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Neue Nationalzeitung · 1912-11-22 · Heft 23 (22.11.1912) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 23 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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5eitE'8 »Neue Natioml-Zeitung' Nr. 23 ^knappen Worten vorstellte*:.-Die'Herren erzählten, daß sie so und so viel Jahre dem Vorstände bereits angehören, und ersuchten, man möge sie noch einmal 'wählen. Außer Dr. Max Steine r; der von seinem Ref crmplan des Religionsunterrichtes erzählte, wurden seitens der Kandidaten kein« programmatischen Erklärungen abgegeben. Wozu denn? Für wen? Für die zehn Wähler, die von 19.000 Wählern erschienen a-'fM? : ,; .Die Debatte war trotz schwacher Beteiligung seftr leibhaft. Es handelte sich um den seitens des Wäfarers P1 a s c h k e s dem.' Kultusvorsteher S c h ra iuek gemachten Vorwurf, daß bei dem •unter dessen Oberaufsicht steinenden Tempelbau in defi'Pazrrianitengasse die Herstellung der Bänke an einen Christlichen Tischler übertragen wurde. ► 'Herr: S c'h ra m e k und nach ihm Herr Architekt R e i i er rechtfertigten diesen Vorgang damit, daß die rc'hHstMebe Firma die Lieferung der Bänke um zirka 9000 K offerierte, während'die jüdische Firma 'Zirka 22.000 K verlangte. Diese; horrende Differenz söi'der-Grund :gewesen, weshalb diese Arbeit ausnahmsweise einem Christen übertragen wurde. - v Infolge von Zurufen.aus dem Auditorium ergriffen auch «Tie Herren Dr. Ste rn und Dr. Gustav Kohn '■d'aS< Wart. BeMie^ftahmeri. nicht nur Herrn Schramek m Schutz', sondern erklärten:: es prinzipiell für zulässig daß bei Synagogenbauten auch Christliche Handwerker tr e s c h ä f t i g t werden", Dr. Stern erzählte, daß man oft Kartete» gegenüberstehe, und Dr. Kohn verwies dar-!atff/tlalr.^ch ■ tont&ngstf? jüdfschej In£eniejrte und Architekten dalür ausgesprochien haben, bei Offertäusschrefbtmgeh für Synagogebauten auch christliche Kollegen zu berücksichtigen. Dr. Kohn übersatt dabei, daß es sich lediglich um eine Anregung 'des Architekten7 Drl Karpius (eines Zionistefi!) handelt; mit der-nur wenige jüdische Kollegen einverstanden sind. Möchte 'urts Herr Dr. Kohn nient sagen, was die Mischen Architekten beginnen sollen, wenn c h rii 11 i e il e Architekten Synagogen ba«aeh? Sie können dann höchstens — Kirchen bauen. Dann müssen sich aber Pfarrgemeinden fin- ' den,'dl6 ^ö denken wie — Herr:Dr. Kohn. . Dagegen fpalim sicti'Kultüsvorsteher S. Brod in wärmen Worten der jüdischen Handwerker an. H. WäMerversammliing — gesprengt. Die II. am Mittwoch, den 20; d. M., im Restaurant Guth abgehaltene-Versammlung war etwas zahlreicher*besucht. Sie .zählte zirka 150 Wähler, inkhisiv«. Gomeiadeange^tetite üsrfdl ^'Vorsteher. Die Kandidaten wiederholten ihre stereotypen , Ansprachen, Dr. Stern sprach' aWstfülirricher und verwies darauf, «Laß er 82 Ja«hre alt sei, 24 Jahre im Vorstande sitze, und wahrend dieser Zeit bemüht war, die jüdischen Interessen nach außen zu vertreten, indem er sorgfältig daf&ber wachte, daß in den Konknrsausschreibungen nur der Geburtsschein abverlangt werde. •In der folgenden Debatte ergriff zuerst Dr. S. R. Landau das Wort. Er sprach, über eine Stunde über alle die Gemeinde bewegende Fragen unter besonderer Rücksichtrua'hme auf'all' das. was der Re- .. chenschafts'bericht — verschweigt. Daß dieser Redner sich vom Vorsitzenden Dr. Stern wiederholte Unterbrechungen lind langatmige „Berichtigungen4' gefallen lassen mußte, gehört mit zu den Requisiten der von Dr. Stern geleiteten Versammlungen. In jeder parlamentarisch geleiteten Versammlung wird ein Redner vom Vorsitzenden nur dann unterbrochen, wenn er zur Ordnung gerufen werden soll; Dr. Stern hat sich eine Geschäftsordnung zurechtgelegt, wonach er jeden Redner nach Belieben unterbrechen und gegen ihn polemisieren darf . . . Wir werden diese Rede Dr. Landau s, die jedenfalls die interessanteste in der ganzen Wahlbewegung war, in der nächsten Nummer ausführlich nachtragen. Sie beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Baue eines Tempel sinderinneren Stadt, mit der Rabbinerfrage unter Berücksichtigung der Affäre mit Dr. Lew aus Szegedin, mit dem U n f u g bei der Anlage der Austrittsliste, mit der Zurücksetzung der östlichen Juden bei den diesjährigen Wahlen und in der Kultusgemeinde überhaupt, sowie schließlich mit dem Kompromiß. Dr. Landau schloß mit der Erklärung, daß es angesichts der trostlosen Verhältnisse in der Gemeinde für jeden sich selbst achtenden Wähler, der kein Stimmvieh sein will, nur eine Wahl gebe: Zu Hause bleiben! Gegen Dr. Landau polemisierte Herr Dr. Jakob Orn-stein als Obmann Öes Zentralwahl-Kornitees, indem er die Verantwortung für das Kompromiß auf sich nahm. Ein polnischer Jude sei heuer nicht aufgestellt worden, weil der bisherige Repräsentant Hr. Halpern demissioniert habe. Lieber das Thema der den polnischen Juden gebührenden Vertretung sprachen noch die Herren Jolles und Komet. Die Rede des Zionisten Dr. Plaschkes, der einen Amtsleiter wegen angeblicher Entlassung eines Druraisten sehr scharf angriff, führte zu stürmischen Auftritten und damit zur Sprengung der Versammlung. Es ist ein merkwürdiges Omen, daß dem Dr. Stern gerade von seinen neuesten Bundesgenossen die Wählerversammlung gesprengt wurde . . . KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Geheime Plenarsitzung des Kultusvorstandes. Wien, den 10. November. Namens des Vertreter-Kollegiums werden die folgenden Berichte dem Plenum zur Genehmigung in Vorlage gebracht: Die Lösung der Rabbinerfrage in der Brigittenau. Konform den vom Tempelverein Brigittenau dem Kultusvorstande vorgebrachten Wünschen wurde ab 1. November 1912 Herr Dr. Moritz R o s e n f e 1 d damit betraut, im Brigittenauer Vereinstempel an jenen Sabbath- und Festtagen, an welchen Herr Rabbiner Dr. Armin Abeles im Bethause des Vereines „Beth Hachnetheth" im 3. Bezirk fungiert, jene rabbinischen Funktionen, welche nicht staatlich amtlichen Charakter tragen, zu versehen. Der Genannte wurde überdies verpflichtet, von Zeit zu Zeit populär-wissenschaftliche Vorträge auf seinem Fachgebiete im 20. Bezirke abzuhalten und an der obersten Abteilung der Bibelschule des 20. Bezirkes zu unterrichten. Die Uebernahme der Brigittenauer Bibelschule. Die vom Brigittenauer Tempelverein unter Beisiellung einer Subvention von 3000 K seitens der

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