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Neue Nationalzeitung · 1912-10-11 · Heft 20 (11.10.1912) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 20 (11.10.1912)
Date
1912-10-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 „Neue National-Zeitung" bürgischcn Holzindustrie A.-G. Mit den Baronen üroedcl verschwägert. L u k a c s v. S z c g c d, Direktor der ungarischen Kreditbank, Erste Finanzkapazität Josef v. Lukacs erhielt den Adel persönlich. Stammhalter: Jean und Georges v. Lukacs. Letzterer ein hochbegabter Schriftsteller. — Palotay v. Varpalota. Rudolf, Edmund und Andor. Eigentümer des St.-Lukas-Bades. Edmund ist japanischer Konsul. — Hüvös v. K o t f a. Josef von Hüvös ist der Präsident der Elektrischen Stadtbahn. Von seinen Söhnen ist Iwan Komponist und Generaldirektor der Stadtbahn, Ladislaus ist Bildhauer. Deutsch v. Kemenes Mihaly, Fa. Anton v. Deutsch, durch lange Jahre Chef des volkswirtschaftlichen Teiles des „Pester Lloyd", erhielt den Adel. Sohn: Dr. Oskar von Deutsch, Husarenleutnant. — Baruch v. Felsövany. Den Adel erhielt der Großvater der jetzigen Generation. Ein Zweig der Familie ist getauft und lebt in Wien. — Bischitz v. H e v e s. Zahlreiche und verzweigte Familie; ein Ast heißt Hevesy von Heves. - Vajda v. B a j m o k. Finanzadel. Emmerich v. Vajda, ehemals Direktor der Ungarischen Bank, iebt jetzt als Rentner. Sehr reich. Nemnann v. Vcgvar, Die Brüder v. Neumann in Arad, deren einer kürzlich verstarb, sind die größten Spiritusfabrikanten der Monarchie. Ein Fraulein v. Ncumann ist die Gattin des Barons Tibor v. Daniel. — Rosa v. V a r h e 1 y. Isidor v. Rosa, einer der angesehensten Szegcder Advokaten, ist Präsident der dortigen jüdischen Gemeinde. Dreißigjähriger Adel. Posner. Karl Louis Ritter v. Posner erhielt den Adel noch vor dem Jahre 1867, daher sein Rittersland. Sohn Alfred R. v. Posner. Ruszt v. Rtisz t. Flofrat Josef v. Ruszt und sein Bruder Oskar sind die Chefs der alten und hochangesehenen Großkaufmannsfirma Bernhard Ruszt und Söhne. Josef ist ein großer Freund und Förderer aller schönen Künste. Seine Diners sind beliebt und berühmt.— Zilahy v. Gyurgyoka. Simon v. Zilahy, Direktor des ., Budapesti Hirlap\ erhielt den Adel für sich und seine Söhne, von denen Desidcr ebenfalls in dem Betriebe des genannten Blattes tatig ist. Eugen ist Arzt, Emmerich Kaufmann und Stephan Student. Wodianor v. V.-.sarhely. Große Verleger und Herausgeber. Hofrat Hugo v. Wodianer ist Eigentümer der Firma R. Lampcl, die mit dem Hause Ph. Wodianer & Söhne verschmolzen ist. Wohl v. LobOiicz. Aladar v. Wohl ist der Erbe der Millionen und des Adels reines Oheims Adolf. Sein Vetter Ludwig der in Berlin lebt, wurde enterbt. Weis >: v. C s e p c I. Erwerber des Familienadels ist Manfred v. Weiß, Chef der Hccresau>rüstungsunternehmung und Munitionsfabrik Berthold & Manfred Weiß. Zählt zu den reichsten Leuten der Monarchie. B a c h r u ch v. Kiralykut. Karl v. Bachruch, Hofjuwelier und Fabrikant von Silberwaren, erwarb den Adel vor längerer Zeit. Immens reich. - Wolf n er v. U j p c s t. Große Lederfabrikanten. Theodor v. Wolfner war lange Zeit Abgeordneter . Löbl von T e I e c s k a (Wien) usw. Der Tod des Wunderrabbi von Sadagora. Czernowitz, 1. Oktober. Um ' 24 Uhr morgens ist der Wunderrabbi von Sadagora Aron F r i c d m a n n, umgeben von den Getreucsten, gestorben, und in den nächsten Minuten jagten Boten des Palastes durch die noch umnachteten kotigen Gassen, schlugen mit Hämmern an die Türen der jüdischen Häuser und weckten die nichts ahnenden Bewohner aus dem Schlaf mit dem markerschütternden Schrei ..Der Rabbi ist tot!" Türen und Fenster wurden aufgerissen, in den Naehtge': ndern stürzte man hinaus und ein lautes Wehklagen durchzitterte tie frostige Herbstluft. In Scharen mit dem Notwendigsten bekLk et eilten Männer und Weiber, Kinder und Greise dem Palast des Rabbi zu, weil sie an die traurige Kunde nicht glauben wollten. Es war aber wahr. In seinem Arbeitszimmer lag bereits der junge Rabbi nach chassidischer Sitte auf dem Fußboden mit dem Kopf zur Tür und bedeckt mit einem weißen Tuch . . . Seite 5 Es war 9 Uhr vormittags. Tiefe Trauer lag über dem auch sonst sehr düsteren Ort mit den alten, wackeligen Häusern, das sonst regsame Geschäftsleben stand still, und nur von dem Hause des Rabbi wogte eine ungeheure schwarze Menge, aus deren Gesichtern verzweifelter Schmerz sprach. Denn sie haben ihr Oberhaupt, ihren so jungen „Zadik", ihren Heiligen und Gelehrten verloren. Der Rabbi ist für seine Anhänger der Inbegriff alles Guten und Erhabenen, der Mann, der nur Gott und der heiligen Lehre dient, er ist der Vater und Bruder, der Helfer in der Not, der Spender von Glück und Reichtum, der die Gefallenen erhellt, die Unglücklichen tröstet, die Ivanken und Gebrechlichen durch seine halsamcnen Worte heilt und für alle, die um Hilfe und Rat bei ihm anklopfen, das richtige Wot findet. Tage- und nächtelang saß er über den altersgrauen Folianten der Heiligen Schrift, versunken in eine ferne Welt, nachforschend den tiefen Geheimnissen der jüdischen Mystik, die den orthodoxen Rabbinergeschlecht Jen weihevollen Gianz und die beispiellose Verehrung gebracht hat. Der Wunderrabbi von Sadagora war aber Icein Fanatiker, er hatte auch Sinn für die modernen ZoiNtrömungen und äußerie besonderes Interesse für die neueren Er cheiuungen auf naturwissenschaftlichem, medizinischem und technischem Gebiete. Auf der Straße vor dem Pakete steht noch immer starr, stumm und gedrückt die schwarze Masse der Männer. Drinnen im Hole hiircm Frauen und .Mädchen auf den Stufen des großen Trakts, in dem sich die Piivatgcm.icher des Rabbi befinden, die Klageweiber sitzen auf der Veranda der gegenüberliegenden Synagoge, ihre Klagelieder laut zum Himmel schreiend. Gegen dreitausend Weiber füllen den Hofraum, aber keiner ist gestattet, die Schwelle des Wohnhauses zu betreten. Nur unter großen Schwierigkeiten kann man sieh durch die dichte Menge hindurchdrangen, um in den Vorraum des Hause■; zu gelangen. Durch fünf Zimmer, deren Möbel entfernt wurden, gelaugt mau zum Totcugemach. Das letzte Zimmer vor dem Totengeinach M von Leidtragenden dcra.t überfüllt, daß ein Hindurchkommen au geschlossen ist. Sie alle haben das Gesicht gegen die Tür des Totenzimmers gerichtet, die jedoch verschlossen ist. Ins Totengemach wurden nur die Auserlesensten der Orthodoxen eingelassen und vn diesen auch nur jene, d e vorher eine Waschung des ganzen Körpers vorgenommen und bereits das Morgengebet verrichtet hatten. Man darf nur in Reinheit :;idi dem toten Rabbi nähen, erklärte mir ein orthodoxer Jude den seltsamen Brauch. Man hatte dem Rabbi bereits die weißen Totcnkleider angelegt. Er wird hierauf von der Tür in die Mitte des Zimmers getragen und d st gleichfalls zur ebenen Erde auf einem Brett liegend, nur unter dem Haupt ein Kissen, gebettet. Das ist ein Zeichen, daß die Beisetzung in einer halbe;; Stunde stattfinden wird. Nach chassidischer Sitte muß die Leiche so rasch als möglich bestattet werden und es dürfen zwischen der Todesstunde und der Beisetzung nicht mehr als zwölf Stunden verstreichen. A's der Wunderrabi um halb 4 Uhr \er-eliied, werden gleich darauf vier Männer auf den Friedhof zur Herstellung des Grabes entsendet. Es herrschte noch tief; Nacht, als sie sich an die Arbeit machten. Das Grab wurde neben den. Gebeinen seines vor 6 Jahren verstorbenen Vaters, der gleichfalls Wimderrabbi von Sadagora war, geschaufelt. Die Wand zwischen den beiden Gräbern muß so dünn als nur möglich gegraben werden, und da ereignete es sich, daß durch eine Unvorsichtigkeit während des Grabens ein Teil der dünnen Wand einstürzte, was eine Verzögerung in der Bestattung zur Folge hatte, da die ScheiJcwaud wiederhergestellt werden mußte. Es war ursprünglich das Leichenbegängnis auf 0 Uhr, also 5'Stunden nach Eintritt de » Tode :. angesetzt Die Meldung von dei Fertigdel'ung des Grabes überbrachten die vier Männer tun 10 Uhr, sodaß die Beisetzung er t um 11 Uhr, das ist 1' ., Stunden nach dem Tode, stattfand. Nun wurden die letzten zeremoniellen Vorschriften ausgeführt. Eine Hand voll Erde von palästinensische in Boden wurde gebracht und dem Toten unter das Haupt gelegt. Die Wunderrabbiner be. teilen jährlich ein gewisses Quantum von Pähl tünerde, das ihnen ans

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