Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 21 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2425679-2425857-2425879--2519-2428957- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 21 „Neue National-Zeitung" Seite 5 Züge und Paketbote in Liverpool, Manchester, Grimsby. Jetzt bilden sich solche Komitees in Hull, Glasgow und Leeds. In Southampton, wo sich ja ein sehr großer Teil des südamerikanischen Mädchenhandels konzentriert, wird dieser sehr anstrengende Dienst durch einen Spezial-Inspektor versehen, der im Vorjahre nicht weniger als 373 Paketbote und 294 internationale Züge bewacht hat. Im Laufe des Jahres übernahm er 309 junge Mädchen in seine Obhut, unter denen sich auch ungefähr 30 Christinnen befanden. Der Verein hat naturgemäß das Streben, seine Tätigkeit immer weiter auszudehnen, sogar auch über die englischen Provinzen hinaus, indem er ständige Beziehungen zu den analogen Organisationen Deutschlands, Amerikas, Rußlands, Belgiens, Italiens, Aegyptens etc. etc. aufrecht erhält. Ja, er hofft sogar, auch mit Indien, China und Japan in Verbindung treten zu können, wo die Mädchenhändler ihr scheußliches Handwerk am tollsten treiben. Die Vereinigung besitzt auch ein Zweigbureau in Buenos-Ayres, das im Vorjahre schöne Leistungen aufzuweisen hatte und den jungen jüdischen Emigrantinnen mit Auskünften tatkräftig an die Hand geht. Der Vertreter dieses Bureaus war bei der Ankunft von 452 Paketboten, auf denen sich 192.781 Passagiere befanden, anwesend — nicht eingerechnet die Schiffe der Lokallinie Montevideo-Buenos-Ayres. Vereinigung zum Schutze junger Mädchen. (Association pour la Protection de la Jeune fille — Section israelite.) Wir haben auch im Laufe des letzten Jahres dieser Vereinigung unsere Unterstützung gewährt, die sich auf Grund der internationalen Konferenz der jüdischen Vereinigungen für die Unterdrückung des Mädchenhandels, die vom 5. bis 7. April 1910 in London tagte, gebildet hat. So jung diese neue Vereinigung ist, so kann sie doch schon in diesem einen Jahre sehr schöne Redie jQdiscjie Reise Dr. Jochelmanns nach Amerika. Dr. J o c h e 1 m a n n, der Direktor der jüdischen Emigrations- Gesellschaft in Kiew (Ito) ist nach Amerika gefahren, um dort die Einwanderungsverhältnisse, insbesondere in Galveston, an Ort und Stelle zu studieren, resp. die Galveston-Einwanderung auf weiterer Grundlage zu organisieren. Von Bremen bis Cherbourg hat ihn sultate aufweisen. Sie beschäftigte sich 1911 mit 52 Mädchen, die aus den verschiedensten Ländern stammten; darunter waren Mädchen aus Frankreich und verschiedenen anderen Gegenden Europas, cber außerdem auch aus China und Indien. Auch diese junge Vereinigung hat sich mit den Hilfsbureaux der Bahnhöfe ins Einvernehmen gesetzt, die wir ständig subventionieren. Sie läßt sich die Adressen der Mädchen, denen man Hilfe angedeihen läßt, angeben und bemüht sich, sie zu placieren. Vereinigung zur Unterdrückung des Mädchenhandels. (Association pour la Repression de la traite des blanches). Wir interessieren uns hauptsächlich für die Hilfsbureaux an den Bahnhöfen, die von dieser Vereinigung geschaffen wurden, um die jungen Auswanderinnen, die allein reisen und Paris berühren müssen, zu empfangen und ihnen ihren Schutz zu gewähren. Im Jahre 1911 haben die Vorsteherinenn dieser Bureaux 14.335 junge Mädchen unterstützt. Ungefähr an 4136 unter ihnen erteilten sie Auskünfte, wo sie leichten Dienst verrichten könnten. Am meisten Zeit wurde darauf verwendet, die Mädchen in den Besitz ihres Gepäcks zu bringen und ihnen eine Fahrgelegenheit zu verschaffen. Denn gerade die schützt sie vor der Berührung mit den Mädchenhändlern, die um die internationalen Züge herumschleichen, um zu „mardern". Die Zahl der jungen Mädchen, die so bis zur Ankunft ihrer Eltern oder ihres Brotgebers betreut wurden, belief sich auf 3971. In den verschiedenen, mit der Vereinigung in Verbindung stehenden Asilen wurden 1543 reisende Mädchen untergebracht. 3114 wurden an die Adresse gebracht, an die sie empfohlen waren. Vom Ankunftszum Abfahrtsbahnhof wurden 1591 begleitet. Elfmal konnten wir feststellen, daß wir es mit offenbaren Fällen von Mädchenhandel zu tun hatten. EniQRflTION. Herr Direktor Arthur M ey r owi tz an Bord des „Kaiser Wilhelm H." begleitet. In Southampton kam am Dienstag, den 8. Oktober, Mr. Israel Z a n g w i 11 aus London an, um am Bord des Dampfers Herrn Dr. Jochelmann zu begrüßen und mit ihm während des vierstündigen Aufenthaltes des Dampfers in Southampton über die Mission seiner Amerikareise zu sprechen. „Wohin" — eingestellt. Die jüdische Monatsschrift „Wohin", das Monats-Organ der jüdischen Emigrationsgesellschaft in Kiew, hat nach einjährigem Bestand zu erscheinen aufgehört. In der jüdischen Journalistik bleibt eine empfindliche Lücke zurück. „Wohin" war vorzüglich redigiert und hat das jüdische Emigrationsproblem sehr ernst, oft auch wissenschaftlich behandelt. Offenbar ist in Rußland kein Platz für eine zweite Emigrationszeitschrift. * Emigrations-Konferenzen. In der letzten Zeit fanden in Oesterreich zwei hochwichtige Emigrationskonferenzen statt: 4. Intern. Konferenz für Auswanderungswesen in Wien (11. September 1912) und eine Konferenz in Krakau anläßlich des polnischen katholischen Kongresses. Beide Versammlungen waren von hervorragenden Fachmännern, Repräsentanten der hohen Geistlichkeit und des hohen Adels besucht,