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Neue Nationalzeitung · 1912-10-11 · Heft 20 (11.10.1912) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 20 (11.10.1912)
Date
1912-10-11
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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„Neue National-Zeitung" Nr. 20 Seite 8 All£N WCLttCilgN Ein jüdischer Konsul in Palästina. Seifens der Vereinigten Staaten wurde Samuel Edelmann, ein junger jüdischer Konsularbeamter, zum Vizckonsul der Vereinigten Staaten in Jerusalem bestellt. Herr Edelmann ist der einzige jüdische Konsul in Palästina. Die Chaluka. Der Jahresbericht über die Chalukasammlungcn für das Jahr 5671 ist erschienen und weist eine Höhe von Mk. 160.000 gegen Mk. 113.000 im vorangegangenen Jahre auf. Doch sind darin die Sammlungen aus Ungarn, Polen und Galizicn nicht enthalten. Die Gesamthöhe der Chaluka dürfte ca. Zweieinhalb Millionen Mark betragen. Ueber die Verteilung dieser Beträge an die armen Juden in Palästina, für die sie bestimmt sind, fehlt noch immer eine genaue Rechnungslegung. Gerade orthodoxe Kreise in Deutschland waren es (Benjamin Hirsch in Halberstadt), welche schon vor Jahrzehnten eine Reform des Chalukasystems verlangten: vergeblich. Daher sind die Zweifel darüber, ob die gesammelten Gelder auch vollständig ihrem Zwecke zugeführt werden, noch immer nicht gewichen. Oskar Strauß Gegenkandidat. Die Nomination Oskar Strauß seitens der Roosevelt-Partei zum Gouverneur-Kandidaten für den Staat New-York hat die anderen Parteien in große Verlegenheit gesetzt. Oskar Strauß erfreut sich der größten Sympathien nicht nur bei den Juden, sondern auch bei den Anhängern der christlichen Konfessionen, deren Interesse er in Konstantinopel sehr energisch vertreten hat. Die demokratische Partei beabsichtigt nun einen Gegenkandidaten aufzustellen, über den die jüdischen Wähler nicht ohne weiters hinweggehen können. Es ist dies das Kongreßmitglied William S u 1 z e r, ein Christ, der sich jedoch als Obmann des Ausschusses für auswärtige Angelegenheilen um die Auflösung des russisch-amerikanischen Handelsvertrages das größte Verdienst erworben hat. Diese Kandidatur bildet für die jüdischen Wähler des Staates New-York wirklich eine große Verlegenheit. Ein Eukel von Mer.dele-Mocher-Sforim. Der russische Flieger Wloßwoled A b r a m o w i t s c h, der zurzeit in Petersburg Schauflüge veranstaltet, hat kürzlich einen neuen Weltrekord aufgestellt. Er stieg mit vier Passagieren auf einem Whrigtdoppeldecker auf und hielt sich 45 Minuten 54 Sekunden in 300 bis 500 Meter in der Höhe. Mit dieser Leistung hat A' ramowitsch den von Schirrmeister aufgestellten Wellrekord von 33 Minuten 52 Sekunden geschlagen. Der hervorragendste Aviatiker Rußlands ist ein Enkel des Seniors der jiddischen Literatur, Mendcle-Mocher- Sforim. Aus dem Jahresbericht der englischen Bibelgesellschaft. Der letzte Jahresbericht der englischen Bibelgesellschaft enthalt abermals einige interessante Da'en über die Juden in den verschiedenen fernen Landern. Im Bezirke Limassol (Zypern) traf ein Agent der Gesellschaft eine Kolonie von 30 jüdischen FamHien welche sich vor 10 Jahren zwischen Nicosia und Larnaco angesiedelt haben. Es sind das lauter russische Juden, die vor 10 Jahren nach einem Pogrom aus Rußland geflüchtet sind und erst in dieser Gegend eine Ruhestätte gefunden haben. In M o s u 1 befindet sich heute eine jüdische Gemeinde von 300 Familien. Das Geschäft des Seelenfanges geht überall sehr schlecht. Ueberail versuchte der Agent der Gesellschaft das Neue Testament unter den Juden anzubringen, hatte aber, wie der Bericht offen und ehrlich mitteilt, wenig Glück, da sich bloß drei Juden fanden, die aus Neugierde das Buch kauften. Der Bericht klagt darüber, daß in verschiedenen Ortschaften zwischen den Missionären der Gesellschaft und den ansässigen Juden blutige Schlägereien entstanden und die Missionäre aus der Gemeinde gejagt wurden. Aus Marokko berichtet der dortige Agent, daß daselbst „leider nicht viel zu machen sei, da sowohl die Juden als auch die Mauren auf ihre Religion stolz sind und jeden Annäher ungsversuch energ.sch abweisen." Eine Palästina-Reise. Der Sekretär der Wiener Israelitischen Allianz, Herr Dr. Kaminka, hat sich behufs Besichtigung der jüdischen Institute und Kolonien für mehrere Wochen über Venedig nach Palästina begeben. Hochzeit des Baron Lionel Rothschild in London. In Paris hat die Hochzeit des Baron Lionel R o t Ii s c h i 1 d, Mitgliedes des englischen Unterhauses und Sohnes des Baron Leopold Rothschild aus London mit Marie Luise Beer stattgefunden. Die Braut ist die Schwester der Baronin Robert Rothschild in Paris und eine Großnichte Meyerbeers. Baron Leopold Rothschild selbst nimmt in London eine besondere Stellung ein. Während sein Bruder, Lord Nathaniel Rothschild, mehr repräsentiert und in den letzten Jahren viel an Sympathien innerhalb der Judenschaft durch seine streng-konservative Gesinnung (in politischer Beziehung) eingebüßt hat, erfreut sich Leopold Rothschild als Philantrop und Führer der jüdischen Organisationen allgemeiner Beliebtheit. Jüdischer Wohltätigkeitssinn. Aus Prag, 9. ds., wird telegraphiert: Heute ist hier einer der bekanntesten und angesehensten Präger Aerzte, Dr. Salomon Bond y, im Alter von 79 Jahren gestorben. Der Verblichene, der unvcrmählt war, hinterläßt ein Vermögen von einer Million Kronen. Zur Universalerbin setzte er die Prager Israelitische Kultusgcmcindc ein, der er 500.000 Kronen zur freien Verfügung für wohltätige Zwecke bestimmte; weitere 500.000 Kronen sollen für im Testament näher bezeichnete wohltätige Zwecke aufgeteilt werden, darunter 100.000 Kronen für den Neubau des Israelitischen Spitals in Prag LITERATUR. „Heimkehr", Essays jüdischer Denker, herausgegeben vom jüdischakademischen Verein „Emunah", C^ernowitz 1912. Verlag Louis L a m m (Berlin) Vor mir liegt mahnend ein schön gedrucktes Buch: die „Heimkehr", herausgegeben von der jüdischen Verbindung „Emu nah" in Czernowitz. Es ist ein jüdisch-wissenschaftliches Jahrbuch, das ein Bild des gesamten Judentums bieten will, seiner Richtungen und seiner Parteien, der Ideale, die es erfüllt und der Ziele, die es sich gesteckt hat, seiner Kämpfe und Sorgen, seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Zwölf Beiträge besitzt das Buch und jeder sucht das Judentum von einer anderen Seite zu zeigen. Ernst Müller beginnt mit seiner Arbeit „Einiges zum Probleme des Golus" und damit werden wir mit dem Judentum der Gegenwart bekanntgemacht. Mit dem „Gohtsjudentum" einerseits und dem Judentum Palästinas anderseits. P a s m a n i k zeigt uns „Die sieben Lügen des heutigen Judentums", die nach seiner Ansicht ins Ungeheuerliche gewachsen sind, daß sie das heutige Judentum zu einem Zerrbilde machen. Nach der Wertung der jüdischen Intelligenz durch Birnbaum führt uns R o s e n f e 1 d mit seiner Arbeit „Nationale Autonomie der Juden in Oesterreich" in eines der schwierigsten und dabei aktuellsten Probleme des gegenwärtigen Judentums ein. Den Nationalitätenkampf könnte man fast eine spezifisch österreichische Erscheinung nennen, denn kein Land zeigt ihn in so hohem Maße wie gerade Oesterreich ' in keinem Lande bildet der Kampf der Nationen gegeneinander und das Ausspielen der einen Nation gegen die andere, das ganze Um und Auf der Politik. Und in dem Chaos der Streitenden erheben die Juden in der letzten Zeit immer kräftiger ihre Stimme um Gewährung der Zugeständnisse, die sie in eine Reihe mit den anderen Nationen Oesterreichs stellen würden, Rosenfeld formuliert die Forderungen der jüdischen Nation. Die nächsten drei Arbeiten sind von Schiller, S tand und Kellner. Letzterer schildert den Stand der zionistischen Bewegung, als Herzl in dieselbe eintrat. Die historischen Arbeiten

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