Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 24 (6.12.1912)
- Date
- 1912-12-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 ..Neue National-Zeitung" Nr. 24 gleich den Osmanen, eine Welt erobern zu können, und bettelten schließlich, gleich diesen, um einen faulen Frieden. Das ist das Ende des Zionswächterfums in Wien und damit wohl in ganz Oesterreich? Die modernen jüdischen Helden mit den spieen Zungen, die soviel äsenden Spott in ihren Zeitungen über die „Kahals^-Leute ablagerten, welche das von ihrem großen Führer geprägte Wort von den Protest- Rabbinern willig aufnahmen und weiter verbreiteten, werden sich nun in der jüdischen Oemeindestube breit machen und die salbungsvollen, von Weisheit aller Art triefenden Reden anhören, welche die wichtigsten Fragen des Judentums unserer Zeit betreffen. Vielleicht werden sie manchmal auch die eigene Meinung aussprechen wollen, daß die jetzige Welt des Judentums im allgemeinen^ die des Wiener im besonderen, nicht die beste sei. Sie werden möglicherweise es auch wagen, für soziale Reformen im Judentum einzutreten, es versuchen, die Türen und Fensler der von einem eigentümlichen Moderduft erfüllten Gemeindestube zu öffnen, um ein wenig, ein klein wenig Luft und Licht einzulassen. Da werden sie aber etwas erleben, die Kompromißhelden. Ein Hohngelächter wird ihnen entgegenschallen und die Erbgesessenen, die „Patrizier", werden den Eindringlingen, den Plebejern, die Türen und Fensterflügel vor den Nasen zuschlagen. Makkabäer dürfen sich nicht auf Kuhhandel einlassen und das Judentum zum luogo die traffico machen. Wären die Zionsleute im modernen Wien im ehrlichen Kampfe unterlegen, wir könnten ihnen den Respekt nicht versagen. Auch vor dem gefallenen Gegner senkt man die . Fahne. Wenn sie nach errungenem Siege auch nur in der Minderzahl in das alte Haus in der Seilenstettengasse eingezogen wären, mit Jubel hätten sie alle Gesinnungstüchtigen begrüßt. Aber zuerst witjig sein sollende Gedichte machen über jüdische und andere Antisemiten, mit Worten \aphr herumfuchteln, nach allen Richtungen ausschlagen und dann — Verträge schließen mit den alten Perücken — -— das ist kein Heldenstück, am allerwenigsten ein der alten Makkabäer würdiges. Verträge, faule Kompromisse schließt eine senile, an sich verzweifelnde, nicht aber eine Partei begeisterter, jugendlich-mutiger Kämpfer. An Kompromisse und schlappschwänzigeAbmachungen dachte der große Geist nicht, der einstens sagte: Der Zionismus werde sich die Kultusvertretungen erobern müssen. Nicht um Schwächlinge war es ihm zu tun, die um jeden Preis in der Gemeindestube si£en wollen, sondern ihm schwebte eine Schar mutiger Männer vor, voll Jugendlust und frischer Tatkraft, die umrauscht von dem alten Panier Judas ihren Einzug halten sollte in die verstaubten Ratsstuben, um hier dem alten verrotteten Schlendrian den Garaus zu machen, Pla£ zu gewinnen für neue, das Judei.fum regenerierende Ideen, der Gerechtigkeit und Wahrheit die Bahn zu ebnen, und die Feilscher und Krämer aus dem Heiligtum hinauszujagen und es von der elenden Protektionswirtschaft zu reinigen. Was würde der Feldherr des Zionismus dazu sagen, wenn er sähe, was seine Jünger, oder sagen wir besser, die „Jungen", aus seiner Idee gemacht haben? „Mehr zu preisen sind die Toten", die diesen ganzen Jammer, an dem unser Dasein so reich ist, bereits überstanden haben. Die Art und Weise, wie die modernen Makkabäer jet?t in Wien das Chanukafest feiern, indem sie als Schleppträger der Kahalisten in die alte jüdische Gemeindestube hereintraben, entspricht nicht dem Geiste einer jüdischen Renaissance, sondern der Lethargie eines senilen Marasmus .... Die Chanukalichtlein verlöschen in solcher Stickluft .... Der traurige Verfall alles jüdischen Wesens, wie er durch den Einmarsch der schlaffen Kompromiß- Kandidaten in die jüdische Kuria Wiens versinnbildlicht wird, konnte sicherlich nicht deutlicher uns vor Augen geführt werden. Ueberall Lethargie, Müdigkeit, Schlaffheit, nirgends Kraft, Energie, Willensstärke. Von dem drohenden Untergange der kleinen jüdischen Gemeinden müssen wir nicht erst sprechen. Er tritt gar zu deutlich in den verschiedenartigsten Erscheinungen zutage. Es gab Zeiten, in denen die geistlichen Oberhäupter des Judentums, wenn sie auch weniger in Philosophie und Darvinismus „machten", sich der Verehrung der Gemeindemitglieder erfreuten; diese sahen in ihren Hirten die Helden, von denen das Licht des Judentums gut behütet war. Was soll man je£t von den weltlichen und geistigen Führern des Judentums sagen? Hüllen wir uns lieber in den Mantel eines wohltätigen, aber sehr beredten Schweigens. Es ist eine bekannte Tatsache, die wir nicht erst von den Antisemiten zu lernen brauchen, daß in unserer Mitte nicht der wahrhaft Tüchtige, sondern der sich am besten seiner beiden Ellbogen zu bedienen Verstehende emporkommt. Man muß nur die Kunst besten, die Maßgebenden, die von Menschlichkeit und Friedensliebe Triefenden, von deren Munde lange Reden der Weisheit herniederrieseln, glauben zu machen, daß sie wirklich große Männer seien . . . Und dann hat man sie ganz . . . Nun glaubten wir, der entweihte Tempel des Judentums werde von einer kräftigen jugendlichen Renaissance-Partei, einer wahrhaft tapferen nationalen Heldenschar gereinigt werden. Wir haben uns in diesen Makkabäern getäuscht. Sie sind auch von des Gedankens Blässe angekränkelt. Kein Blut, sondern seichtes Wasser. «Wirfschaft, Horatio, Wirtschaft!" Wir fügen hinzu, elende, miserable Wirtschaft. Mit Recht spricht man von schweren, traurigen Zeiten, die wir durchleben. Ein düsteres Chanukafest in der Tat. Seine Lichtlein leuchten trübe . . . Was bedeutet uns noch solch ein Chanuka? S. S. Die Berichtigungsklage des Dr. Bloch — abgewiesen. (Eine Reklamenotiz für Dr. Grunwald als — „Berichtigung".) Seitdem Herr Präsident Dr. Stern die Zionisten und deren Organ auf billige Weise mundtot gemacht hat, muß er mit der Tatsache rechnen, daß die ungestörte Fortdauer seiner Herrschaft nur noch durch das einzige unabhängige jüdische Blatt, die „Neue National-Zeitun g", gestört wird. Nun kommandiert er seinen Leibjournalisten, Herrn Dr. J. S. B 1 o c h, an die Front. Herr Dr. Bloch hat also gegen die „Neue National-Zeitung" eine Berichtigungsklage beim k. k. Bezirksgericht Josefstadt in Strafsachen