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Neue Nationalzeitung · 1912-08-16 · Heft 16 (16.8.1912) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 16 (16.8.1912)
Date
1912-08-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Seite 9 wege und sie begleiten uns bis ans Grab. Aber in unserer tiefen Trauer gibt es auch einen großen Trost, fühlen wir in uns einen unerschöpflichen Born von Lebenskräften: die Anerkennung der inneren, geistigen Kraft unserer Gemeinschaft. Wir empfinden ein Gefühl des Schmerzes und des Mitleids für diejenigen, die von uns fliehen, für diese Armen an Geist und ethischem Gefühl. Indem wir Abschied nehmen von diesen Abtrünnigen, die uns für immer verlassen, erklären wir ihnen feierlich, daß unsere Würde und unsere Ehre uns teurer sind, als die Rechte, welche sie um denPreis derFlucht aus dem Lager d e r V e r f o 1 g t e n sich erkaufen. Mögen sie erschreckt entfliehen. Wir aber wollen auf unseren Plätzen bleiben, treu ergeben unserem Stamme, dem Volke der großen Leiden und der großen Zukunft." Die Juden von Tripolis und Italien. „Corrierc de la Sera" meldet: Das Blatt »Vasielle Isrcalitico" hatte;;n den Ministerpräsidenten G i o 1 1 i t i die Anfrage gerichtet, welche Stellung die Regierung den Juden von Tripolis einräume und ob sie die Angehörigen der jüdischen Konfession den Angehörigen der anderen Konfessionen gleichstellen wolle. Die Anfrage wurde durch die vom Gouverneur von Rhodus abgegebene Erklärung verursacht, daß die Juden der neu annektierten italienischen Lander eine andere Stellung erhalten sollen als im Muftcrlande. Ministerpräsident Giolitti hat diese Anfrage an den Großrabbi von Rhodus Tlir Hewi dahin beantwortet, daß er seinem Erstaunen über diese Anfrage Ausdruck geben müsse, weil das Verhalten der italienischen Regierung den Juden gegenüber und die Stellung der Juden in Italien, die zu den höchsten öffentlichen Aemtern, ebenso wie die Angehörigen anderer Konfessionen Zutritt haben, keinen Zweifel darüber übrig lasse, daß Italien seiner auf den Prinzipien der religiösen Toleranz, der Freiheit des Glaubens und der n a L1 o n a 1 e n Entwicklung aufgebauten Verfassung auch weiterhin treu bleiben werde. So wie die Juden bit-liei die höchsten Würden in Italien bekleiden konnten, so läßt sich auch natürlich für alle weitere Zukunft die Erklärung abgeben, daß den Angehörigen der jüdischen Konfession das durch die Verfassung gewährleistete Recht nicht benommen werden wird, daß infolge dessen auch die tripolitanischen Juden die gleichen Rechte genießen werden, wie die übrigen Konfessionen Italiens. ZEITSCHRIFTEN-RUNDSCHAU. Eine Stimme der Wiener Schiffschur. Der orthodoxe Frankfurter „Israelit" schildert die Verhältnisse In der Wiener Kultusgemeinde grau in grau. Der Korrespondent ist mit allen unzufrieden. Mit den Rabbinern und Talmudschulen, niL dem Kultusvorstand und den Bnai-Brtth-Vereinen. lieber die Zusammensetzung des Kultusvorstandes wird geschrieben : ,D;is konservative Judentum hat nicht einen einzigen Vertreter und selbst das sogenannte historische Judentum nicht, weil kein einziger Fachmann im Rate der Weisen sitzt. Dilettantisch und unhistorisch ist deshalb jeglicher Plan, der aus diesem Kreise hervorgeht, Jurisien, Aerzte und Kaufleute entscheiden über Wohl und Wehe des Judentums. Ist es denn ein Prozeß, eine Krankheit oder ein Geschäft? In dieser Verschwommenheit sucht man vergeblich nach einem festen Punkt. Das gesetzestreue konservative Judentum könnte dieser feste Punkt sein." Und dann heißt es: „Ein zielbewußtes männliches Vorgehen ist nirgendwo zu sehen. Das ganze öffentliche Leben erstirbt in Kleinlichkeit." Gut gebrüllt! Aber dahinter steckt leider sehr wenig. Der orthodoxe Korrespondent und die Schiffschur, für die er das Wort führt, klappen schön zusammen, wenn es zu einer Tat kommt. Bei den Kultuswahlen unterstützten sie ganz wacker denselben Kanal, der hier lächerlich gemacht wird. Wozu also die Fechterpose? Deputierter Nisselowitsch über die nächste Duma. In der letzten Nummer der russischen Zeitung „ Razswiet" äußert sich der Dumadeputierte Nisselowitsch, einer der zwei jüdischen Abgeordneten in der soeben geschlossenen Duma, dessen Wiederwahl sehr zweifelhaft ist, über die politische Lage der Juden in Rußland. Seiner Meinung nach wird die vierte Duma, mögen die bevorstehenden Wahlen wie immer ausfallen, keine so große progressive Majorität aufzuweisen haben, von welcher die Juden Rußlands eine faktische Besserung ihrer Rechtslage erwarten könnten. Zu dieser Ueberzeugung gelangte Nisselowitsch wahrend seiner fünfjährigen Erfahrung als Mitglied der dritten Duma, wo er reichlich Gelegenheit hatte, die Politiker aller Parteien und Richtungen näher kennen zu lernen. Er, gleich vielen; nderen Politikern, brachte einen festen Glauben an die russische Volksvertretung in die Duma mit, er glaubte, daß mit Hilfe der Opposition es gelingen werde, wenigstens die schrecklichste aller Rechtsbegrenzungen der Juden aufzuheben, aber er mußte bald erkennen, daß er sich getäuscht habe. Allmählich erkannte er den wahren Charakter der russischen Opposition und ihre Stellung zur Judenfrage und heute muß er es gestchen, daß die Juden von der russischen Opposition ohne Druck seitens der jüdischen öffentlichen Meinung ein üktives und entschiedenes Eintreten zum Schutze der Interessen der Juden nicht zu erwarten haben. Nisselowitsch belegt diese seine Anschauungen mit einer Reihe von Tatsachen und Erscheinungen aus der letzten Duma. Als interessantestes Faktum führt Nisselowitsch an, daß Stolypin im Jahre 1907 wohl eine Verordnung zur Erleichterung des Wohnrechtes der Juden erließ, aber gleich darauf hatte die Reaktion mit desto größerer Wucht eingesetzt und arn meisten bekamen diese Reaktion natürlich die Juden zu fühlen. Ob die Regierung damals die Duma beeinflußt hat, oder umgekehrt, ließ sich nicht gut feststellen, aber eines ist sicher, daß die Duma die Reaktion entschieden gefördert hat. Die eventuellen jüdischen Deputierten der kommenden vierten Duma, so schließt Nisselowitsch seine Ausführungen, müssen dessen eingedenk sein, daß die Leiden der Juden in Rußland unerträglich geworden sind und daß daher jede Hilfe, die ihnen ohne Verletzung der eigenen Ehre geboten wird, mit Freuden akzeptiert werden muß. Deshalb müssen die Juden in Rußland nur dies eine Ziel vor Augen haben, alle kleinlichen inneren Differenzen beiseite zu legen und geeint und geschlossen sich an der Wahl in die vierte Duma zu beteiligen. Eine judische Zeitung in Griechenland. hl Athen erscheint jetzt eine jüdische Zeitung in griechischer Sprache. Sie nennt sich „israelitiki Epipheorosis" (Jüdische Revue). Als Redakteur fungiert Herr Xa i n i. Personalnachrichten. Herr Isidor G r o b t u c h, Direktor der Wiener Spar- und Kreditgesellschaft, hat sich mit Fräulein Tina Aufgabel aus Czernowitz verlobt. Unser Mitarbeiter, Herr Moses Horowitz, Schrittsteller in Zaleszczyki. hat sich mit Fräulein F r a n k e 1 aus Czortköw verlobt. Todesnachrichten. Der Rabbiner der Wiener Schiffschnl', Herr S. Fürst, hat durch den Tod seines kaum 3öjähri<en Sohnes, des Wien-Scchshauser Raboinats-Assesors Aron Fürst, einen schweren Schlag erlitten. Am fi. d. M. fand das Leichenbegängnis des Verschiedenen in Eisenstadt statt. Dem greisen Rabbiner wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. In Gleichenbcrg ist Advokat Dr. Bernhard Reh berger aus Belovar Ende v. M. verschieden. Der Verstorbene, ein überzeugungstreuer Jude, genoß allgemeine Achtung. Die kroatische Judenschaft verliert in Dr. Rehberger ein hingebungsvolles, opferwilliges Mitglied. Briefkasten der Redaktion. Benedikt FI. in Czernowitz. Dr. S. T. ist Jude und Rechtsanwalt in Nürnberg. - Dr. L. in Krakau. Die Behauptung des „Tygodnik", daß Rabbiner Dr. Gaster gestorben ist, beruht auf einem Irrtum. Ebenso haben sich die Blatter lächerlich gemacht, die zu erzählen wußten, daß sich Baron Alfons Rothschild mit einer Großenkelin von Sir Moses Montefiore verlobt hat, der bekanntlich kinderlos gestorben ist. — Dr. P. A. in W. Die genannten Bücher werden von uns in nächster Zeit besprochen werden. Interieurs und Büros möbliert zeitgemäß vornehm preiswert ff Merkur" Möbelfabrik und Architektur: VII., Mariahilferstrafie Nr. 120 :: (Zentralpalast). ::

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