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Neue Nationalzeitung · 1912-10-11 · Heft 20 (11.10.1912) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 20 (11.10.1912)
Date
1912-10-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „Neue National-Zeitung" Mr. 20 ist gleich den eben Genannten Teilhaber der Firma, Baron Willy ist der leidenschaftlichste Trabersportsmann und Rennstallbesitzer. Die Hatvanys. Ebenfalls Industriebarone, Spezialität: Zucker. Gehören zu den größten Produzenten und Raffineuren Europas. Steinreich. Baron Alexander ist Magnatenhausmitglied; von den Söhnen des ßaron Josef ist Ludwig der bekannte Aesthetiker und Schriftsteller, Franz ein begabter Maler. Beider Onkel Baron Karl, ist vor kurzem zum Christentum übergetreten und aus der Firma (Ig. Deutsch & Söhne) geschieden. Die Schosbergers. Zweite und dritte Generation. Die Baronie hatte noch der alte Schosbergcr erhalten, einer der größten Kaufherren Ungarns. Von seinen zwei Söhnen ist Baron Ferdinand dem Vater vor geraumer Zeit im Tode gefolgt. Er hinterließ nur zwei Töchter, deren eine, Baroneß Klara, an den Sohn des Chefredakteurs Singer vom „Pester Lloyd", Direktor Karl Singer, verheiratet ist. Die Neffen Siegmunds, Ludwig und Rudolf, erhielten die Baronie nachträglich. Die Guttmann v. Gelse. Steinreiche Hoizbarone. Die Töchter des alten Barons Wilhelm, Lily und Steffi, sind in der Budapester Gesellschaft sehr bekannt. Baroneß Steffi ist die Gattin ihres Vetters, des Barons Artur Guttmann, Baroneß Lily war eine verehelichte Baronin von Madarassy-Beck. Die G r o e d e 1 s. Gleich den Guttmanns Holzbarone, vielfache Millionäre. Die Barone Hermann, Bernhard und Albert sind die Chefs der Weltfirma Gebrüder Groedel. Die Herzogs. Altere Baronie. Tabakmillionäre. Der alte Baron Peter ist häufig Jagdgast des Kaisers in Gödöllö. Trotz seiner 76 Jahre ein wetterfester Hochtourist, der die höchsten Spitzen der Tatra nimmt. Zugleich ein Musikfreund, der seit 53 Jahren noch kein Konzert der Philharmoniker versäumt hat. Sein Sohn, Baron Morit2 Leopold, ist ein gewaltiger Sportsmann vor dem Herrn. Die Poppers sind Holzbarone. Baron E. Armin hat sich aber vom Geschäft zurückgezogen i:nd lebt als Privatmann in Budapest. Die Kuftners. Hier weiß man von dieser österreichischen Familie nur so viel, daß Baron Karl die ungarische Baronie in Anerkennung seiner Verdienste um die Hebung der Zuckerindustrie Ungarns erhalten hat. Die Ohrensteins v. B e o c s i n. Zementbarone. Schwer reich. Junge Baronie, älterer Adel. Die H e r c z e 1 s. Im Mannesstamme nur durch den Baron Emanuel und seinen Sohn Baron Paul vertreten. Leibarzt des Erzherzogs Josef und der meisten hocharistokratischen Familien, ist Professor Baron Herczel einer der größten und berühmtesten Chirurgen Europas, Primarius des Sankt-Rochus-Krankenhauses und Leiter und Eigentümer einer Privatheilanstalt. Er ist allemal ordentlich glücklich, wenn er das schier unglaubliche Problem gelöst hat, die Zeit zum Mittagessen zu gewinnen. Die Doczys*. Braucht man den Wienern den Baron Ludwig Doczy vorzustellen? Wer ihn nicht nach seinem berühmten „Kuß" kennt, sollte wissen, daß dieser Schriftsteller jahrzehntelang der Vertrauensmann des großen Andrassy und Sektionsschef im Ministerium des Auswärtigen war, er, der Sohn des armen k 1 e i n e n J u d e n D u x in Deutschkreutz . . . Sein Sohn freilich heißt schon Pierre und ist Hofsekretär im Ministerium des Aeußern. Der jüngste ungarische Baron, der indes eher unter die Harkanyis und Koranyis zu zählen ist, ist — der ungarische Landesverteidigungsminister Baron Samuel H a z a i* . . . Ueber die ungarische jüdische Nobih'ty kann natürlich nicht so ausführlich berichtet werden wie über die Barone. Denn es gibt gegenüber den etwa zwanzig ungarischen jüdischen Baronsfamilien nach oberflächlicher Schätzung etwa zweihundertfünfzig oder gar dreihundert geadelte jüdische Familien in Ungarn. Ihre Genealogie anzuführen, bedürfte es eines dicken Bandes. Auch will diese kleine Arbeit nichts anderes sein als der Versuch einer einfachen Zusammenstellung des jüdischen Adels in Ungarn, und beileibe kein Semi-Gotha. Zu den ältesten adligen Judenfamilien Ungarns zählen die Uli man ns (Linie: Ritter v. Ereny), die Domonys de eadem, die Goldberger v. B u d a, die Fischer v. Farkashaza, die Krauß v. Megyer, die Pos n er, die Moskovitz v. Z e m p 1 e n und die Ulimanns (Linie: v. Baranyavar). Die Familien von T e 1 e s z k y und Tüköry v. A I g y e s t heben wir gleich hier heraus; sie sind längst keine Juden mehr. Auch die Biros V. H a m o r und die Pajzs v. Raealmas zählen hieher, wenngleich seit noch nicht so langer Zeit. Dasselbe gilt von dem Präsidenten der Pester ungarischen Kommerzialbank Magnatenhausmitglied v. Lancz y und von dem Generaldirektor der Vaterländischen Bank Edmund v. Szitanyi. Die zwei bedeutendsten Ullmanns sind der Generaldirektor der Ungarischen Kreditbank Magnatenhausmitglied Adolf v. Ullmann und der Architekt Julius, letzterer einer der bedeutendsten Baukünstler des Landes, dabei ein preisgekrönter Meisterschütze und Fechter, der bei < einen tausend Geschäften und Beschäftigungen noch immer Zeit findet, Lebemann zu sein, insgeheim den Homer im Original zu lesen und noch viel geheimer mehr Wohltätigkeit zu üben, als zwanzig wohltätige Vereine zusammengenommen. Von dem bekanntesten Vertreter der Familie Domony, dem Direktor Dr. Moritz Ritter v. Domony, war in dem Zusammenhange mit den Baronen Kornfeld schon weiter oben die Rede. Von den Krauß v. Megyer, lebt heute nur noch der Großindustrielle Doktor Isidor Megyery v. Megyer und seine Tochter Lola aus seinei (ersten) Ehe mit Frau Renee, geborenen Wahrmann. Geza v. Moskovitz, das einzige jüdische Mitglied des Nationalkasinos, ist der Vater des ehemaligen Abgeordneten Dr. Ivan v. Moskovitz, der indes den Glauben seiner Väter vor kurzem verlassen hat. Von adligen jüdischen Familien seien hier noch folgende aufgezählt, ohne Rücksicht auf Vornehmheit oder Alter des Adels, bloß so, wie sie uns eben einfallen. Jellinek v. Haraszti. Der Senior der Familie ist der ehemalige Generaldirektor der Elektrischen Straßenbahngesellschaft Heinrich v. Jellinek. Da er Junggeselle ist, dürfte einstens sein Bruder Ludwig, Sektionsrat im Handelsministerium und dessen Sohn Aurel, Adel und Millionen erben. - Elek v. M a 1 o m s z e g. Paul v. Elek, Vizepräsident der Ungarischen Bank, hat den Adel selbst erhalten. Männliche Leibeserben sind nicht vorhanden, nur zwei Töchter, von denen eine mit Herrn Paul v. Luczenbacher verheiratet ist. — G r o s z v. G a t t a j und Szecheny, Adel jüngeren Datums, wurde den Söhnen Andor, Eugen und Franz von weiland Siegmund Grosz verliehen. Eine andere Linie der Familie Grosz, die in Ueszög (Baranya) ansässig ist, führt nur ein Prädikat. Sehr reich. Mandy v. Kantorjanosi, Großgrundbesitzer in der Baranya. Samuel v. Mandy ist der Neffe weiland des bekannten Abgeordneten Paul Mandel. Mehrfache Millionäre. Eisenstädter v. Buzias. Aelterer Adel. Die Familie ist in Temesvar und Szeged ansässig. Der verstorbene Ministerialrat Lukas Enyedi war ein Sproß der Familie Eisenstädter. Back v. Begavar. Ebenfalls älterer jüdischer Adel. Szeged und Györ. Mühlenbetrieb. — Latzko von V a h u j h e I y. Karl v. Latzko, der dieser Tage gestorben ist, war Seniorchef des Bankhauses Latzko & Popper. Sein Sohn Dr. Willy v. Latzko führt nun die Firma weiter. Auch der Schriftsteller Andor Latzko in Rem und der Gutsbesitzer Gustav v. Latzko sind Söhne des Verstorbenen, der außerdem auch zwei Töchter hinterließ, Klara, verehl. Baronin v. Herczel und Irene, verehelichte Frau Dr. SchmidL — Fürst v. Maroth. Der Adel des verstorbenen Jakob Fürst setzt sich in den Söhnen, den Hofräten Bertold und Ladislaus v. Fürst fort. — Egyedy v. Egyed. Große Spiritusraffineure und Sportsmen. Zwei Brüder: Louis und Artur. — Linczer v. Jelenczf a 1 v a. Gleichfalls Spiritus. Senior der Familie ist Emmerich von Linczer. — Goldberger v. Buda. Blaufärberei, Textilindustrie. Zahlreiche, weitverzweigte Familie. — Vecsey v. Fenyves. Persönlicher Adel an Artur v. Vecsey, Generaldirektor der sieben

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