Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1912-11-22 · Heft 23 (22.11.1912) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 23 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2425679-2425857-2425881--2547-2428987
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 23 eintreffenden Einwanderer überhaupt, eine Million erneieihen wird. Damit würde das Jahr 1912 als ein Phänomen in der ßnwanderuntgsgieschichte Amerikas dastehen. Den größten Teil des ßinwanderiun£skonti.njrenfcs stellen Oesterreich- Ungarn, Rußlan d mvd Italien. Trotzdem die genauen Daren noch fehlen, läßt sich wohl behaupten, daß dieses unglaubliche Plus 'der amerikanischen Einwanderung auf das Konto der Juden zu setzen (ist. * Die jüdische Farmer-Konferenz in New York. Die vierte Ja'hres-Konferenz und Ausstellung tder Föderation der jüdischen Farmer von Nordamerika -findet vom 17. bis 20. d. M. in New York statt. Am der Konferenz wird sich auch Dr. Aihron Ahronsohn, der Direktor der jüdischen landwirtschaftlichen Versuchsstation im Qraifa beteiligen. Das Wahlkompromiss und der zionistische Verrat. Von einem alten Zionisten. Sie haben mir mit Ihrem Leitartikel in der vorigen Nummer ganz aus dem Herzen gesprochen. Ein derartiger Mangel an politischem Charakter und eine solche Verleugnung der persönlichen Würde kommt selbst in der Geschichte der großen politischen Parteien nicht vor. — Ist es denn beispielsweise möglich, daß Christlichsoziale und Sozialdemokraten auf einer Liste figurieren und daß die Wahl'komitees beider Parteien den Wä'hlern die gemeinsame Liste empfehlen könnten? Ja, es sind auch Kompromisse zwischen Klerikalen und Sozialdemokraten vorgekommen, wie beispielsweise in Baj'ern. Aber hier wurden auf Grund des Kompromisses die einzelnen Bezirke an die eine oder andere Partei zugeteilt. So geschieht es immer, wenn zwei Parteien, die sich bis zu den Wahlen auf das schärfste bekämpft haben, miteinander Kompromisse schließen. Bitte doch zu bedenken den Gegensatz zwischen der Kahalklique und der bisherigen zionistischen Opposition. Die Kahalklique unter Führung des Dr. Stern hält mit Starrsinn an einem Wahlsystem fest, welches durch seinen hohen Zensus und durch das Listenskrutinium —die 19.000 Kultuswähler von ganz Wien wählen eine Liste — den plutokratischen Charakter des Wiener Kultusvorstandes für alle Ewigkeit sichern möchte, während sich bis jetzt die zionistische Opposition zur Aufgabe gestellt hat, gerade dieses plutokratische System zu vernichten, das allgemeine und gleiche Wahlrecht einzuführen und dadurch die Kultusgemeinde zu einer wirklichen jüdischen Volksrepräsentanz machen. Für dieses Programm haben wir alten Zionisten seit Herzls Zeiten gekämpft, und nun wirft man einigen jungen Leuten eine Lockspeise in der Form von zwei Mandaten hin und sie setzen sich auf eine Liste zusammen mit Dr. Stern, den sie als einen Volksfeind seit Jahren bekämpften und der in Wirklichkeit ein V o 1 k s - f e i n d ist. Ich schäme mich, einer Partei mit diesen Leuten angehört zu haben. Das krasse Strebertum kommt am klarsten dadurch zum Ausdrucke, daß ältere Zionisten, die seit Jahren für die zionistische Idee kämpfen, die sich bereits durch ihre Agitation bei den Kultuswahlen ausgezeichnet und sich auch als Kandidaten exponiert haben, daß Leute wie Börserat B r e c.h er, Dr. Jakob K ohn, Max Markus und andere über Bord geworfen werden, um für zwei jüngere Herren, die in Kulftisiarfgelegenrveiten vollständige Ignoranten sind, Platz zu scharfen. Nachdem infolge Ihres Artikels Herr Adolf Boehrn vom offiziellen Wahlkomitee abgelehnt wurde, hat dasselbe nun als Kandidaten Herrn Dr. Jacob Ehrlich und Ingenieur Robert Stricker aufgestellt. Die beiden Herren mögen ja gewiß, wie es in dem gemeinsamen Aufrufe heißt, Männer von Charakter und Empfindung sein, aber sie sind weder Individualitäten, wie die früher genannten, noch haben sie welche Kenntnisse und Erfahrungen in Kultusangelegenheiterl. Das zionistische Organ betont zwar, nachdem es längere Zeit übterhaupt geschwiegen h&t, daß den zionistischen Kafldidiat'en die Mandate bedingungslos angeboten wurden, und das Blatt freut sich riesig, daß Herr Dr. Stern sie nicht mehr geringschätzt, sondern vielmehr anerkennt und achtet. Durch diese Erklärung kann aber die traurige Tatsache nicht verwischt werden, daß das zionistische Wahlkomitee nur Mandate erreicht hat, aber nicht eine einzige sachliche Konzession, daß die Opposition die Flinte ins Korn geworfen hat, um im Kultusvorstand mit den Köpfen an die Mauer des diktatorischen Präsidiums zu rennen, dafür aber das Feld geräumt, jedem Wahlkampf, d. h. jeder Aufklärung der Wähler aus dem Wege geht, um einen faulen Frieden zu schließen. Der zionistische Kandidat Dr. Ehrlich hat von der Gesellschaft, in die er sich jetzt hineinsetzt, einmal folgendes gesagt: „Sorgen Sie dafür, daß der Modergeruch aus der Kultusstube verschwindet. Solange wir es nicht durchsetzen können, daß die Reaktion aus unserem eigenen Hause verbannt wird, solange sind wir nicht berechtigt, draußen im Namen der Freiheit zu sprechen. Solange die Kültusvorsteher selbstdenkleinsten Fortschritt in der Kultusstube mit allenMittelnverhindern, muß sie die Pose des Freiheitskämpfers, die sie im politischen Leben anzunehmen pflegen, recht lächerlich erscheinen lassen." Ich fürchte, daß die zwei Kompromißkandidaten den Modergeruch selbst anziehen und daran verschimmeln werden. Denn der verjüngende Hauch der Popularität schützt nur diejenigen, die auf den Schultern des Volkes getragen werden, nicht aber das Volk im Stiche lassen. Die Kultuswahlen in Wien. Da die offiziellen Kandidaten ihre Wahl offenbar in der Tasche haben, wurden für dieses Jahr lediglich zwei — bisher waren es immer vier — Kultuswähler-Versammlungen veranstaltet. Erste Wahlversammlung. Die erste Versammlung fand am Samstag, den 16. d. M., im Beethoven-Saale statt. Raum war für tausende vorhanden, erschienen sind kaum hundert Personen, die überwiegende Majorität bestand aus Kultusvorstehern und Gemeinde- Angestellten. Den Vorsitz führte Dr.'Stern, der sich nebst den anderen vier Kandidaten — die zwei zionistischen Kandidaten sind ausgeblieben — in sehr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.