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Neue Nationalzeitung · 1912-08-16 · Heft 16 (16.8.1912) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 16 (16.8.1912)
Date
1912-08-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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„Neue National-Zeitung lehrte oder Rabbiner, die sieb eingehend, pft sogar ihr ganzes lieben hindurch mit solch jüdischer Kleinarbeit, befaßt hab^H, und :,die einschlägige Literatur gründlich kennen. "Warum wurden solche nicht in die Expertise einbezogen? Wahrlich, der treffliche Zeichner jüdischer Kleingemälde, Herzberg-Fränkel—Vater, wäre hier ungleich mehr am Platze gewesen, als der Sohn, der Czernowitzer Universitätsprofessor. Warum ferner ist nicht, wie dies sonst in solchen Fällen üblich, das Urteil der drei „Fachmänner" dem Wortlaute nach bekanntgegeben worden? Doch das ist alles ganz Nebensache. Was uns jedoch bei dieser Preisausschreibung und Preisverteilung am stärksten auffiel und mancherlei Bedenken in uns wachrief, das sind folgende Tatsachen, nennen wir sie bis auf weiteres Zufälligkeiten: Ein Wiener Prediger wird von dem Kultusvorstande angewiesen, in den Wintermonaten Vorträge für das große jüdische Publikum aus der jüdischen Geschichte zu halten. Er wählt hiezu aus leichtbegreiflichen Gründen Themen ä la „Samuel Oppenheimer". Undgerade dasselbe Thema wird vom Kuratorium der Rappaport-Stiftung als Preisaufgabe ausgeschrieben! Und derselbe Prediger, der in seinen Vorträgen dieses als Preisfrage gestellte Thema behandelte, bewirbt sich um den Preis, aber er gewinnt auch den Preis, denn er ist der einzige Bewerber! Doch soll damit durchaus kein abfälliges Urteil über den Wert der Preisschrift selbst gefällt werden; es soll nur das sonderbare Vorgehen des Kuratoriums der Rappaport-Stiftung, das auch seine genugsam bekannten „Früchte" trägt, beleuchtet werden. Unter solchen Verhältnissen bleibt dem Kuratorium der Rappaport-Stiftung, bezw. dem Kultusvors.ande nichts anderes übrig, als — wie Sie bereits sehr richtig ausgeführt und begründet haben — die Preisschrift unverzüglich durch den Druck der Öffentlichkeit zu übergeben. Das dürfen die jüdischen Rabbiner und Gelehrten verlangen. Denn sie wollen lernen, wenn etwas Nützliches geschaffen wurde, im anderen Falle verhindern, daß solche schwere Fehler wie bisher, auch ferner gemacht werden; und endlich wollen ja auch sie sich an der Konkurrenz beteiligen können und nicht wie bisher vor der eigenen Tür ausgesperrt stehen müssen! Sie dürfen dies umsomehr verlangen, als die Klagen über die Sterilität der Rappaport-Stiftung, die der notleidenden jüdischen Wissenschaft zu Hilfe kommen könnte, nicht mehr verstummen wollen und auf der anderen Seite die jüdischen Rabbiner dafür verantwortlich gemacht werden, denen Unwissenheit und wissenschaftliche Impotenz zur Last gelegt wird, während doch die unmögliche Preisfragenstellung einzig und allein die Schuld trägt. Aus der Fragestellung erkennt man den Weisen, aber auch den — Unverständigen. Die Herren Kuratoren der Rappaport-Stiftung aber sind keine Sokratiker. Und doch, so unmöglich ihre Preisfragen lauten; sie verraten eine bestimmte Methode — eine bestimmte Tendenz. Von der Wirksamkeit der Rappaport-Stiftung aber heißt es schon allgemein: „Es kreissen die Berge und geboren wird ein lächerliches Mäuslein!" Ebenso allgemein wird gefragt: Wo bleibt denn der Oberrabbiner von Wien, der ja am Ende auch in diesem Kuratorium Sitz und Stimme hat? Ist auch er in diesem Kreise der „scheeno jodea lischeol" untergegangen. Endlich muß sich doch jedem, er mag diese Vorgänge aus noch so weiter Ferne beobachten, notwendig die Frage aufwerfen, ob es für dieses Kuratorium in Wirklichkeit im ganzen weiten Judentum heutzutage nur einen Preisgewinner, nur einen preiseinheimsenden Stammgast gebe? Und die Antwort, die er sich auf diese Frage geben kann, ist wieder eine Preisfrage: „Wer ist in dem Kuratorium der Rappaport- Stiftung der Preisfragenfabrikant, oder wer suggeriert ihm diese unqualifizierbaren Preisfragen?" PtORRCSPONDeNZCN Oesterreich-Ungarn. Vertrauenskundgebung für den Abgeordneten Dr. Straucher. Czernowitz. Samstag, den 10. ds., fand im Festsaale des jüdischen Nationalhauses eine jüdische Volksversammlung statt, in welcher zu dem zwischen dem Abgeordneten Dr. S t r a u c h e r und dem Abgeordneten Nikolaj v. Wassilko entstandenen Konflikt Stellung genommen wurde. Nachdem die ganze Angelegenheit von mehreren Rednern erörtert wurde, faßte die Versammlung einstimmig folgende Resolution: „Die im Festsaale des jüdischen Nationalhauses am 10. August 1912 massenhaft versammelte jüdische Wählerschaft der Stadt Czernowitz billigt die Beschlüsse des Ausschusses des jüdischen Nationalvereines und des jüdischen Gemeinderatsklubs betreffend die Stellungnahme zu der von der „Bukowinaer Post" und dem Abgeordneten Nikolaj von Wassilko erfolgten Herausforderung der Judenschaft des Landes und der Stadt gegen ihren bewährten Vertreter und Führer Abgeordneten Dr. Straucher. Die Versammlung verwahrt sich mit aller Entschiedenheit gegen den in der Enunziation der „Bukowinaer Post" gelegenen Versuch des Abgeordneten Nikolaj v. Wassilko, in die Judenschaft Spaltungen hineinzutragen, sich die Führerschaft der Juden zu arrogieren und lehnt jede Einflußnahme Fremd nationaler mit aller Entschiedenheit ab. Gleichzeitig spricht die Versammlung dem Abgeordneten Dr. Straucher in vollkommener Uebereinstimmung mit seiner politischen Haltung Anerkennung und unerschütterliches Vertrauen aus und versichert ihn ihrer unwandelbaren treuen Gefolgschaft." GSMSiN[>g*fcNft VGRGkNSNÄlftRilWW Wien. Vor wenigen Tagen erschien der erste Tätigkeitsbericht des hiesigen Vereines jüdischer Hochschüler „Mensa academica Judaica*. Demselben seien folgende trockene Zahlen entnommen, die mehr als alle Worte für die Notwendigkeit und Existenzberechtigung einer jüdischen Mensa sprechen. In kaum 7 Monaten (vom 1. November 1911 bis 31. Mai 1912) wurden nicht weniger als 53.550 Mahlzeiten verabreicht, was, wenn man von der naturgemäß schwachen Frequenz in den Wethnachts- und Osterferien absieht einem Durchschnitt von ungefähr 400 täglich Speisenden entspricht. Der Verein gibt den jüdischen Studenten die Möglichkeit, ein gutes, nahrhaftes und

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