Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 24 (6.12.1912)
- Date
- 1912-12-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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„Neue National-Zeitung" Nr. 24 außer den wenigen Worten, die sie heute zum besten gegeben haben, darüber aufklären, was sie in diesem Punkte versucht haben. Insbesondere würde es uns interessieren, zu hören, wie es mit den Spenden- Sammlungen für diesen Zweck ausschaut und wieviel die reichsten Mitglieder der Gemeinde, d a runter der sehr verehrte Herr Präsident (schallende Heiterkeit!), bisher zum Bau dieses Tempels beigetragen haben. Die Rabbinerfrage: So einfach geht die Sache nicht, wie sich mein geehrter Herr Vorredner das vorstellt, daß er den Herrn Präsidenten interpelliert und dieser ihm antwortet: „Nächsten Winter wird die Angelegenheit erledigt sein." Es muß, wenn wir schon beisammen sind, der Modus besprochen werden, nach welchem hier in Wien ein Rabbiner gewählt wird. Ich verweise hier besonders auf den Fall Dr. Low aus Szegedin. Hier handelt es sich um eine schwere moralische Ohrfeige, die der Wiener Vorstand als gerechte Strafe für seine Autokratie über sich ergehen lassen mußte. Wenn nicht meine Zeitung darüber berichtet hätte, hätten Sie nichts davon gewußt. Ueber Nacht wurden ein paar Vertrauensmänner zusammengetrommelt — man hat in der Nacht pneumatische Karten verschickt — und ein fait aecompli vorgelegt: Dr. Low aus Szegedin wurde ohne jede Probepredigt in aller Stille zum Rabbiner ernannt. Die öffentliche Meinung wurde überrumpelt. Und dieser Dr. Low war doch nach der Ansicht hervorragender Kapazitäten keine geeignete Kraft für Wien; er hat zwar ein Buch über Pflanzen geschrieben, aber er ist kein besonderer Kanzelredner und nur als chauvinistischer Magyar bekannt. Man kann sich also nicht einmal vorstellen, daß dieser Herr, der gestern ein chauvinistischer Magyar gewesen ist. heute von der Wiener Kanzel deutschtümeln könnte — wie es der Geistesrichtung unseres Vorstandes entspricht. Worin bestehen also seine Verdienste? Er hat einfach das Glück gehabt, mit zwei Kultusvorstehern an der Rivierabekannt zu werden. Deshalb wird er berufen. Aber, nachdem Dr. Low „gewählt" war, hat er mit seiner Gemeinde einen neuen Vertrag geschlossen und hat der Wiener Gemeinde Adieu gesagt . . . Der Vorstand war blamiert und hat diese Blamage einfach unterdrückt. Aber gebessert hat er sich noch nicht. Sie finden aber im Bericht darüber kein Wort und über die Rabbinerfrage überhaupt nichts, sondern nur den Vermerk, daß im Leopoldstätter Tempel einige Rabbiner abwechseln. Nun werden Sie fragen».weshalb ist der Rabbiner hier noch immer nicht bestellt worden? Seien wir aufrichtig miteinander. Wir kennen ja die Verhältnisse. Die Sache steht einfach so: Im Leopoldstädter Tempel ist nur ei n e Stelle zu vergeben. Wären vier Rabbinerposten frei, so würde jeder Protektor sein Schutzkind unterbringen. Aber die vier Protektoren können sich auf einen Rabbiner nicht einigen. Es müssen daher bald zwei Jahre verstreichen, bis die Rabbinerstelle besetzt wird, wiewohl man glauben sollte, daß es hier und auswärts doch genug Rabbiner gibt, die das Recht und die Fähigkeit hätten, an die Kanzel in der Leopoldstadt berufen zu werden. In dieser Frage kann also die Wählerschaft mit dem Vorgehen ihres Kultusvorstandes gewiß nicht einverstanden sein. Und das ist auch charakteristisch für die Art und Weise, wie die Wiener Kultusgemeinde verwaltet wird. Der Fall Mayersohn. Wenn ich schon vom Rabbinat spreche, muß ich auf eine andere Rede zurückkommen, welche in der vorigen Versammlung von Herrn Plaschkes betreffs des Rabbiners Mayersohn zum besten gegeben wurde. (Widerspruch seitens des Herrn Plaschkes.) Ich konstatiere, daß die ganze Rede dieses Herren, die voll von Injurien gegen Rabbiner Mayersohn wrar, vom Herrn Präsidenten nicht unterbrochen wurde — ich ziehe vorläufig daraus keine Schlüsse — und daß erst nach Schluß dieser Rede von Seiten des Präsidenten darauf mit ganz kurzen Worten erwidert wurde, die vorgebrachten Beschuldigungen seien vollständig unbegründet und die Haltlosigkeit derselben vor Jahren von einer Kommission konstatiert . . . (Unterbrechung und Zurufe). Pardon! Sie könnten doch ein bißchen warten, wenn Sie schon neugierig sind. Nun möchte ich meinen, daß es nicht am Platze war, daß sich Herr Plaschkes gerade den Rabbiner Mayersohn zum Objekt seiner Angriffe ausersehen hat. Das hat ganz gewiß seine Tendenz, wenn ich auch nicht sagen will, daß Herr Plaschkes diese selbst verfolgt: es ist möglich, daß er sich zum Werkzeug anderer hergibt. Wir in Wien sollten doch mit Angriffen gegen einzelne Rabbiner sehr vorsichtig sein. Ich bin kein ex-offo-Verteidiger des Rabbiners Mayersohn, aber wenn man sich ihn aussucht, weil er Rabbiner der polnischen Juden ist, um ihn irgendwie zu brandmarken, so muß ich darauf hinweisen, daß es andere Rabbiner gibt, denen ganz andere Sachen zum Vorwurf gemacht werden könnten, die ihnen auch sehr unangenehm sein dürften. Ich will nach dieser Richtung zurückhaltend sein, möchte aber doch eine Tatsache nicht unberührt lassen, weil es sich um einen journalistischen Kollegen handelt. Ich weiß nicht, ob den Herren vom Präsidium — die Herren bekommen doch alle Eingaben, die im Sekretariat einlangen — bekannt ist, daß in letzter Zeit von einem sehr bekannten Journalisten eine Beschwerde eingelaufen ist, worin er sich beklagt, daß seine Frau, die Proselytin ist, anläßlich ihres Uebertrittes zum Judentum von jemandem, der mit dieser Angelegenheit amtlich zu tun hatte, materiell in gröblicher Weise ausgenützt wurde. Es handelt sich da um gewisse Unzukömmlichkeiten, welche bei der Mikwah-Zeremonie vorgekommen sind, und ich glaube, daß sowohl das Präsidium als auch der Obmann des betreffenden Komitees, Herr kaiserl. Rat Kauders, ex offo in dieser Sache orientiert sein sollten. Als mir die Angelegenheit zu Ohren gekommen ist, hat sie mich pei??lich berührt. Vorsitzender Dr. Stern; Mir ist nicht s bekannt. Dr. Landau: Ich kann Ihnen unter vier Augen die Namen nennen. Vorsitzender Hr. Stern: Wenn Sie etwas unter vier Augen sagen wollen, dann ist es besser, wenn Sie allgemeine Beschuldigungen in einer großen Versammlung überhaupt nicht vorbringen, sondern sich einfach an jene Stellen wenden würden, bei welchen Sie auch unter 6 oder 10 Augen Ihre Beschwerde wiedergeben können. (Zustimmung.) Ich würde Sie