Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 21 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 .Neue National-Zeitung" Nr. 21 Kandidat . . . und Dr. Bloch Herausgeber einer jüdischen Wochenschritt. Dr. Stern muß sich nun auf seine alten Tage mit jüdischer Wissenschaft beschäftigen. Sollen wir unsere Leser dazu verurteilen, sich durch dieses lange Elaborat, dessen Verfasser jedenfalls außerhalb der Seitenstettengasse zu suchen ist, durchzuwinden? Das Interessanteste darin ist ja doch das, was verschwiegen wird .... Die Vorlesung des Dr. Stern begann mit den Worten: „In der ,NeuenNational-Zeitung' wurden in den letzten Monaten verschiedene Angriffe gegen das Komitee der Dr. Moritz Rappaportschen Stiftung bezw. gegen die von dem genannten Komitee zur Beurteilung der eingelangten Preisarbeiten bestimmte Juroren, veröffentlicht. Da das Komitee vom Vorstande gewählt, somit für seine Tätigkeit zunächst dem Vorstande verantwortlich ist, so halte ich mich für verpflichtet, auf Grund persönlich eingeholter Informationen, die folgende Mitteilung zu machen." Im Anschlüsse daran wird die unseren Lesern bekannte Geschichte der Preisausschreibungen dargestellt und das bestätigt, was wir behauptet haben: daß die meisten Preisausschreibungen ergebnislos geblieben sind. Ueber die Gründe will sich der Herr Verfasser außerhalb der Seitenstettengasse den Kopf nicht zerbrechen. Dafür aber polemisiert er gegen unsere Forderung nach Themen sozial-politischen Inhaltes. Die Naivität dieser Polemik ist geradezu rührend. Es wird nicht bestritten, daß trotz des klaren Wortlautes des Stiftungsbriefes bisher kein einziges sozial-politischesThemaausgeschrieben wurde. Zur Entschuldigung wird aber folgendes angeführt: „Nun ist es bekannt (?), daß die Behandlung sozialpolitischer Fragen gerade in den letzten Jahren durch Berufene und auch Unberufene eine förmliche Ueberproduktion zu Tage gefördert hat." Mit diesem Ausspruche hat der Verfasser dieses Elaborates seine Ignoranz bewiesen und wir bedauern nur, daß sich der Herr Kultuspräsident durch die kritiklose Vorlesung dieses Elaborates, von dem er selbst erzählte, daß es im Sekretariate ausgearbeitet wurde, eine Blöße gegeben hat. Denn auf dem Gebiete der jüdischen Sozialpolitik in Oesterreich ist leider, und das sollte ein Wiener Kultuspräsident doch wissen, im Gegensatze zu Deutschland, nichts gearbeitet worden. Wir fürchten, daß Dr. Stern trotz aller „Ueberproduktion" in eine sehr arge Verlegenheit käme, wenn er uns auch nur den Titel eines jüdisch-sozialpolitischen Werkes, das in Oesterreich erschienen ist, angeben müßte. Am Ende weiß Herr Dr. Stern nicht, was eigentlich unter jüdischer Sozialpolitik zu verstehen sei. Dann sollte er aber nicht seine Sekretäre, sondern eher seinen Bibliothekar fragen. Nun kommt der Schlußeffekt des Elaborates: Die Verherrlichung des Rabbiners Dr. Grunwald. Das Sekretariat — dieses soll ja den Aufsatz verfaßt haben — verkündet durch den Mund des Präsidenten seinen wissenschaftlichen Ruhm. Und wer könnte dem Urteil einer so maßgebenden wissenschaftlichen Instanz, wie das Sekretariat der Wiener Kultusgemeinde, noch widersprechen? . . . Selbst wir können es allerdings nur teilweise. Wir werden demnächst über den wissenschaftlichen Wert der von der Rappaport-Stiftung preisgekrönten Arbeit Dr. Grunwalds „Der Einfluß Spinozas auf deutsche Denker und Dichtei" Gutachten erster Kapazitäten veröffentlichen, die anders lauten, als die des — Sekretariats; über die letzte Arbeit betreffend Samuel Oppenheimer müssen wir dem Sekretariat das Urteils-Monopol überlassen. Denn die Arbeit wird nicht publiziert, nicht einmal das Urteil der Juroren . . . Nach dieser Richtung müssen wir den 3000 Kronen- Ruhm des Dr. Grunwald unangetastet lassen. Nun hat Dr. Grunwald seine Ehre, und Dr. Stern sein Mandat „gerettet". L. Die jüdische Einwanderung in die Vereinigt. Staaten im Jahre 1911(12. Von Arthur Meyerowitz (Berlin). Nach dem vorliegenden Geschäftsbericht des „General Commissioner of Immigration" ist im abgelaufenen Geschäftsjahr — vom 1. Juli 1911 bis 1. Juli 1912 — 80.595 jüdischen Einwanderern der Eintritt in die Vereinigten Staaten gestattet worden, gegen 90.223 im Jahre 1910/11. In Prozenten ausgedrückt betrug die jüdische Einwanderung im Jahre 1911/12 9*4 Prozent der Gesamt-Einwanderung, gegen 104 Prozent im Jahre 1910/11. Die jüdische Einwanderung in die Vereinigten Staaten ist im abgelaufenen Jahre um 10.628 oder um 1 Prozent gesunken, während die Einwanderung der slavischen Völker sich ansehnlich vermehrt bat. Die deutsche Einwanderung blieb auf derselben Höhe des Vorjahres, dagegen hat sich die englische, italienische und skandinavische Einwanderung bedeutend verringert und zwar in viel höherem Grade als die jüdische. Wenn man aber die Rückwanderungsstatistik berücksichtigt, so ergibt sich, daß die tatsächlich stattgehabte jüdische Einwanderung die größte gegenüber derjenigen aller anderen Nationalitäten gewesen ist. Das Verhältnis von Einwanderung zu Rückwanderung stellt sich wie folgt: 12 Einwanderung Rückwand. Prozent Juden 80.595 7.418 9-2 Irländer 33.922 4.086 12-0 Engländer 49.689 10.341 209 Deutsche 65.343 15.026 23-0 Russen 22.558 9.744 43-2 Polen 85.163 37.764 44-3 Slovaken ■ 25.281 12.526 49-6 Italiener ■ 162.445 109.887 67-6 Von den jüdischen Einwanderern sind im ganzen 1064 oder 1*3 Prozent zurückgewiesen worden, gegen 1909 oder 2-2 Prozent im Jahre 1911. Die Zahl der zurückgewiesenen jüdischen Emigranten ist bedeutend kleiner als bei allen anderen Nationen. So wurden von Engländern 2 3 Prozent, Franzosen 3 6, Griechen 4*4, Bulgaren und Serben 5'1 Prozent zurückgewiesen. Nur die Zahl der zurückgewiesenen Deutschen ist etwas kleiner als bei den Juden, nämlich 1*2 Prozent. Dies widerlegt am besten die von Einwanderungsgegnern immer wiederholte Behauptung, die Juden stellten ein unerwünschtes, minderwertiges Einwanderungsmaterial dar. Aus dieser Tabelle ergibt sich, daß die Juden unter den in den Vereinigten Staaten verbliebenen Einwanderern das größte Kontingent stellen. Während bei anderen Nationalitäten ein gewisser Ausgleich zu der Einwanderung stattfindet durch die Rückwanderung, bleiben die jüdischen Einwanderer fast sämtlich im Lande. Diese Erscheinung ist eine konstante und in letzten 10 bis 15 Jahren zu beobachten. Sie ist da-