Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 22 (8.11.1912)
- Date
- 1912-11-08
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Ni- „ ______„Neue Nalional-ZeituiuT wann darf ich Ihnen ein Stückchen dieses prachtvollen Schinkens anbieten?" Mit witziger Schlagfertigkeit entgegnete lächelnd der Rabbiner: „An Ihrem Hochzeitstage, Hochehrw iirden!" LITERÄtyr. Flfegaard Leisner: Ellerbeck: „Pogrom". Mit Zeichnungen (Vollbilder) von Kurmerker. Preis: Kart. Mk. 3.—. Luxusausgabe Mk. 5.—. Alleinvertrieb beim Jüdischen Verlag. Berlin W. 15, Sächsische Straße 8. Das Buch wird seiner Aufgabe einer gründlichen Popularisierung der Nachrichten über die Pogromgreuel in doppelter Weise gerecht. Im einleitenden Teil wird eine Uebersicht über das Wesen des Pogroms gegeben, gewissermaßen ein Idealbild: die geheime und ofiene Agitation, genaue Bezeichnung der Judenhäuser. Zusammenrottung, sinnlose Zerstörung und dann Mord, Mord: Mord au Männern, Mord an Frauen, Mord an (ireisen und Kindern. Im historischen Teil hat der Verfasser aus dem gewaltigen Material, das in dem amtlichen von dem zionistischen Aktionskomitee herausgegebenen Werk über die Judenpogrome (erschienen im Jüdischen Verlag) aufgespeichert ist, eine Auslese getroffen. Ks werden einige besonders typische Fülle aufgeführt. Was einen westeuropäischen Leser besonders befremden wird, ist die soziale Schichtung der Pogromhelden. Mit Staunen wird man feststellen, daß es sich hier nicht allein und nicht einmal zum größeren Teil um finstere Massen handelt, deren tierische Instinkte entfesselt worden sind, sondern um a lle Klassen d e r B e v ö 1 k e r u n g. Einmal steht der Pope, ein Pfarrer, an der Spitze der mordenden Menge. In Bachmut beteiligen sich Polizei und Soldaten am Pogrom. In Kiew aber, da war die ganze (iarnison aufgeboten, und ein (ieneral in Paradeuniform erteilte die Orders .... Die Forschung wird noch manches wertvolle Material über Entstehung und Organisation der Pogrome zutage fördern, eines steht aber jttzt schon fest: diese ganze Bewegung wäre unmöglich, wenn sie nicht diejenigen leiteten, die auf die Geschicke des ganzen Reiches größeren Einfluß haben .... Und das Fazit: „900 Tote, über 6000 Verwundete und Verstümmelte, ungezählte Schändungen und Vergewaltigungen, über 300.000 ruinierte Familien, über eine Viertelmillion durch Raub und Plünderung heimgesuchte Menschen und fast 75 Millionen Mark geraubt oder vernichtet." Das Buch ist mit Geschmack ausgestattet, die Zeichnungen sind charakteristisch. Bemerkenswert ist das Bild „Auf zum Pogrom", welches mit ganz ungewöhnlicher Kraft und Anschaulichkeit einige Pogromgesellen auf dem (lang „zur Arbeit" zeigt. Hanns Withalm: Kairo. Ein Buch über Aegypten. 94 Seiten. Oktavformat. Mit 15 Illustrationen in Autotypie und I Karte. Zürich. Verlag: Art. Institut O r e 11 F ii s s I i. Es ist ein neues und eigenartiges Buch über das immer interessante Land, das uns hier geboten wird. Wer den Maugel an wirklich guter und informativer Literatur über Aegypten kennt, wird zugeben, daß die Arbeit Withalms das einzige Buch ist, welches dem Touristen, dem Kaufmann, dem Weltpolitiker und dem W issensdurstigeu einen vorzüglichen Wegweiser und interessante Belehrung bietet. Man darf auch sagen, daß der Autor mit dieser Arbeit einen neuen Stil in die Reiseliteratur bringt, und zwar einen durchaus originellen und spannenden Stil. Trotz des zu schildernden Themas, das ethnographisch ebenso wertvoll ist wie nationalökonomisch und politisch, wird seine Art nie dozierend und nie trocken. Das Buch liest sich leicht und rasch, und wer das getan hat, besitzt eine Menge neuer Eindrücke von Aegypten Die jüdische Statistik. In Frankfurt a. M. wurde nach dem Vorbilde B e röcite 9 lins und M ü n c Ii e n s ein „V e r e i n für Statistik und Demographie der Juden" begründet. Üeber die Ziele des Vereines schreibt Dr. A. S t e r n im „Frankfurter Israelit. Familienblatt": „Die Statistik ist eine trockene Kunst. Aber wer die trockenen Zahlen, Rubriken und Kurven zu deuten versteht, dem gibt sie Einblicke in verworrene Verhältnisse, wie sie keine ausgiebigste Beobachtung und Betrachtung zu geben vermag. Die Zahlen, wenn sie nicht dilettantenhaft gehandhabt, sondern in wissenschaftlich einwandfreier Weise gemeistert werden, werden Beweismittel von unwiderleglicher Schlagkraft. Die Juden sind nun einmal in allen Ländern Gegenstand uuimerksamster, meist übelwollende) Beobachtung, und so hat man über ihre intellektuellen, moralischen und materiellen, speziell ihre sozialen und anthropologischen Verhältnisse und Einflüsse fast nur gefühlsmäßig und zwar aus antipathischem Gefühl — gewonnene Ansichten verbreitet und verfochten und daraus eine Berechtigung zur Anfeindung und Bekämpfung der .luden hergeleitet. Wir Juden können dagegen sagen, was wir wollen, es nützt nichts. Nur etwas nützt: wenn es uns gelingt, durch wissenschaftliche exakte Beweisführung, wie sie eine richtige Statistik ermöglicht, dem Gegner zu parieren: denn der Respekt vor echter Wissenschaft, dem wir alle die gewaltigen Fortschritte der letzten Generationen verdanken, ist überall groß geworden. Wenn es beispielsweise gelingen würde, das Märchen von dem Reichtum der Juden in Deutschland durch unwiderlegliche Zahlen zu vernichten, wäre ein jahrelanges Streiten über diesen Gegenstand überflüssig. Der Geist der ungeschminkten Wahrheit, der sich nicht scheut, auch das Unangenehme herauszusagen, muß alle Bösw illigkeit besiegen." Nur in \\ i e n will man von einem Vereine für jüdische Statistik ebenso wenig wissen wie von einem Verein für jüdische Literatur. Speziell die jüdische Statistik wird vom Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde direkt bekämpft. Der Herr ist $2 Jahre alt und hält offenbar sein Vorgehen für „jüdisch". Die Rassenzugehörigkeit der Juden. Lieber dieses höchst umstrittene Thema, dessen Literatur gerade in letzter Zeit stark anwächst, sprach jüngst im Berliner „Zentralerem deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" der Berliner Anthropologe Dr. v. L u sc h a n. Er ging von der Frage aus. wie verhalten sich die Juden zu den Semiten, und wie diese zu den anderen Rassen, wobei er gleichzeitig hervorhob, daß der Rassebegriff ein sehr unklarer ist, und es überhaupt fraglich ist, ob es irgendwo eine reine Rasse gibt. Man spricht deshalb vorsichtiger von menschlichen Gruppen, die zusammengehalten werden durch gemeinsame Sprache, religiöse und politische Einheit und Körpereigenschaften. Die Ethnologie der vorderasiatischen Völkerschaften ist jetzt restlos gelöst. In einsamen Tälern des Hochgebirges findet mau Sektierer, die alle somatisch ähnlich sind und so aussehen, wie sie vor vielen Jahrtausenden ausgesehen haben. Von semitisch Sprechenden kennt mau aus dem Altertum die Babylonier. Assyrier und die große Gruppe der Hebräer. Phönizier und Aramäer, die 1000 v. Chr. die alphabetische Schrift erfanden. Die Typen gehen aber auseinander. Man kann eigentliche Beduinen unterscheiden, kleinnasig. langschädlig, und die Syrer mit kurzem, hohem Schädel, großen Nasen. Beide nicht verwandt. Nur die Beduinen sind rasserein, die lauge vor Mohammed nach Syrien gekommen sind und ihre Kultur der vorsemitischen Bevölkerung, von der noch heute Reste vorhanden, aufgedrängt haben. Was die Schädel der Juden anbetrifft, so haben Messungen hauptsächlich an Lebenden ergeben, daß zwei Typen