Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 16 (16.8.1912)
- Date
- 1912-08-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 fassern der Name Sandor überhaupt verdächtig, so haben sie in dem ungarischen Genealogen Ivan N a g y einen Kronzeugen dafür gefunden, daß das Grafengeschlecht dieses Namens auf jüdischen Ursprung zurückzuführen ist. .Exterieur, Gehaben und Freundschaften der wienbekannten Fürstin* tun ein übriges, um die Verfasser in ihrer Meinung zu unterstützen, Von den Arnims wird nur der aus seinem Konflikt mit Bismarck bekannte Botschafter Graf Harry Kurt Arnim den Juden zugezählt. Die anderen Arnims lassen sie als rassenreine Arier gelten. Bei den G i o v a n e 11 i s kennen sich die Verfasser nicht recht aus. Wagenseil führt sie wohl unter den j ü d i s c h e n Geschlechtern an, aber die Verfasser wissen nicht, ob das österreichische Grafengeschlecht dieses Namens in Südtirol von ihnen abstammt oder vielmehr mii ihnen eines Stammes ist. Das bekannte Ausrufungszeichen fehlt indes auch hier nicht. Erfahrungsgemäß, meint der Semi-Gotha, lasse sich aus den aus Taufnamem gebildeten Zunamen (Giovanni Johann) auf jüdische Genesis schließen, und im Vertraue» gesagt, sei auch in .sämtlichen lebenden Grafen Giovanelli ein starker jüdischer Blut2ufluß nachweisbar*. Ziemlich weitschweifend wird die Geschichte der Aehrenthals geschildert: »Die Aehrenthal sind überraschend schnell von Stirnlöckchen und Kaftan in den konservativen katholischen Feudaladel Böhmens aufgerückt. Ihr Name als solcher jüdischer Familie findet sich unter anderem bei den Kauila im alten Frankfurt am Main, deren einer eine Saxa Lexa aus Böhmen hatte. Sie stammen aus Schlan im westlichen Böhmen, beziehungsweise von Naphtali Efraim aus dem Stamm Lewy, der 2ur Zeit der letzten Türkenkriege aus dem alten Königreich Polen nach Ungarn und im Troß den kaiserlichen Truppen Prinz Eugens, erst als Marketender, dann Armeelieferant und Geldmäkler nachgezogen und nachher reich nach Schlan heimgekehrt war. Sein Sohn Lewy betrieb den Fouragehandel im größten Stil, wurde Lieferant der Armee Josefs II. und nannte sich, als dieser Kaiser die Lex erließ, die die Juden zwang, außer dem hebräischen einen bürgerlichen Namen anzunehmen, Lewy L e x(a). Zur Zeit der Napoleonischen Kriege schickte der Armeelieferant Lexa seine Getreidekähne donauaufwärts zur Verproviantierung der kaiserlichen Truppen, die dann auch vom bayrischen Kurfürsten, dessen Armee ungenügend versorgt war, zu Hilfe kamen. Daraufhin war der Boden für seine nachfolgende Nobilisierung vorbereitet. Das Prädikat „Aehrenthal" spielt auf die Quelle ihres Reichtums, den Getreidehandel, an, und der erste Aehrenthal war der Schwager des Aron (S e 1 i g m a n) ersten Freiherrn v. Eichthal. In den siebziger Jahren diente bei den Windisch-Graetz-Dragonern ein alter Militärroßarzt, dessen Großvater nach eigener Angabe Jude und ein Bruder des Lewy, getauft Johann Anton Lexa, war, der durch Steuergefälistind Domänenpacht und besonders durch Getreidehandel reich geworden, als Prager Bürger und böhmischer Gutsbesitzer von Kaiser Leopold II. für besondere in den Jahren 1769, 1773 und 1780 geförderte Steuereintreibungen mit „von Aehrenthal" geadelt, als Administrator der fürstlich Waldekschen Donationen vom Kurfürsten Karl Theodor gerittert und dessen Sohn Johann Ritter Lexa von Aehrenthal 1828 als Hofrat beim böhmischen Gremium und Vizepräsident des böhmischen Landrechtes österreichischer F r e i h e rr wurde. Dessen Sohn Alois, der jüngst verstorbene Minister des Aeußern, wurde für die Annexion Bosniens — Graf. So ausführlich wie die Aehrenthals werden übrigens nicht viele Adelsgeschlechter behandelt. »Zu den Bevorzugten gehören unter anderen die Rothschilds, die einmal schon nahe daran waren, Grafen zu werden. Und das kam so; Es war zu einer Zeit, als wieder einmal der österreichische Staat in großer Geldnot war. Sie sollten 7 Millionen herleihen und wären dafür Grafen geworden, sie traten aber im letzten Moment von dem Geschäfte zurück. Einige Zeit nachher wollten sie, da aber wollte der Kaiser nimmer." Und so blieben die Rothschilds Freiherren bis auf den heutigen Tag und werden es auch weiterhin bleiben, da sie „lieber mosaisch" sind. Schade, daß das Buch konfisziert wurde. Es ist doch sehr lustig und es sollte der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden, damit dieselbe erfahre, wieviel die Juden für manche Dynastien und so viele aristokratischen Familien getan haben, die sich heute ihres jüdischen Ursprunges schämen. Aber es ist schon so häßlich im Leben eingerichtet, daß ein Aristokrat nicht nur das jüdische Geld, sondern auch die jüdische Frau mit in den Kauf nehmen muß. „Der Kampf gegen die Juden in Galizien." Das bekannte allpolnische Tagblatt „Slowo Polskie" in Lemberg veröffentlichte am 8. d. M. einen Artikel, betitelt: „Zionistische Angriffe'-, in dem es sich folgende Einleitung leistete: „Dr. R. S. Landau ist bei uns im Lande bekannt. Bei den allgemeinen Wahlen hat er es wiederholt unter zionistischer Flagge versucht, ins Parlament zu gelangen; seine publizistische Tätigkeit charakterisiert sich durch maßlose Angriffe gegen die Polen; seine Auslassungen pflegt er in Wiener zionistischen Blättern zu veröffentlichen, woher sie ihre Runde durch die Welt machen, indem sie Galizien in den schwärzesten Farben und uns im ärgsten Lichte darstellen. Wir haben bereits angezeigt, daß in der letzten Nummer der „Sonn- und Montags-Zeitung" (vom 5. August 1912. Anm. der Red.) ein Pamphlet gegen Galizien erschienen ist, betitelt „Der Kampf gegen die Juden" und gefertigt mit dem Pseudonym „Veritas". Hinter diesem Pseudonym versteckt sich eben Dr. R. S. Landau. In dem Moment, da die jüdischen Separatisten die „Samopomoc" („Selbsthilfe" — gemeint ist damit ein von den „Hausjuden" geschaffener Verein, von dem unten noch näher gesprochen werden wird. Anm. der Red.) und bemüht sind, im Auslande Fonds für ihre Tätigkeit aufzubringen, wird der Artikel Landaus, der in p e r f i d e r Weise die angebliche Bekämpfung der Juden in Galizien schildert, rasch von den zionistischen Blättern aufgegriffen werden, um die maßgebenden Kreise des Auslandes zu bearbeiten und für die „Verfolgten" angemessene Fonds zu erlangen. Der Artikel ist so konstruiert, daß jedes Kommentar überflüssig ist. Die Tendenz spricht aus jeder Zeile!" Und nun wird der Artikel der „Sonn- und Montags-Zeitung" in polnischer Uebersetzung wiedergegeben und an einigen Stellen werden mir noch einige saftige Komplimente an den Kopf geworfen. Es würde zuweit führen, wenn ich den Inhalt dieses Artikels hier ausführlicher darlegen wollte. Er ist sehr interessant geschrieben, offenbar von einem Kenner der Verhältnisse, aber er enthält für die Leser dieses Blattes nichts Neues, fer ist auch nicht von mir. Das Letztere führe ich an, nicht weil sich das „SJöwo Polskie" über meine angebliche Autorschaft aufhält, sondern weil der Inhalt des Artikels sowohl meiner Schreibweise als auch meiner Auffassung über das jüdische Problem in Galizien widerspricht. So hat der Verfasser die katholische Geistlichkeit, insbesondere den Lemberger Erzbischof und dessen Stellvertreter, für die Bekämpfung der Juden verantwortlich gemacht. Ich denke, daß hiefür keine genügenden Beweise vorliegen und daß man von jüdischer