 · Heft 24 (6.12.1912) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 24 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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>>citc aber ersuchen, nicht in solcher Weise fortwährend über unsere Rabbiner loyzuschlagen, denn das entspricht — glaube ich — nicht den Intentionen dieser Versammlung. Das geht nicht so weiter. Wenn Sie eine Beschwerde gegen einzelne Rabbiner haben, so können Sie sicher sein, wenn Sie die Sache mir oder einem der Herren Vizepräsidenten zur Kenntnis bringen, daß dann der betreffende Herr Rabbiner befragt wird und so Gelegenheit sein wird, die Angelegenheit vollständig aufzuklären. Aber derartige Beschuldigungen und Redensarten nur so aussprechen, das kann ich nicht zulassen und ich bin überzeugt, daß so etwas auch in anderen Versammlungen nicht geduldet würde. Wenn Sie Klagen gegen die Rabbiner haben, so bringen Sie sie vor, aber der b e s p r oc h e n e F a 11 ist mir n i c h t bekannt. Vielleicht haben Sie die Güte, sich jetzt mit jenen Dingen zu beschäftigen und eventuell Vorwürfe zu erheben, welche den Vorstand treffen. Dr. L a n d a u: Ich habe schon früher darauf aufmerksam gemacht, daß, als Rabbiner Mayersohn in schwerer Weise angegriffen wurde, derselbe Herr Vorsitzende den betreffenden Redner nicht unterbrochen hat. (Vors.: Oh, ja!) Wenn aber nun ein anderer Rabbiner kritisiert wird, so wird er vom Herrn Präsidenten gleich unterbrochen und muß eine lange Rede über sich ergehen lassen. Das ist eben ein Beweis, welcher Unterschied von seiten des Präsidiums gemacht wird. Vorsitzender Dr. Stern: Ich bitte, es wird gar kein Unterschied gemacht, aber ich kann nicht vorher wissen, was Sie vorbringen werden. Jedenfalls gehören die fortwährenden Anwürfe gegen. Rabbiner Mayersohn und andere Rabbiner nicht in eine Wählcrversammlung. (Lebhafte Zustimmung.) Uebrigens will ich Ihnen etwas sagen: Es handelt sich da gar nicht um einen Rabbiner, sondern um einen Diener, und zwar um einen solchen, der wegen derartiger Vorkommnisse vom Amt suspendiert wurde und aus dem Dienst bei der Gemeinde entfernt werden wird. (Rufe: Na, also!) Dr. Landau: Ich sage auch: Na, also! Sic sehen also, daß eine solche Beschwerde tatsächlich, wie ich behauptet habe, überreicht wurde. Jetzt erinnert sich schon der Präsident und weiß davon, wiewohl er früher erklärte: „Mir ist nichts bekannt". Eiweiß, daß Mißbräuche vorgekommen sind und es freut uns gewiß, daß solche Mißbräuche, die jedenfalls mit der Person eines Rabbiners in Zusammenhang gebracht wurden, nicht mehr vorkommen werden. Zivilehen und Massentaufen. Ich möchte noch auf eine weitere Frage zurückkommen, die meines Erachtens für die Verhältnisse in unserer Gemeinde sehr wichtig ist. Wenn Sie den Rechenschaftsbericht, der Ihnen zugesendet worden ist, mit den früheren Berichten vergleichen, so können Sie die traurige Tatsache konstatieren, daß d i e Zahl der Zivilehen immer mehr zuii i m m t, daß andererseits die Zahl der Ausgetretenen und Täuflinge, wenn auch nicht in überaus auffallender Weise, so doch alljährlich ebenfalls steigt. Nun handelt es sich darum, daß der Vorstand — und das habe ich auch vor zwei Jahren angeregt — in irgendeiner Weise dazu Stellung nimmt. Es wurde damals die Zusage gemacht, daß diese Frage den Gegenstand einer Untersuchung bilden und man trachten werde, entsprechende Mittel auffindbar zu machen, um den Geist der Religiosität in der Gemeinde zu heben und die zahlreichen Austritte einzudämmen. Geschehen ist aber gar nichts. Dagegen häufen sich gewisse Mißstände, die meiner Ansicht nach unbedingt beseitigt werden sollten. Die protegierten Täuflinge. Es handelt sich da um folgendes: Es wird in den jüdischen Blättern eine Austrittsliste veröffentlicht. (Beifall.) Darin werden die Namen des Ausgetretenen, ihr Beruf, Geburtsdatum, Geburtsort sowie Wohnung angegeben. Der Vorstand selbst ermöglicht die Veröffentlichung dieser Listen dadurch, daß die Angestellten der verschiedenen Zeitungen sich im Matrikelamt einfinden und die Namen der Ausgetreteneu aus dem Austrittsbuche abschreiben können. Allein es ereignet sich hiebei die merkwürdige Tatsache, daß vielfach die Namen von in Wien aus dem Judentum ausgetreteneu Personen in diesem Austrittsbuch nicht vorkommen, also v e r s c h w i eg e n werden. Gerade in der letzten Zeit ist das wiederholt geschehen. Vors. Dr. Stern: Kein einziger Fall. Dr. Landau: So? Nur Geduld. Was ist mit dem Hofrat S.. dem Regimentsarzt Dr. St., Dozent Dr. G. usw. Vors. Dr. Stern: Die sind aber nicht in Wien ausgetreten. Dr. L a n dau: Ich werde Ihnen aber noch mehr erzählen und vielleicht wird der Herr Präsident die Güte haben, mir später darauf zu erwidern. Im Austrittsbuche des Matrikclarntes finden Sie diese Leute nicht, wenn Sie aber nachschauen wollen, ob Horrat S. und die anderen ausgetreten sind (Vors.: Aber nicht in Wien.), so müssen Sie in die Registratur des S t e 11 e r a in t e s, die den Zeitungen unzugänglich sind, gehen: Dort finden Sie alle Ausgetretenen, die im A n s t r i 11 s b u c h e v e r s c h wieg e n w u r d e n. I >ie Gemeinde führt somit d o p 13 e I t e R e c h n u n g. (Hört! Hört!) Auf der einen Seite werden die Ausgetretenen verschwiegen, auf der anderen werden sie eingetragen. Was für merkwürdige Politik ist das und welche Bedeutung hat das? Wenn irgend eine „Persönlichkeit" aus dem Judentum austritt, kann sie ruhig sagen: „Mir geschieht nichts, ich kann nicht gebrandmarkt werden." Aber die Veröffentlichung der Ausgetretenen ist ja unsere einzige Waffe. (Lebhafte Zustimmung.) Und da finden diese seltsamen „Persönlichkeiten" noch Protektion bei Kultusvorstehern und werden im Austrittsbuche nicht verzeichnet. Ich will keine Schlüsse ziehen, sondern überlasse es dem Urteil der geehrten Versammlung, ob derartiges bei einer Verwaltung in Ordnung ist. (Rufe: Nein!) Das sind aber Tatsachen, für welche ich mich verbürg e. Soll hier jemand den Mut haben, das unter Ehrenwort zu bestreiten! Vors. Dr. Stern: Das werde ich nicht bestreiten. (Hört! Hört!) Die Sache liegt aber einfach so: Wenn jemand nicht will, daß er in die Austrittsliste kommt, er fürchtet sich davor, so tritt er nicht in Wien aus, sondern in irgend einer entfernteren Gemeinde und diese Gemeinde referiert es uns nicht. Der Mann wird daher in der Liste nicht erscheinen. Im Laufe der Zeit kommt er aber wieder nach Wien und es wird bei ihm die Steuer einkassiert. Er sagt.

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