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Neue Nationalzeitung · 1912-09-27 · Heft 19 (27.9.1912) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 19 (27.9.1912)
Date
1912-09-27
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1§ Gera, Charlottenburg, die Berliner Schutzmannschaft und Feuerwehr, die jüdische Gemeinde, das Rote Kreuz, der Brüder- Verein sowie zahlreiche gemeinnützige Vereine. Während also die Katholiken Eucharisten-Kongresse veranstalten, spenden Juden Millionen für Juden und auch für—Christen. Wo bleibt denn die „christliche'1 — Nächstenliebe der katholischen Millionäre und Latifundienbesitzer. Ein Jude als Friedensvermittler zwischen der Türkei und Italien im Mittelalter. Der türkische Krieg mit der Republik Venedig um den Besitz der Insel Cypern im Jahre 1570 ist wesentlich durch die Bemühungen eines jüdischen Arztes beigelegt worden. Damals wurde die Weltpolitik von Konstantinopel aus gemacht. Dieser jüdische Arzt ist eine Art kleiner Bismarck gewesen. Salomon Aschkenasy, so hieß dieser Mann, war Hofarzt des Königs Sigismund II. von Polen (1548—72) und später türkischer Diplomat. Abkömmling einer deutschen Familie, aber in Udii?a in Italien ansässig, kam er in seiner frühen Jugend nach Krakau, wahrscheinlich im Gefolge der italienischen Gattin Sigismunds, Bona, und durch seine bedeutenden Fähigkeiten erlangte er hier die Stellung eines ersten Arztes am königlichen Hofe. Später zog er nach Konstantinopel, wo er eine große Geschicklichkeit in diplomatischen Dingen entfaltete. Er war Mitglied des Stabs des Großveziers Mahomet Sakolly, der ihn mit vielen wichtigen Aufträgen betraute. Bei der Wahl eines Königs von Polen, 1572, hatte die Türkei einen mächtigen Einfluß. Aschkenasy, der die auswärtigen Angelegenheiten der Türkei praktisch durchzuführen hatte, entschied sich zugunsten Heinrichs von Anjou und brachte auch den anfänglich widerstrebenden Großvezier auf seine Seite. Heinrich, der spätere König Heinrich III. von Frankreich, wurde auch tatsächlich gewählt. Seinen hiedurch auf Frankreich und Polen gewonnenen Einfluß benutzte Aschkenasy späterhin, um einen Friedensschluß zwischen der Türkei und Venedig herbeizuführen. 1576 wurde er in außerordentlicher Sendung, ausgerüstet mit den weitestgehenden Vollmachten nach Venedig gesandt, um den Frieden abzuschließen. Die Republik, die anfänglich sich weigerte, einen Juden zu empfangen, erwies ihm später die größten Ehren und Aufmerksamkeiten und er konnte nicht nur den Frieden mit der Türkei unterzeichnen, sondern auch eine von der Republik geplante Vertreibung der Juden rückgängig machen. O. L. Preisausschreiben. Das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds beabsichtigt die Herausgabe einer neuen Marke und ladet hierdurch alle Künstler ein, sich am Wettbewerb um die Anfertigung eines passenden Entwurfes zu beteiligen. Bedingungen: 1. Die Marke soll die Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds, der bezweckt, Land in Palästina zur Besiedlung durch Juden zu erwerben, in klarer, allgemein verständlicher Weise zum Ausdruck bringen. 2. Sie soll die Aufschrift „Keren Kajemeth Le Jisroel" in hebräischer Quadratschrift tragen. 3. Das Format der ausgeführten Marke wird ca. 2l 2X3 cm betragen und steht es den konkurrierenden Künstlern frei, Hoch¬ oder Querformat zu wählen. Auch können die Entwürfe in größerem Maßstabe ausgefertigt werden; es ist dann jedoch in der Zeichnung die spätere starke Verkleinerung zu berücksichtigen, damit die Wirkung bei der verkleinerten Ausführung nicht beeinträchtigt wird. 4. Die Entwürfe sind in einer Farbe auszuführen. 5. Der Jüdische Nationalfonds erwirbt durch die Auszahlung der Preise das Eigentums- und Reproduktionsrecht der preisgekrönten Entwürfe. 6. Der 1. Preis beträgt Mk. 300-—, der 2. Preis beträgt Mk. 150—. Wir behalten uns das Recht vor, weitere Entwürfe zum Preise von Mk. 100*— zur Ausführung zu erwerben. 7. Die Entwürfe sind vor dem 1. Jänner 1913 dem Haupt büro des Jüdischen Nationalfonds, Köln a. Rh. (Deutschland) Neumarkt 33, portofrei einzusenden, das auch gerne weitere Auskunft erteilt. 8. Dem nur mit einem Kennwort bezeichneten Entwurf ist ein verschlossenes Kuvert beizufügen, welches das Kennwort und den Namen des Künstlers enthält. Nach der Preisverteilung wird das Kuvert eröffnet und der Name des preisgekrönten Künstlers veröffentlicht. 9. Das Preisrichteramt haben in liebenswürdiger Weise übernommen: Die Kunstmaler E. M. Lilien und Lesser Ury, beide in Berlin, als Kunstsachverständige, Rechtsanwalt Dr. M. I. Boden heim er - Köln als Vertreter des Jüdischen Nationalfonds. 10. Die Entscheidung über die Ausführung bleibt dem Direktorium des Jüdischen Nationalfonds vorbehalten. 11. Spätestens anfangs Februar 1913 erfolgt die Bekanntmachung der Entscheidung. 12. Die nicht preisgekrönten und nicht erworbenen Entwürfe sind von den Urhebern nach Bekanntmachung der Entscheidung zurückzufordern. Für Entwürfe, die bis zum I. April 1913 nicht zurückgefordert sind, wird keine Verantwortlichkeit übernommen. ZEITSCHRIFTEN-RUNDSCHAU. Jiddisch in lateinischer Schrift. Die jüdische Presse in Amerika befaßt sich seit einiger Zeit intensiv mit der Frage, wie man der englisch sprechenden jüdischen Jugend am leichtesten das Jiddisch beibringen könnte. Natürlich griff der Kampf, der sich über diese eminent wichtige Frage in der öffentlichen jüdischen Meinung Amerikas entfesselt hat, weit über den Atlantischen Ozean auch nach Rußland über und der „Fraind" zieht in einer Serie von Artikeln gegen eine gewisse Art und Weise, wie man in Amerika die Jugend für das Jiddisch zu interessieren gedenkt, energisch zu Felde. In einem dieser Artikel heißt es: „Die jüdische Jugend — höit man Klagen laut werden - - wird der hebräischen Schrift immer mehr entfremdet und sie kennt nur noch die Schrift der herrschenden Landessprache. Sie beherrscht, heißt es, nicht mehr das „Aleph-Beth", den in den öffentlichen Schulen wird es nicht mehr unterrichtet, und zuhause hat die jüdische Jugend keine rechte Lust dazu. Was machen nun der Herausgeber von „Unsre Schrift"? (So heißt die Zeitung, die speziell zur Progagierung dieser Idee gegründet wurde. Die Red.) Sie wollen der jüdischen Jugend das Jiddisch in lateinischer Sprache beibringen und da dies doch ohne weiteres nicht geht, bereichern sie die lateinische Schrift um neue Buchstaben, kombinieren gewisse Doppelbuchstaben und erklären die Aussprache mit dem — „Aleph-Beth". Ja, wenn die zukünftigen Leser „Unserer Schrift" das „Aleph- Beth" beherrschen, wozu dann die lateinische Schrift? In einem englisch sprechenden Lande muß die lateinische Schrift das Erlernen des Jiddisch noch bedeutend erschweren. Davon kann man sich leicht überzeugen, wenn man bloß zuhört, wie schwer es einem englisch sprechenden fällt, korrekt deutsch zu lesen. Nicht uninteressant ist ferner die Tatsache, daß alle deutschen Wörter, die ins Englische übergegangen, anglisiert worden sind, obwohl sie noch deutsch geschrieben werden. Sogar deutsche Namen werden englisch ausgesprochen. Ebenso werden ohne weiteres fast sämtliche in der englischen Sprache gebräuchlichen lateinischen Ausdrücke anglisiert, d. h. sie werden englisch ausgesprochen, obwohl die vielen lateinischen Grammatiken eifrig bemüht sind, die Aussprache der alten Römer getreu wiederzugeben.

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