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Neue Nationalzeitung · 1912-11-22 · Heft 23 (22.11.1912) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 23 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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„Neue Nätional-Zeitung" Kuhusgememde auch im abgelaufenen Schuljahre geführte Bibelumd Leseschule ist mit Beginn des Schuljahres 1912/13 von der Kultusgemeinde übernommen worden. In der Othmargasse hat die Kultusgemeinde geeignete Lokalitäten gemietet und adaptiert, so daß nun zwei Lehrsäle und die erforderlichen Nebenräume für die Zwecke der Bibel- und Leseschule zur Verfügung stehen. Mit Rücksicht auf die in diesem Bezirke vorherrschenden Verhältnisse wird von der Einhebung jedes Einschreibe- oder Unterrichtsgeldes abgesehen. Die Schule weist 460 Schüler auf, welche in 14 Gruppen mit je 2 Wochenstunden den Unterricht erhalten. 12 Gruppen sind von Volks- und Bürgerschülern, 1 von Mittelschülern der unteren Klassen, 1 von Mittelschülern der obersten Klassen, Handelsschülern und Handelsakademikern besucht. Die Steinerschen Experimente mit dem Religionsunterricht. Seitens des k. k. n.-ö. Landesschulrates ist der zur versuchsweisen Einführung an 6 Anstalten bestimmte, von uns eingehend beleuchtete „Reformlehrplan" des Dr. Max Steiner für die 2 obersten Klassen der Mittelschulen genehmigt worden, so daß nunmehr die Durchführung des Reformversuches an den folgenden Anstalten eingeleitet wurde: K. k. Maximilia-Gymnasium. IX, Wasagasse 10; k. k. Staats-Realschule, I, Schottenbastei 7; k. k. Staats-Realschule, IX, Glasergasse 25; k. k. Staats-Realschule, II, Josef Gallgasse 2; k. k. Staats-öymnasium, II, Sophiertbrückengasse 22; k. k. Staats-Realschule. III, Radetzkystraße 2. Für die Schüler der Reformklassen wurde im Schulgebäude IX, Seegasse 16, ein Lesezimmer eingerichtet, in welchem die von den Religionslehrern im Verlauf der Vorträge angegebenen und auch sonst geeignet erscheinenden Bücher und Zeitschriften zur freien Benützung aufliegen. Daselbst finden im Beisein der Religionslehrer Diskussionsabende statt, welche jeweilig durch ein Schülerreferat eingeleitet werden. Für das Lesezimmer ist eine Selbstverwaltung der Schüler nach dem Muster, wie sie an der k. k. II. Staats-Realschule im 2. Wiener Gemeinedebezirk für den obligaten Unterricht bestehen, eingerichtet. Wir werden sehen, was aus diesem Experimente, gegen das sich alle kompetenten Pädagogen ausgesprochen haben, werden wird. Rußland. Der „Ritualmord"-Prozeß in Kiew. Kiew. Das Martyrium des armen B e j 1 i s nimmt kein Ende. Die russische Schandjustiz will ihr Opfer nicht freilassen. Immer unerklärlicher und widerspruchsvoller wird die Haltung der Untersuchungsbehörde. Seit den Enthüllungen Brasul-Bruschkowskis glaubt in Rußland kein Mensch mehr ernsthaft an die Schuld des armen Bejlis, und selbst die blutrünstigen „Verbändler" und schwarzen Hundertschaften waren eine Zeitlang recht kleinlaut geworden und rechneten mit der Freilassung Bejlis. Der Umstand, daß das Justizministerium den Untersuchungsrichter für besonders wichtige Angelegenheiten, Maschkewitsch, nach Kiew entsandte, um eine „ergänzende Untersuchung" vorzunehmen und die Angaben Brasuls und Krassowskis nachzuprüfen, schien darauf hinzudeuten, daß die oberste Justizbehörde deü Reiches die auf die Feststellung eines „R i t tra I m 0 r - des" abzielende Tätigkeit des früheren Untersuchungsrichters denn doc^. zu, blamabel .^nd imfLden in allen juristischen Kreisen des InuM Auslandes als Justizskandal empfundenen. Bejlisprozeß liquidieT ren wollte. Nachdem nun. Ma^chkewi für viele Wochen aus Kiew verschwunden war. erfährt man jetzt, daß er in Petersburg den Professor der Theologie Troitzky und einen bekannten antisemitischen Popen Pranaifis aufgefordert hat, sidigut-. achtlich (!) zu äußern, ob der Talmud und das kabbalistische Schrifttum ides Mittelalters Stellen enthielten, die auf den rituellen Gebrauch christlichen Blutes durch die Judeia .schließen lassen! Das Gutachten von Professor T r o i tz k.y soll bereits vorliegen und das Vorhandensein derartiger Hinweise entschieden v e meinen. Wie die „No- WojeWremja" zu berichten weiß, setzt jedoch Maschkewitsch die Nachforschungen nach dieser Richtung fort und läßt zu diesem Zwecke —die k a b b a l i-1 s t i s c h e n Handschriften der kaiserlichen Akademie in Petersburg studieren. Der RitualBiordprozeß soll also zur höheren Ehre der russischen Justiz und zu Nutz und Frommen der „staatserhaitettden" Parteien in der gegenwärtigen Wahlkampagne um jeden Preis weitergeführt werden. ~ Inzwischen veffällt iBejlis immer mehr in der Gesundheit und wird mit der größten Strenge bewacht. Offenbar WÜf man ihn zu Tode quälen,' urri, nicht die eigene Barbarei eingestehen zu müssen. /IMS /ILLlN WELTTEILEK Die Rabbinerwahl in Lodz tot mit eimem vollen Sieg <A&t; C h a s s i d i m - P a r t s i geendet. Jbr Kandidat» Rabbi Elftaisejn T r e i s t m a n n a-iw Radpjn, wunde mit einer Mehrheit, v<on, <S4ü Stimmen gewählt. Im ganzen beteiligten sich vom 70Q0 stimmberechtigten Oemeindemibgliedern etwas -mehr wie 5QOO7 Wähler an der Wahl. Der (Gewählte erhielt 2211: Stimmen. Auf Rabbiner Li p pschäi tz aus Kalisoh fteleu 18£l Stinwte&v Der Rest verteilte sich aiüf drei andere Kandidaten. , Ob mit dieser vollzogenen Wahl, aiteh der Wahlikampf zu Bade. gangen und die Frag« endgültig gelöst ist,. w4rd die . näßhSte, Zukunft zeigen. Die Wahlstreitigkelten haben ei«en tiefen Riß in der Gemeinde verursach-t und Parteien geschahen*• wje man sie hier früher nie gekannt. , Jüdische Bergarbeiter finden wir jetzt sehr zahlreich »nr Bezirk dös Ruhrkohlengebietes. Diese Juden kommen ausschließlich aus Holland, besonders 'aus Amsterdam, wo durch die Anhäufung von 'alnroeren Jfuden sich wenig Arbeitsgelegenheit bietet. Sve finden auf den Zechen 'in der Umgebung von R s s e n und Dorfmund lohnende Beschäftigung und sind von deti Zechenver\valtuh?en wegen ihrer Zuverlässigkeit und ihres Fleißes gern gesehene Arbeiter. Mehrfach srind Juden auch als Lampenmeister oder Werkführer in den ftrfkcttfabriken tätig. Die Einige wanderten lassen bald1 tiacir ihrer Einstellung in den Betrieb ihre Familien nachkommen, die sich damn in Deutschland bajd eitdeben.. Altein in Steele bei Essen leben über hundert'Wflpfef emg^^ande'rt^ Holländer. Die Söhne der Familien sind, entweder ötreiifa 1 im. .ßergbau; tätig oder sie widmen sich einem Handwerk. Jedenfalls kotr>men alle die Einwanderer bahj in bessere Lebens er hältnifi«s>e,, als sre sie früher in Am^terdiam kannten.. Leider . läßts es d.er Zechenbetrieb nicht zu, daß <Uß Arbeiter am SQn-nabend frei sind. An den hohen Feiertagen werden .sie jfid#ch anstandslos, beurlaubt. Da diese Ansiedelungen nieh-t neu sind,, sondern einzelne Familien schon fünf bis sechs Jahse hier .wohnen, §o.

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