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Neue Nationalzeitung · 1912-08-30 · Heft 17 (30.8.1912) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 17 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 17 53 Niederlassungen in der Provinz Quebeck und zwischen ihnen ein von der jüdischen Gemeinde in Montreal errichtetes Tuberkulosen Heim „Mont-Sinäi". Alles in allem sind in Kanada in 828 Niederlassungen auf 135.534 Akres Boden 3482 Juden angesiedelt. Überdies hat die Ica einen Komplex von 4060 Akres, die sogenannten Saint-Mary's Prair i e Lands, angekauft, welcher in Ansiedlungen zu 40 Akres parzelliert werden soll. Die Farmer werden von der Canadian Commitee durch Darlehen gegen kleine Rückzahlungen unterstützt. Im Jahre 1911 wurden an 103 Bittsteller 27.000 Dollars (135.000 K), im Jahre 1910 an 121 Bittsteller 37.000 Dollars (185.000 K) ausbezahlt. Hievon sind im Jahre 1911 über 7.000 Dollars und im Jahre 1910 über 12.000 Dollars an Kapitalsraten und Zinsen zurückbezahlt worden. * Die Juden in Winnipeg. Ueber die Stadt Winnipeg, die drittgrößte Stadt in Kanada, und die dieselbe bewohnende jüdische Bevölkerung veröffentlicht der Petersburger „Jüdischer Emigrant" in seiner August-Nummer einen sehr interessanten Artikel. Winnipeg hat sich im Laufe der letzten 40 Jahre von einer kleinen Ansiedelung zu einer großen, 170.000 Einwohner zahlenden Stadt entwickelt. Wir finden darunter 12—15.000 Juden. Dieselben sind zuerst im Jahre 1875 vereinzelt, dann aber infolge der russischen Pogrome in den achtziger Jahren und der rumänischen Judenverfolgungen im Jahre 1898 in größerer Zahl hieher gekommen. Sie beschäftigen sich zumeist mit Handwerk (Tischlerei, Schlosserei, Schmiedearbeit) und Handel. Viele haben die kanadische Staatsbürgerschaft erworben und nehmen am öffentlichen Leben regen Anteil, indem sie zahlreiche Ehrenämter bekleiden. In Winnipeg befinden sich 8 Synagogen und Bethäuser, sowie zahlreiche humanitäre Organisationen. Auch die „Ica" erhält hier ein Büro, welches sich hauptsächlich damit beschäftigt, die Juden der Landwirtschaft zuzuführen. Es ist dem Büro gelungen, zahlreichen jüdischen Einwanderern „homstead", d. h. unentgeltlich Grundstücke von der kanadischen Regierung zum Zwecke der Ansiedlung zu verschaffen. Ebenso wurden jüngere Leute bei Farmers behufs praktischer Betätigung In der Landwirtschaft untergebracht. Ein kanadischer Minister über die jüdischen Einwanderer. Bei der Jahreskonvention der kanadischen Zlonisten in Ottava, hielt auch der stellvertretende Premierminister von Kanada, Mr. George H. Perley, eine Rede, die große Beachtung verdient. Wir haben vor einem Jahre die schmeichelhafte Ansprache veröffentlicht, die anläßlich der damaligen Parlamentswahlen der liberale Ministerpräsident Sir Laurier an die Juden in Montreal hielt. Nun ist es wieder ein Mitglied der ans Ruder gelangten konservativen Regierung, der den jüdischen Einwanderern, allerdings im Zusammenhange mit einem Komplimente für den Zionismus, seine Sympathien ausdrückt. Minister P e r I e y sagte: »Die in Kanada eingewanderten Juden sind vorzügliche Bürger, und sie lehrten die neuen Einwanderer, gute und treue Bürger zu werden und die Institutionen und die Verwaltung Kanadas zu verstehen und zu würdigen. Aber während sie sich einer glücklichen Heimat in Kanada erfreuen, wäre es nur zu richtig und natürlich, daß sie den Wunsch hegten, ihre Glaubensgenossen sollten anderswo auch diese Rechte und Privilegien genießen, und die Vorteile, welche Palästina einwandernden Juden als Heimat böte, müßten dem gesunden Menschenverstand und dem historischen Empfinden eines jeden Juden klar werden. Diejenigen, weiche nach Kanada kamen, würden herzlich willkommen geheißen und genießen dieselben Rechte und Freiheiten, wie alle anderen Bürger. Aber es sei ja natürlich unmöglich, die großen Mengen jüdischen Volkes nach c'em fernen Kanada zu bringen, und darum führen diejenigen, welche nach Palästina gehen, einen Plan durch, welcher zur Lösung der Judenfrage beiträgt." Bericht des Auskunftsbureaus für jüdische Auswanderer in Basel. Nach dem letzten Jahresberichte des Basler jüdischen Auswanderer-Bureaus betrug im Jahre 1911 die jüdische Emigration über Basel 5084, zum größten Teile aus Süd-Rußland und zum kleineren aus Rumänien stammende Personen und zwar 2299 Männer, 1533 Frauen und 1252 Kinder. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahre eine Verminderung der Juden um 1023 Köpfe. Im Bureau sprachen 759 Emigranten vor, denen Schiffskarten zu ermäßigten Preisen im Betrage von über Fr. 70.000-— besorgt wurden. Das Reiseziel war bei 463 Argentinien, bei 198 die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, bei 67 Kanada, bei 7 Brasilien und die restlichen gingen nach Paris (18), London (5) und einer nach Liverpool. Wie im Vorjahre bestand auch im Berichtsjahre eine der Hauptaufgaben des Bureaus in der Bekämpfung des Agentenschwindels in Rußland und an der österreichisch-russischen Grenze und ist es durch rücksichtsloses Vorgehen auch gelungen, einige Erfolge zu erreichen. Emigrations-Statistik. Im Mai d. J. sind in New-York eingewandert 4819, im Juni dagegen 6144 Juden. Darunter waren aus Osterreich 1088, resp. 915. Für die einwandernden Sephardim besteht in New-York ein besonderes Bureau. Es sind ihrer eingewandert im Mai d. J. 162 und im Juni 157. Sie kamen aus der Türkei und Egypten. Nach dem letzten Jahresberichte des General-Einwanderungs- Kommissärs sind aus Österreich nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika ausgewandert: 1908/09 .............. 12.785 Juden 1909,10 .............. 13.142 . 1910 11 ..............8.431 Richter Leon Sanders in Europa. Wie wir im Monats-Bulletin der New-Yorker jüdischen Einwanderer-Schutzgesellschaft »The Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society" lesen, befindet sich (eren Präsident, Richter Leon Sanders, auf einer Reise in Europa, welche hauptsächlich Konferenzen mit Führern der großen jüdischen Emigrationsgesellschaften Europas gewidmet ist. Die erste dieser Konferenzen hat bereits am 25. Juli in Berlin stattgefunden und zwar mit dem Präsidium des Hilfsvereines der Deutschen Juden, den Herren Dr. James Simon und Dr. Paul Nathan. Am 18. August fand eine Konferenz in Paris statt, an welcher außer dem Präsidium der Alliance Israelite Universelle und der Ica auch andere führende Persönlichkeiten teilnahmen. Zu dieser Konferenz wurde auch der in Paris weilende Großrabbiner der Türkei, Rabbi Haim Nahum, zugezogen. Am 22. August begab sich Richter Sanders nach London, woselbst gleichfalls Besprechungen stattfanden. Alle diese Konferenzen galten dem brennendsten Problem der europäischen Judenschaft, dem Aus- und Durchwanderungs-Problem, sowie der jüdischen Auswanderung im allgemeinen, mit besonderer Berücksichtigung dessen, daß die Zuwanderung europäischer Juden nach New-York nach Tunlichkeit abgehalten, bezw. daß die Einwanderung der Juden nach Amerika mehr nach dem Westen dirigiert

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