Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 18 (13.9.1912)
- Date
- 1912-09-13
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" Nr. 18 LITERATUR. The American Jewish Year Book 5672. Herausgegeben von Herbert Friedenwald. Philadelphia. The Jewish Publication Society of America 1911. 453 S. Dieses Jahrbuch der amerikanischen Juden, das uns bereits im dreizehnten Jahrgange vorliegt, gibt uns ein übersichtliches Bild aller Vorgänge innerhalb der nordamerikanischen Judenschaft im Laufe des Kalenderjahres. Nebst einem genauen Verzeichnis aller Vereine, ihres Wohnsitzes und ihrer Funktionäre, aller in welcher Sprache immer erscheinenden Zeitungen, aller für die Juden wichtigen Beschlüsse des Kongresses, der Wahlen, Ernennungen und Auszeichnungen, welche die jüdischen Bürger betreffen, finden wir hier eine übersichtliche Chronik der für die Judenheit aller Staaten wichtigen Ereignisse. In dieser nach Staaten geordneten Rubrik wird leider Österreich-Ungarn etwas stiefmütterlich behandelt. Im Gegensatze zu mehreren anderen Staaten, deren jüdische Bevölkerung weitaus geringer ist, wie England, Frankreich, Türkei, wird Österreich-Ungarn unter „anderen Ländern" registriert. Die Einleitung des Jahrbuches bildet stets ein größerer Artikel, der ein in das Leben der amerikanischen Judenheit tief einschneidendes Thema behandelt. Im vorliegenden Jahrbuche ist der Leitartikel der „P a ß f r a g e" gewidmet, die auch das folgende Jahr hindurch die öffentliche jüdische Meinung beherrscht hat. Das Jahrbuch hat in Europa lediglich im englischen „Year Book" seinesgleichen. Zusammengestellt vom Sekretär des .American Jewish Comittee", Herrn Herbert Friedenwald, ist es nicht nur eine Quelle reicher Information, sondern auch ein unentbehrlicher Behelf für den zukünftigen Geschichtsforscher. L. * Dokumente zur Emanzipation der Juden. Vier Reden von Lord Macaula y, Gabriel Rießer, Ratsherr Suter und Georg Freiherr Vincke. — Otto Hendel, Verlag in Halle a. d. Saale. Am 11. März 1812 erfolgte die Emanzipation der Juden im Königreich Preußen. Anläßlich der hundertjährigen Wiederkehr dieses, sowohl für Deutschland als auch für die Juden bedeutungsvollen Tages hat der genannte Verlag einem weiteren Leserkreise ein interessantes Buch zugänglich gemacht, in dem der geistige Befreiungskampf jener Zeit zum lebendigsten Ausdiuck kommt. Ein Engländer, ein Schweizer Ratsherr, ein Jude und ein Parlamentarier aus altem westfälischem Adel, sie treten jeder an seinem Orte mannhaft für die Beseitigung des Unrechtes ein, das Jahrhunderte hindurch den Juden zugefügt worden ist Diese Reden haben nicht nur ein historisches Interesse, sie sind heute noch aktuell. Möge sie unsere Jugend lesen; sie wird sehr viel daraus lernen. Der billige Preis dieser Publikation (Mk. 150) macht dieselbe den weitesten Kreisen zugänglich. Unsere P. T. Abonnenten werden um die Begleichung der rückständigen Abonnements-Gebühr höflichst ersucht. Die Administration. ZEITSCHRIFTEN-RUNDSCHAU. Die jüdische Zeitrechnung. Das Jahr 5673 ist herangerückt — das Datum seit der Weltschöpfung. Ueber die Genesis dieser Zeitrechnung schreibt das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" folgendes: .Erstens nämlich ist diese Rechnung und Jahreszählung noch nicht so alt, als es mancher glaubt. Die Bibel kennt sie noch nicht, kennt überhaupt noch kehle feste, dauernd gleiche Jahresrechnung. Man rechnet in der Bibel nach den Ge schlechtem und Menschenaltern, nach dem Auszug aus Egypten, nach der Erbauung des salomonischen Tempels, nach der Regierungszeit der Könige Israel, nach der Vertreibung aus dem heiligen Land, nach den Perserkönigen, nach den Königen Babyloniens, nie nach der Weltschöpfung. Auch Mischna und Talmud (siehe indes Awaudoh Soroh 9a) kennen die Rechnung nach der Weltschöpfung noch nicht. Vielmehr war in dieser Zeit die übliche Jahresrechnung die in der Geschichte bekannte seleuzidische Aera, die mit dem Jahre 312 vor der jetzt üblichen Zeitrechnung ihren Anfang nimmt und von den Syrern und Griechen her auch bei den Juden eingeführt wurde. Die Juden bezeichneten sie als Zahl der Griechen oder Zahl der Kontrakte, weil danach in der Regel bei Kaufabschlüssen und dgl. gerechnet wurde. 'Um das Jahr 1000 erst begegnet man zum ersten Male der jetzt üblichen Berechnung nach der Weltschöpfung. Zweitens ist die Berechnung nach der Weltschöpfung eine schwer nachzurechnende. Man hat sie gewonnen durch Rückwärtsrechnung nach den Angaben der Bibel. „Da uns aber gerade in den Zahlen die einzelnen Teile der Schrift wesentliche Unterschiede aufweisen, mehrere Stellen auch durchaus unverständlich sind und nur nach den gewagtesten Annahmen erklärt und benützt werden können, ist es nicht zu verwundern, daß jeder, der sich dieser Arbeit unterzog, ein anderes Resultat erhielt. Die einzelnen Ergebnisse zeigen Unterschiede von über 2000 Jahren." (Kistner, Kalender der Juden.) Der jüdische Kalender setzt die Schöpfung für das Jahr 3761 vor der üblichen Zeitrechnung fest. Er rechnet 1666 Jahre bis zur Sintflut, von da bis zur Geburt Abrahams 282 Jahre u. s. f. Auch der Beginn des Jahres hat nicht von vorneherein festgestanden. Ausschlaggebend für die jüdische Rechnung war wohl die seleuzidische Aera, die die Jahre vom Herbst an datiert. Unter ihrem Einfluß steht die Mischna, die den 1. Tischri als Neujahr „für die Jahre" bezeichnet, daher unsere heutige Rechnung und die Feier des 1. Tischri als Neujahrsfest und die Bezeichnung desselben als des Tages, an dem die Welt geschaffen wurde, worüber in talmudischer Zeit auch noch die Meinung geteilt war.. NOTIZEN. Jüdische Bühne. Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12. Die rührige, hier bestens akkreditierte Direktion S i e g! e r hat für die kommende Saison, die am 21. September 1912 eröffnet wird, ein vortreffliches Ensemble engagiert» bestehend aus folgenden Kunstkräften: Frau Rosa S i e g 1 e r, Frl. Lia W e i n t r a u b, Frau Salcia Weinberg, Frau Pepi Weinberg, Frau Emest. Jungwirth, Frau Mina Deutsch, Frl. Frieda Körner, Frau Berson; Herren M. Siegler, M. Streng, J. Deutsch, Jonas Reißmann,Salomon Podzamcze, Leoo. Jungwirth, M. Weinberg, J. Mestel, L. Katz und H. Weinberg. Infolge der diesjährigen ganz besonderen Bemühungen des Direktors sowohl in Bezug auf Auswahl der Kräfte als auch auf Ausgestaltung des Fundus und der sonstigen szenischen Behelfe verspricht die Saison einen durchaus zufriedenstellenden Verlauf zu nehmen, was der strebsamen Truppe zu wünschen wire. Interieurs ■■ ■ a . zeltgemäß ■ ■ ■ ff Möbelfabrik und Architektur: und 111 fl l) I I Q T 1 vornehm IUI Q f U II f VIL, Mariahilferstraße Nr. 120 Büros III U U I I U I I preiswert ff|f| U I H U I (Zentralpalast).