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Neue Nationalzeitung · 1912-08-30 · Heft 17 (30.8.1912) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 17 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 „Neue National-Zeitung" Seite 5 DIE JQDI5CI1E EfllQR/ITION. Canadian Pacific Railway. Die von der Canada Pacific Railway anläßlich der Einführung von Aussichtswagen auf den Strecken der k. k. Staatsbahnen veranstaltete Eröffnungsfahrt von Wien nach Triest und retour, unter der musterhaften Leitung des General-Managers für Europa Mr. Brown und des Wien?r General-Repräsentanten Herrn S. Altmann, hat die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese mächtige Gesellschaft, die neben einem großen Eisenbahnnetz in Kanada, auch die Seeverbindung von Antwerpen und Liverpool nach Kanada beherrscht, gelenkt. Das große Interesse der Oeffentlichkeit zeigte sich in der Teilnahme von Vertretern der Ministerien und sonstigen hohen Staatsfunktionären sowie der Vertreter der hervorragendsten Blätter, in den begeisterten Empfängen, die den Teilnehmern der Eröffnungsfahrt in allen größeren Stationen bei ihrer Durchfahrt zuteil wurden und in den umfassenden Berichten, mit welchen die Tagespresse die Einzelheiten dieser Fahrt begleitete. So wichtig die Einführung der Aussichtswagen und die damit verbundene Eröffnungsfahrt für die Hebung des Fremdenverkehrs in Oesterreich und für die Schaffung eines Fremdenzuflusses von Kanada nach Oesterreich auch sein mag, so interessiert uns vom jüdischen Standpunkte aus besonders eine zweite Frage: nämlich, inwiefern die Ansässigmachung der C. P. R. in Oesterreich auch für die Frage der Auswanderung des jüdischen Proletariates nach Kanada in Betracht kommt. Die Anhäufung von jüdischen Einwanderern in New-York, wo die jüdische Bevölkerung bereits eine Million zählt, sowie in anderen Staaten des Westens der Vereinigten Staaten, hat dazu geführt, daß die maßgebenden jüdischen Führer in New-York eine Ablenkung der Einwanderung vom Osten nach dem Westen und Süden Nordamerikas für unbedingt notwendig erklären. Hand in Hand damit geht die Tendenz, die jüdischen Einwanderer intensiver als bisher dem landwirtschaftlichen Berufe zuzuführen und ihnen zu diesem Zwecke durch Gewährung von Darlehen und Unterstützungen zur Begründung von Farmen zu verhelfen. Diesem Zwecke dient auch die jüngst geschaffene Organisation der jüdischen Farmer von Nordamerika und eine spezielle mit Unterstützung der Pariser „Ica" geschaffene Hilfskasse, der „Jewish industrial and agricultural aid Society". Für die landwirtschaftliche Ansiedlung der jüdischen Emigranten kommt auch Kanada in Betracht, wo seitens der Regierung den Ansiedlern größere Grundkomplexe überlassen werden. Es bestehen auch bereits zahlreiche jüdische Ackerbaukolonien in Kanada, die vorzüglich gedeihen. Leider hat die jüdische Einwanderung nach Kanada bis jetzt, im Gegensatze zur ruthenischen Einwanderung, noch immer keinen größeren Umfang angenommen. Die Behörden in Kanada und der erzklerikale französische Teil der Bevölkerung stehen den Juden vorurteilsvoll gegenüber und sehen in dem jüdischen Einwanderer nur den Hausierer resp. den Menschen, der schwere physische Arbeit scheut. Diese Verhältnisse haben sich aber in den letzten Jahren geändert. Das beweist am besten der Zufluß russischer Juden in das schlesische Kohlenrevier, wo sie für verhältnismäßig kargen Lohn (in den Kohlenbergwerken verdient der Arbeiter 3—4 Mark, in Kanada dagegen 3V>—4 Dollar, d. i. 10—17 Mark täglich) schwer arbeiten. Wenn die Herren Brown und Alt mann sich der Aufgabe unterziehen würden, die maßgebenden Kreise in Kanada auf die Unnahbarkeit ihrer Vorurteile gegenüber den jüdischen Einwanderern aufmerksam zu machen, so würde das für die C. P. R. gewiß von großem moralischen und materiellem Erfolge sein. Die jüdischen Ackerbaukolonien in Kanada. Der soeben erscheinende Jahresbericht der „Jewish Colonisation Association" in Paris für das Jahr 1911 enthält auf Seite 182 bis 196 eine sehr ausführliche Schilderung der jüdischen Ackerbaukolonien in Kanada. Die Ica ist seit 5 Jahren durch das Canadian Komitee und das Baron de Hirsch'sche Institut in Montreal vertreten. Sie erhält hier eine jüdische Volksschule für die Kinder der Einwanderer, welche sehr gut prosperiert und in dem Schuljahre 1910/11 von 588 Zöglingen in dem Alter von 9—14 Jahren besucht war. Für die Unterbringung der Einwanderer in der Landwirtschaft, in Fabriken oder in Handelshäusern sorgt ein Arbeitsbüro (Labour-Bureau) in Montreal. Dasselbe hat im Jahre 1910 3732 und im Jahre 1911 2843 Einwanderer untergebracht. Die Zahl der jüdischen Einwanderer nach Kanada betrug im Jahre 1911 5044, dagegen im Jahre 1910 5213. Der größte Teil hievon ist in Montreal zurückgeblieben, während sich die anderen in ganz Kanada zerstreuten. Zum Zwecke einer besseren Uebersicht über die Erwerbsmöglichkeiten wurde im Berichtsjahre ein Büro der lea in Winipeg errichtet, welches eine bessere Verteilung der Einwanderer nach verschiedenen Gegenden ermöglichen soll. Die jüdischen landwirtschaftlichen Niederlassungen in Kanada sind zum Teile in Kolonien gruppiert, teils aber von einander durch größere Distanzen abgetrennt. Die wichtigste Kolonie heißt Q u' A p p e 11 e. Sie besteht aus 120 Wirtschaften mit 380 Einwohnern. Die Kolonien heißen Bender, Hirsch, Oxbow und Wapella. Das sind die ältesten Kolonien. Zu den jüngeren Kolonien gehören Eden Bridge, New Hermann, Trochu Valley, New-Hirsch und Alsask. Überdies befinden sich

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