Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 22 (8.11.1912)
- Date
- 1912-11-08
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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„Neue National-Zeitung' Nr. 22 /WS ALLEN WELTTEILEN Die beiden Wiener Barone Rothschild zahlen statt der Maximal-Kultussteuer von 12.000 Kronen je 20.000 Kronen. Daraus macht man in der Seiteustettengasse sehr viel Wesens. Demgegenüber sei auf die Kultusbeiträge der Pariser Rothschilds verwiesen. Nach dem Rechenschaftsberichte des Pariser Konsistoriums des Jahres 1911 haben die Rothschilds beigetragen: An Kultussteuern 30.(XX) Francs, für das Rabbiner- Seminar 30.000 Francs (in Wien keinen Heller), zur Erhaltung der Religionsschulen 30.000 Francs (in Wien keinen Heller). Ein Rabbiner als Ehrenbürger. Die Czernowitzer Blätter berichten: In der Czernow itzer (lemeiuderatssitzung vom 9. Oktober verliest der Vorsitzende einen ihm vorgelegten schriftlichen Antrag, der von allen anwesenden Gemeiuderäten unterfertigt ist. worin beantragt wird, den Rabbiner Benjamin Weiß anläßlich seines 40jährigen Dieustjubiläums in Anbetracht seiner würdevollen, friedliebenden und anerkannt hervorragenden Tätigkeit als Seelsorger zum Ehrenbürger der Landeshauptstadt C z e r n o w i t z zu ernennen. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen, und verspricht der Vorsitzende, auf dem üblichen Wege dem Ausgezeichneten davon Mitteilung zu machen. Die jüdischen Kohlenarbeiter in Schlesien haben sich kaum zurechtgefunden, als bereits die öffentliche Meinung durch einen Ukas des Regierungspräsidenten von Oppeln beunruhigt wird. Dieser deutsche Beamte scheint offenbar bei einem russischen Tsebinownik in die Schule gegangen zu sein; darauf weist jedenfalls der Ton und der Inhalt seines an die ihm gleichgesirmten Landräte versandten Zirkulars hin. das diese an die Polizei- und Amtsverw altnngen in nachstehendem Wortlaut weitergeben: „Um einer Beschäftigung ausländischer i ii d i s e h e r Arbeiter im Inlande nach Möglichkeit vorzubeugen, hat mich der Herr Regierungspräsident ersucht, die mit der Wahrnehmung der polizeilichen Obliegenheiten bei der Inlauds- Itgitimierung betrauten Polizeibehörden in seinem Namen anzuweisen, auf etwa vorkommende Legitimierungsanträge ausländischer Juden gen auzuachten und deren Legitimierung gegebenenfalls zu verweigern. Soweit es sich dabei um ausländische Juden handelt, die zum Zwecke der Legitimierung persönlich anwesend sind, sind dieselben anzuhalten und u nv e r z ii g 1 i c h über die Grenze a b z u s c h i e b e n. In den übrigen Fällen haben die in Frage kommenden Polizeibehörden die zur Vorlage gelangten Legitimierungspapiere anzuhalten und unverzüglich der für den Arbeitsort der betreffenden Arbeiter zuständigen Polizeibehörde zwecks Herbeiführung der Abschiebung dieser Leute zu übersenden." Die Veranlassung dieser scharten Stellungnahme gegen die weitere Heranziehung ausländischer Juden zur Arbeit nach dem Inlande ist in dem Standpunkt zu suchen, daß die Regierung der Meinung ist, daß es den ausländischen Juden hauptsächlich darauf ankomme, sich allmählich in Deutschland ansässig zu macheu. Demgegenüber erHif.it das „Jüdische Arbeitsamt Kattowitz O./S." folgende Mitteilung: ..Durch die Zeitungen gehen Notizen, nach welchen die jüdischen ausländischen Bergarbeiter von der Preußischen Regierung ausgewiesen worden sind. Diese Notiz ist unrichtig. Wir bitten Sie, gefl. davon Vermerk nehmen zu wollen." Kaiser Wilhelm II. besucht eine Synagoge. Kaiser Wilhelm II. unternahm am 31. v. M. eine Besichtigungsfahrt, die dem Zoologischen dar teil, der Synagoge Fasaneiistraße und der Besichtigung der Gipsmodelle für die Wandbekleidung im Trausaal, die aus Cadiner Kacheln hergestellt werden soll, galt. Der Kaiser war mit den Modellen einverstanden und machte bei dieser Gelegenheit einige allgemeine Bemerkungen über die Wirkung von Mojalikaflachen. Das Gespräch wandte sich scIiüe/Mch den Inschriften über der Tür zu. Der Kaiser ließ sie sich erk/äreu und ließ sich auch einen Abschnitt der Thorarolie vorlesen und übersetzen. Bevor er sich verabschiedete und seinen Dank für den Empfang aussprach, besichtigte er die Glasmalereien im Trausaal der Synagoge. Der Besuch in dem Gotteshaus nahm mehr als eine halbe Stunde in Anspruch. Ein jüdisches Freiwiliigenkorps in Serbien. Wie der Belgrader Korrespondent des Londoner „Standard" seinem Blatte mitteilt, hat sich in der serbischen Hauptstadt ein aus 900 Mitgliedern bestehendes i ii d i s c h e s Frei w i 11 i g e n k o r p s gebildet und ist gegen die türkische Grenze marschiert. Diese Freiwilligen rekrutieren sich aus Juden, die noch nicht oder uicht mehr zum Militärdienst im Kriege herangezogen werden konnten. Ist es schon mit der Uniforirücrung der serbischen Kriegsarmee ziemlich schlecht bestellt, so macht dieses jüdische Freiwiliigenkorps einen sehr tiefen Eindruck. Ohne jede Militäruniform, bloß mit einer Schärpe in den serbischen Nationalfarben gekennzeichnet, viele von ihnen in der typischen jüdischen Kleidung, gruppierten sie sich auf dem Hauptplatze von Belgrad und zogen unter großen Ovationen seitens der heimischen Bevölkerung aus der Stadt in den Krieg. Die serbischen Blätter feiern diesen patriotischen' Heldenmut und die Opferw/'/ligkeit der Juden in langen Artikeln. Gegen den Mädchenhandel. Sonntag, den 13. v. M.. hat in London ein Massenmeeting stattgefunden, um die Regierung zur endgültigen Erlassung strenger Maßnahmen wider den Fraueuhandel anzueifern. Im jüdischen Namen sprach Claude M o n t e t i o r e, der Präsident des jüdischen Frauen-Schutzvereines, w elcher London als ein Zentrum des Mädchenhandels bezeichnete. Er erklärte, mit Bedauern zugeben zu müssen, daß sich sowohl unter den Händlern als auch unter den Opfern zahlreiche Juden befinden, allein diese traurigen Verhältnisse würden sich bald ändern, wenn gewisse Länder den Juden Menschenrechte einräumen würden. Der russisch-nordamerikanische Handelsvertrag, der infolge der Kündigung Ende dieses Jahres erlöschen soll, ist noch immer nicht erneuert. Keiner der beiden Teile will im Punkte der jüdischen Reisenden nachgeben. Rußland hat aber den Vorschlag gemacht, den Vertrag provisorisch bis Ende 1°13 zu prolongieren. Professor Dr. Morris Loeb — gestorben. In New York starb dieser Tage der auch in Europa bekannte Professor der Chemie an der New Yorker Universität, Dr. Morris L o e b, ein Schwager von Jakob Schilf. Der Verstorbene, der in Cincinnati geboren wurde und ein Alter von 50 Jahren erreichte, war nicht nur als Gelehrter sondern auch als Förderer zahlreicher sozialer und humanitärer Anstalten weit über sein Heimatland hinaus bekannt. Abgesehen von seiner eminenten Tätigkeit auf dem Gebiete der Förderung der gewerblichen Ausbildung der eingewanderten Juden, hat er sich auch als Präsident des „Hebrew Technical Institute ', als Direktor der bekannten „Educational Alliance" und als eifriges Mitglied des Kuratoriums des New Yorker Rabbiner-Seminars bedeutende Verdienste erworben. Professor Loeb war Ehrenmitglied zahlreicher in- und ausländischer wissenschaftlicher Gesellschaften. Alle Vereine, in denen der Verstorbeue Ehrenämter bekleidete, haben Traueraudachten veranstaltet. Rabbiner und Pfarrer. Anläßlich eines Festmahles in Philadelphia, wollte es der Zufall, daß ein katholischer Pfarrer neben einen Rabbiner zu sitzen kam. (ierade wurde als zw eiter Gang ein delikater gekochter Schinken aufgetragen. Mit leichter Wendung gegen seinen Nachbarn fragte der Pfarrer, der auch einein Scherze nicht abhokl war: „Mein lieber Rabbi,