Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 21 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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N5Ü5 WCiONÄL-ZECCING XIV. JAHRGANG. WIEN, 25. Oktober 1912. Nr. 21. Die „Ehrenrettung" für Rabbiner Dr. Grunwald. In seiner letzten Sitzung ist der Wiener Kultusvorstand über die „Neue Nationalzeitung" zu Gericht gesessen. Es geschah dies nicht zum ersten Male. Die „Neue Nationalzeitung" hat wiederholt die öffentliche Meinung über mannigfaltige Mißstände in der Leitung der Wiener Gemeinde aufzuklären sich bemüht. Da dies stets in sachlicher, wohlinformierter Weise geschehen ist, so sah sich das Gemeinde-Präsidium gezwungen, darauf zu reagieren. Zu diesem Zwecke hat sich Präsident Dr. Stern eine ganz besondere Form zurechtgelegt: er trommelt seine Mannen zusammen, hält eine große Rede gegen die Ausführungen unseres Blattes, die — selbstverständlich — unwidersprochen bleibt, um dann als Lesefutter in die Spalten der Gemeindepauschalblätter zu gelangen. So war es der Fall, als wir unter Berufung auf das Steuersystem der Berliner Kultusgemeinde die höhere Besteuerung der jüdischen Plutokratie verlangten und dann, als wir im Zusammenhange damit die tristen Verhältnisse der Gemeindefinanzen darstellten. Und nun haben wir wieder in ein Wespennest hineingegriffen. Wir haben Verwahrung dagegen eingelegt, daß mit der einzigen jüdisch-wissenschaftlichen Preisstiftung Mißbrauch getrieben werde, daß durch die Unfähigkeit eines aus nichtqualifizierten Mitgliedern bestehenden Kuratoriums diese einzige Preisstiftung zur Unfruchtbarkeit verurteilt, resp. zum Gegenstand unwürdiger Machinationen gemacht werde. Wir haben diese Behauptungen in drei Artikeln*) eingehend begründet. Wir haben darauf hingewiesen, daß im Laufe der 30jährigen Bestandes der Stiftung entgegen dem Willen des Stifters kein einziges Thema sozial-politischen Inhaltes ausgeschrieben wurde, und haben das darauf zurückgeführt, daß das Kuratorium aus mehreren älteren Advokaten und noch drei Greisen besteht, *) Vergleiche nachstehende Artikel des Jahrganges 1912: „Hinter den Kulissen der Wiener Kultusgemeinde" (Nr. 14), „Der Stiftungspreis des Dr. Max Grunwald" (Nr. 15) und „Ein Landrabbiner über den Stiftungspreis des Dr. Max Grunwald" (Nr. 16). denen das moderne jüdische Leben und der sozialpolitische Geist des modernen Judentums ganz fremd sind. Wir haben es gerügt, daß zum Gegenstande der Preisatisschreibungen einerseits schwere wissenschaftliche Themen, die die Arbeit eines ganzen Menschenlebens ausfüllen, und anderseits wieder, wenn es sich darum handelt, gewissen Protektionskindern die Preise in den Schoß zu legen, kinderleichte Monografien gewählt werden. Wir haben es schließlich als ganz sonderbar hingestellt, daß der Schwiegervater des einzigen Preiswerbers für die Arbeit seines Schwiegersohnes die Juroren zusammenstellt . . . Wir wagten zu fragen, warum die Juroren — ein christlicher Geschichtsprofessor und zwei jüdische Rabbiner-Seminarprofessoren — welche anläßlich einer früheren Bewerbung des Herrn Dr. Grunwald um denselben Preis dessen Arbeit als ungeeignet bezeichnet hatten, ohne jeden Grund a m o v i e r t wurden, um den Juroren des Herrn Dr. Bloch Platz zu machen . . . Wir appellierten schließlich an das Kuratorium, es möge das Guta c h t e n der Juroren veröffentlicht werden, damit die interessierten wissenschaftlichen Kreise die Gründe der Verleihung kennen lernen. Herr Dr. Stern, selbst Mitglied des Kuratoriums, mußte einsehen, daß die scharfe Kritik der „Neuen National-Zeitung" nicht unwidersprochen bleiben dürfe. Und er greift zum alten Mittel. Er beruft für den 13. eine geheime Sitzung des Kultusvorstandes ein und liest den Herren einen langen, recht langen Aufsatz vor: Eine Polemik gegen die „Neue National-Zeitung" . . . Allgemeines Erstaunen. Die Mitglieder des Kultusvorstandes schauen einander verdutzt an und man hört Zwischenrufe: „Was geht denn uns das an?" ... . Der Präsident aber liest und liest unermüdlich weiter. Die Zwischenrufer beruhigen sich. Sie merken ja die Absicht. Nicht um die Rappapört-Stiftung handelt es sich hier, sondern um Dr. Grunwald. Und nicht bloß um Dr. Grunwald, sondern auch um seinen Schwiegervater Dr. J. S. Bloch, der hinter ihm steht. Die Neuwahlen stehen vor der Tür, Dr. Stern ist selbst