Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 21 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 „Neue National-zteitung" Hr. 21 womit jedenfalls der Beweis erbracht wurde, daß die Führer der katholischen Gesellschaft in Oesterreich für die Emigrationsfrage ein wachsames Auge und ein warmes Herz haben. Den „Führern" der jüdischen Gesellschaft in Oesterreich fehlt leider beides. Ein Friedensgericht für Einwanderer. In New-York ist ein besonderes Gericht für die Klagen der Einwanderer errichtet worden. Es ist ein Schiedsgericht, welches sehr prompt judiciert. Die Gerichtskanzlei ist selbst an Sonn- und Feiertagen offen; die Gerichtsverhandlungen finden abends statt, da die Einwanderer tagsüber beschäftigt sind. Damit ist zum Schutze der „Grünen" sehr viel geschehen. Zur Eröffnung des Panama-Kanals. Mit der Eröffnung des Panama-Kanals wird im Westen der Vereinigten Staaten speziell in Kalifornien ein großes Zuströmen von Einwanderern eiwartet. Um dem vorzubeugen, hat der Bnei- Brith-Orden in Los Angelos bereits den Beschluß gefaßt, am Stillen Ocean zahlreiche jüdische Hilfs-Komites einzusetzen und überdies die jüdischen Farm-Gründungen zu fördern. Die Auswanderung über Triest. Von der Austro-Americana wurden im Jahre 1912 bis inkl. 30. September 9978 Auswanderer nach Nordamerika, 8597 nach Südamerika, zusammen 18575 Personen, gegenüber 5151 bezw. 5757 zusammen 10908 Auswanderer in derselben Zeitperiode des vorigen Jahres befördert; die Zunahme beträgt somit 7667 Personen. ftRReSPONDSNZgN Oesterreich-Ungarn. Geheime Plenarsitzung des Kultusvorstandes. Wien. Über die am 13. d. M. stattgehabte geheime Plenarsitzung des Kultusvorstandes kommt uns am 23. d. M. ein Kommunique zu, dem wir nachstehendes entnehmen: Nachrufe. Vor Übergang in die Tagesordnung hält der Präsident dem seit der letzten Plenarsitzung dahingeschiedenen Vorstandsmitgliede Max Frank einen tiefempfundenen Nachruf. Der Präsident gedenkt dann des Ablebens der Frau Regine Landeis und des Architekten Jakob Modern, der als Mitglied des Baukomitees in überaus hingebungsvoller Weise tätig war. Die Versammlung, die sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben hatte, beschließt die Einverleibung dieser Trauerkundgebungen in das Protokoll. Die Genehmigung der Statuten-Änderung. Die erfolgte Genehmigung der in der Sitzung vom 6. Februar 1912 beschlossenen Änderungen des Statutes der Kultusgemeinde seitens des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht wird zur Kenntnis genommen. Wir werden den vollen Wortlaut dieser Änderung in der nächsten Nummer nachtragen; die wichtigste, unseren Lesern bereits bekannte Acnderung besteht darin, daß die Kultussteuerträger, die für das laufende Jahr keine Kultussteuer bezahlt haben, trotzdem im laufenden Jahre wahlberechtigt seien. Spende. Ein ungenanntsein wollendes Ehepaar hat zu den bereits bei der Kultusgemeinde erliegenden K 150.000 in Effekten und K 90.000 in Versicherungspolizzen einen weiteren Betrag von K 30.000 in Effekten für die Errichtung eines Pavillons im Kaiser- Jubiläums-Knabenwaisenhaus gespendet. Die hochherzige Zuwendung wird mit dem Ausdrucke des wärmsten Dankes zur Kenntnis genommen, Neuwahlen. Die Liste der zur Neuwahl gelangenden Mandatare ist unseren Lesern bereits bekannt. Als Wahltage wurden nun festgesetzt: Für die Wahl durch die Gesamtheit der Wahlberechtigten: Sonntag, 24. November 1912, für eine eventuelle engere Wahl Sonntag, 1. Dezember 1912. Für die Wahl durch die Höherbesteuerten: Mittwoch, 4. Dezember 1912, für eine eventuelle engere Wahl Freitag, 6. Dezember 1912. Der Bericht des Präsidenten wird zur Kenntnis genommen. Dann folgt die „Ehrenrettung" für Rabbiner Dr. Grünwald, die wir an leitender Stelle behandeln. Abgesehen von der ganzen Mache, zeigt sich der kleinliche, chikanöse „Geist" des Kultuspräsidenten noch im folgenden: Die Sitzung fand am 13. d. M. statt. Das Kommunique über diese Sitzung wird uns erst am 23. d. M., unmittelbar vor der Drucklegung, übermittelt. Man braucht also zehn Tage zu dessen Abfassung. In Wirklichkeit wollte man uns keine Zeit lassen, die einseitige Stellungnahme des Kultusvorstandes entsprechend zu würdigen: dieses Manöver ist selbstverständlich nicht gelungen. Die Audienz der orthodoxen Landeskanzlei. Budapest. Zum 80. Geburtstag des Königs hatte die orthodoxe Landeskanzlei an den König ein prachtvoll ausgestattetes Album gesendet und um eine Audienz angesucht. Diese Audienz sollte den Dank der orthodoxen Landeskanzlei dafür abstatten, daß es im Jänner 1911 40 Jahre wurden, daß die orthodoxe Organisation bestätigt wurde. Diese Audienz fand nach unaufhörlichem Drängen beim Ministerium mit 20-monatlicher Verspätung statt. Präsident Adolf Frankl, der Oberrabbiner königl. Rat Reich—Budapest, Oberrabbiner Schreibe r—Pozsony, der Kanzleirat Chaim Loser Hartstein und Dr. Kaba wurden am 14. ds. bei den allgemeinen Audienzen in Wien empfangen. Frankl hielt die Ansprache, worin er den Dank der „Orth. isr. Konfession" aussprach und um weitere Huld bat. Der König verlas hierauf folgende Antwort: „Den Ausdruck der im Namen der ungarländischen orthodox-israelitischen Konfession verdolmetschten Huldigung nehme Ich mit Dank entgegen und es gereicht Mir zur Freude, daß Sie im Rahmen der von Mir genehmigten Organisation die religiösen Gefühle pflegten und in patriotischer Weise wirkten. Seien Sie überzeugt von Meiner weiteren Gnade und von Meinem Schutze". Herr Frankl stellte dann die Mitglieder der Deputation vor. Se. Majestät richtete an den Budapester Oberrabbiner eine Frage, worauf der greise Oberrabbiner, dessen ehrwürdige Erscheinung und andächtig gesprochener Segenspruch einen sichtlich guten Eindruck machten, bemerkte, daß er als Rabbiner der