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Neue Nationalzeitung · 1912-09-27 · Heft 19 (27.9.1912) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 19 (27.9.1912)
Date
1912-09-27
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue Nationat-Zeitung" Nr. 19 Beziehungen. Er genießt dort eine Vertrauens- und Vorzugsstellung und ist Senior der Journalisten. Herr v. Singer ist ein guter Jude. Der Held von Tobruk. Aus Rom wird geschrieben: Meldungen aus Venedig zufolge, hat dieser Tage dort der gefeierte Held von Tobruk, Kapitän Angelo Frank, unter großer Begeisterung der gesamten Bevölkerung seinen Einzug gehalten. Frank hat als Kapitän des italienischen Kriegsschiffes „Napoli" an der Einnahme von Tobruk in Tripolis teilgenommen und bei diesem Gefechte einen solchen Heldenmut an den Tag gelegt, daß er in einem eigenen Tagesbefehl vom Kommandanten das höchste Lob geerntet hat. Ebenso war er bei anderen gefährlichen Gefechten beteiligt, bis er durch eine Schußwunde im Bein kampfunfähig gemacht wurde. Er war nahe daran, sein Bein verlieren zu müssen, und nur der Geschicklichkeit und liebevollen Fürsorge seiner ärztlichen Freunde in Rom, wohin er mit seiner schweren Verwundung gebracht wurde, ist es zu danken, daß eine Amputation des Beines vermieden wurde. Als er das Krankenhaus in Rom verließ, eilte er nach Venedig, um seine dort lebende Mutter zu umarmen. An dem festlichen Empfange des gefeierten Helden von Tobmk haben die Vertreter sämtlicher Behörden, sowie nahezu die gesamte Bevölkerung teilgenommen, welche den beliebten Kapitän endlose Ovationen darbrachten. Das Präsidium der jüdischen Gemeinde von Venedig hat in einem Telegramm seiner Freude darüber Ausdruck gegeben, an den wohlverdienten Ehren eines heldenmütigen Sohnes Israels teilnehmen zu können. Ein jüdischer Staatsanwalt in Oesterreich. Der Justizminister ernannte den Richter Dr. Heinrich B u r s t y n in Czernowitz zum Staatsanwaltstellvertreter in S u c z a w a. Also in der Bukowina geht's doch! Warum nur in der Bukowina? Den Manen Maimonides'. In Madrid ist dieser Tage ein sehr interessantes Buch des berühmten spanischen Schriftsteilers Gomez Carilla erschienen. Es ist die farbenreiche Beschreibung einer Reise, die der Dichter durch den Orient gemacht hat. Vielleicht die schönste Stelle dieses Buches ist die Schilderung "der Gefühle, die den Dichter an dem Grabe seines berühmten Landsmannes Rabbi Moses ben Maimon in Jerusalem erfüllt haben. Bitter beklagt sich Carilla darüber, daß die spanische Literaturgeschichte all die großen Geister, welche die spanischen Juden vor ihrer Vertreibung hervorgebracht haben, vollständig vergessen hat. Aber von all den zahllosen spanisch-jüdischen Gelehrten und Dichtern hat wohl keiner es verdient, gerade als Spanier deklariert zu werden und sich seiner bis in alle Ewigkeit zu rühmen, als gerade Maimonides, der mit Recht nächst Moses dem Sohne Amrams von den Juden am meisten, gefeiert und geehrt wird. Nach einer Schilderung der Glanzepoche der spanischen Juden und nach Anführung einer ganzen Reihe berühmter Namen aus jener Epoche schließt Carilla seine Betrachtung wie folgt: „Man kann es noch begreifen, weshalb alle diese glänzenden Namen während der Jahrhunderte finsteren Glaubenshasses von uns vergessen wurden. Aber welchen Vorwand haben wir heute und was hindert uns heute, sie unter unsere übrigen nationale Größen einzureihe 1? Obenan in unserem Parnaß an der Spitze unserer Philosophen und Dichter gebührt ein Platz Maimonides. Und im Namen ganz Spaniens beuge ich jetzt das Knie vor seinem Grabe und spreche: Du unser größter, forschender Geist vergib uns, daß wir deiner tausend Jahre lang vergaßen. Aber schon ist die Zeit gekommen, da dein Andenken in uns emporsteigt und weithin glänzt. Cordova, das deiner heute gedenkt, wird deinen Namen als des größten ihrer Söhne — und sie kann sich nicht weniger großer Söhne rühmen — von nun ab heilig halten und ihn zum Bewußtsein der Spanier bringen. Ein jüdisches Museum in Mainz. Die Errichtung eines deutschen Museums für israelitische Kunst ist in Mainz beschlossen worden. Die dortige israelitische Gemeinde hat sich eine neue Synagoge erbaut und will nun das alte Gotteshaus zu einem solchen Museum umgestalten. Ein Ausschuß soll die erforderlichen Vorarbeiten in die Hand nehmen. Durch einen Aufruf hofft man in den Besitz all dessen zu gelangen, was auf israelitische Kunst Bezug hat. vor allem altertümliche Tempelgeräte, Stickereien, Vorhänge, alte Drucke, Krüge und Waschschüsseln, Gesetzestafeln, siebenarmige Leuchter usw. Der Aufruf wird demnächst erscheinen. Ein Jude Mitglied des russischen Reichsrates. Aus Odessa wird berichtet: Bei der vor einigen Tagen stattgefundenen Wahl eines Vertreters der Handels- und Gewerbekammer im russischen Reichsrate (nicht zu verwechseln mit der Reichsduma) wurde Herr Jakob Weinstein, ein angesehener Kaufmann, mit erdrückender Majorität zum Reichsratsmitglied gewählt. Aus dem Lande der Carmen Sylva. Aus Jassy wird gemeldet, daß sämtliche jüdischenRabbiner Rumäniens eine Gesamteingabe an den Kriegsminister richteten, in welcher sie um Urlaub für die jüdischen Soldaten anläßlich des N e ujahrs- und Versöhnungs festes baten. Die Eingabe wurde abschlägig beschieden mit der trockenen Begründung, daß dies nicht ginge, da gerade zu dieser Zeit die großen Herbstmanöver stattfinden. Was also in allen zivilisierten Ländern selbstverständlich ist, das wird den jüdischen Soldaten in Rumänien verweigert. Und seine Königin singt und dichtet . . . Ben Jehuda in Amerika. Der bekannte Hebraist und Lexikograph Ben Jehuda begibt sich zu Beginn des kommenden Monats nach Amerika, um in den großen Bibliotheken von Newyork und Washington Material für sein großes hebräisches Lexikon, von dem bereits einige Bände erschienen sind, zu sammeln. Bekanntlich sind die großen hebräischen und jüdischen Bibliotheken, welche in den letzten Jahren zu haben waren, alle nach Amerika gewandert. Die großen jüdischen Organisationen Amerikas rüsten sich zum feierlichen Empfang des hervorragenden jüdischen Gelehrten aus Jerusalem. Polnischer Chauvinismus. Der bekannte polnische Schriftsteller Jcrzy Z u 1 a w s k i sieht nicht gern, wenn Kaufleute in üalizien Offerte in deutscher Sprache überreichen. Sein Chauvinismus gei.t so weit, daß er in ähnlichen Fällen zu Mitteln greift, die eines kulturellen Menschen nicht würdig sind. Auf die vor einigen Tagen in deutscher Sprache an ein Zakopaner Pensionat eingereichte Offerte des Kaufmannes Isidor Rosenbaum bekam dieser von Zulawski eine offene Karte, in welcher der Offerent mit argen Beschimpfungen, wie „Schäbiger Jud" (parszywy zyd) beleidigt wurde. Der Kaufmann hat den Gerichtsweg betreten und wurde bei der in Neumarkt stattgefundenen Verhandlung der Schriftsteller Jerzy Zulawski zu 30 Kronen oder 2 Tagen Arrest verurteilt. Zulawski hat die Berufung, der Kläger hingegen den Rekurs gegen die Umwandlung in eine Geldstrafe angemeldet. Inzwischen aber versuchen die allpolnischen Hetzblätter den Schimpfhclden zu einem nationalen Märtyrer zu stempeln. Für 30 Kronen ein nationaler Märtyrer - eine billige Sache! Der Warenhausbesitzer Oskar Tietz, der Inhaber der Firma Hermann Tietz, und seine Frau in Berlin, haben aus Anlaß ihrer Silberhochzeit Stiftungen im Gesamtbetrage von 1,000.000 M. errichtet. Die Hälfte dieses Betrages ist zur Errichtung einer Stiftung, die den Namen „Oskar und Betty Tietz-Stiftung" führt, verwendet worden, deren Einkünfte zur Unterstützung hilfsbedürftiger Personen oder gemeinnütziger Bestrebungen im Deutschen Reiche zu verwenden sind. Hierüber verfügt ein von Herrn Tietz berufenes Kuratorium. Eine Stiftung von 100.000 Mark ist für das Personal der Firma Hermann Tietz errichtet worden. Während durch die früher mit einer Spende von 500.000 M. seitens des Herrn Tietz errichtete Pensionskasse für den Fall der Dienstunfähigkeit oder des Ablebens Vorsorge getroffen ist, berücksichtigt diese Stiftuug hilfsbedürftige Angestellte und ihre Angehörigen in besonderen Fällen. Ferner ist der Geburtsort des Herrn Tietz mit einem Betrage von 65.000 Mark bedacht, welcher für eine städtische Turnhalle, Badeanstalt und Speisung armer Sculkinder Verwendung findet. Auch der Hilfsverein deutscher Juden erhält 50.000 M., ferner sind bedacht: Berlin, München,

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