Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 15 (26.7.1912)
- Date
- 1912-07-26
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 „Neue National-Zeitung" Seite 9 Hilfe, besonders bezüglich der Erlangung von Auslandspässen zuteil In mehr wie 7000 Fallen beschränkte sich die Auskunft auf die geeignetsten und billigsten Reisegelegenheiten. 7480 Emigranten wurden von den Aerzten des Bureaus unentgeltlich untersucht. Das Emigrations- und Informationsbureau zählt nur 120 Mitglieder. Seine Einnahmen beliefcn sich auf 4771 Rubel. Die Jahresrechnung schließt mit einem Kassabestande von 217 Rubel. GEMEiNöe=gNi> VSR5iNSNMfiRiCMCN Hruschau. Am 30. Juni wurde hier vom Bethausverein gemeinsam mit dem jüdischen Leseverein „Zion" ein Konzert veranstaltet, dessen Reinertrag dem Tempelbaufond zugewiesen wurde. Ein rühriges Komitee unter Führung der Frau W i 11 e r und des Obmannes des Bethausvereines, Herrn Victor Schaurer, stand an der Spitze des Unternehmens. Das Konzert war sehr gut besucht, speziell aus der Umgebung. M. Ostrau, Oderfurt, Witkowitz, Oderberg, Pol. Ostrau und Marienberg haben lebhaft an dem schönen Fest teilgenommen. Es erschienen die Herren Rabbiner Dr. S p i r a, Dr. Max Beer, Krasny und K a r p e 1 als Vertreter der Kultusgemcinde M. Ostrau. Die Einnahmen betrugen ca. 1000 Kronen; ein hübscher Teil wurde dem Tempelbaufond zugewiesen. In Hruschau leben 35 jüdische Familien. Der projektier e Tcmpelbau dürfte ca. 30 bis 35.000 Kronen kosten. JftUS ALLES WELtKiLCN Jüdische Postbeamte mit Sabbathdispens — in England. Anfangs dieses Monals empfing der Generalpostmeister eine Deputation des Board of Deputies unter Führung des Herrn Arthur Franklin, um über die Anstellung s a b b a t h t r e u e r j ü d i s c h e r Beamten im englischen Postdienste zu verhandeln. Der Vorsitzende des Board of Deputies, M. L. Alexander, unterbreitete dem Generalpostmeister, dem bekannten jüdischen Minister Samuel, den Plan, eine Anzahl jüdischer Beamten im Post-, Telegraphen- und Telephondienste anzustellen, damit diese unter Beobachtung des Sabbaths ihre christlichen Kollegen vertreten und entlasten. Es bedeutet dies für die Bekenner beider Religionen ein billiges und vorteilhaftes Arrangement. In seiner Erwiderung setzte der Generalpostmeister zunächst auseinander, daß das Projekt, so einfach es auf den ersten Blick erscheint, doch seine Schwierigkeiten darbiete. Es sei bei den meisten Postämtern am Freitag und Samstag ein gewaltiger Andrang von Dienstgeschäften vorhanden, während es am Sonntag oft an Arbeit für die verfügbar gehaltenen Beamten fehle. Man könne dem Antrag also nur an gewissen Dienststellen, wo eine größere Gleichmäßigkeit zwischen Samstags- und Sonntagsarbeit bestehe, nähertreten. Verlockend sei jedenfalls für die Post, daß die betreffenden jüdischen Be imten am Sonntag ihre einfachen Löhne bezögen, wahrend im übrigen Zuschläge bezahlt werden müßten, Der Generalpostmeister bemerkte weiter, daß 1902 und 1908 ahnliche Versuche gemacht worden seien, daß sich aber damals qualifizierte jüdische Bewerber und Bewerberinnen nicht in genügender Zahl angemeldet hätten. Er sei bereit, einen neuen Versuch zu machen und würde sich freuen, wenn diese zu einem für beide Teile vorteilhaften Ergebnisse führen wird. Namens der Deputation dankten die Herren Alexander und Leopold de R o t h s c h i 1 d dem Minister für sein Entgegenkommen. Verlobung des Barons Alfons v. Rothschild. Donnerstag, den 18. d. M., verlobte sich in London der Wiener Baron Alfons v. Rothschild, der zweitgeborene Sohn des verewigten Baron Albert v. Rothschild, mit Miß Ciarice Sebag-M o n t e f i o r e, der einzigen Tochter des Herrn Edmond Sebag-Montefiore, Chefs des Bankhauses Josef Sebag & Cie. Die Braut ist die Enkelin des verstorbenen Sir Josef Sebag-Montefiore, der ein Neffe von Moses Montefiore und dessen Erbe war. Für die verfolgten Juden in Fez wurden in Wien gesammelt Frcs. 25.773. Dagegen in Paris Frcs. 190.000 und in Berlin Frcs. 50.000. Selbst Brüssel hat Frcs. 24.040, Bukarest Frcs. 21.995 und Buenos-Ayres Frcs. 20.000 aufgebracht. Das zeigt am besten, wie es mit der jüdischen Wohltätigkeit in Wien bestellt ist. Ja, für den Eucharisten-Kongreß! . . . LITERUTVIK <]. THEATER. Ida Barber. (Zum 70ten Geburtstag.) Am 23. Juli feierte in Reichenhall eine seltene Frau, die durch ihre Tätigkeit in der Belletristik und Frauenbewegung allseits geschätzte Wiener Schriftstellerin Ida Barbe r, ihren 70ten Geburtstag. Frau Ida Barber wurde 1842 in Berlin geboren, wirkte zuerst als Lehrerin, später als Vorsteherin der Berliner höheren Töchterschule, begann 1862 auf pädagogischem Gebiete ihre schriftstellerische Tätigkeit, veröffentlichte u. a. in der Gartenlaube, Vossischen Zeitung und in dem von Professor Kürschner herausgegebenen „Vom Fels zum Meer", „Universum" etc., zahlreiche wertvolle Artikel in Eltern und Erzieher gewinnender Form. Ida Barber schrieb auch viele ergreifende und belehrende Erzählungen und Novellen aus dem jüdischen Familienleben, hielt immer die Fahne des Judentums hoch und wirkte vielseitig in diesem Sinne. Ida Barber legte 1872, nach ihrer Verehelichung in Leipzig, den Grundstein zur Organisation der großen deutschen Hausfrauen-Vereine, wo sie vor Tausenden von Frauen in großen Versammlungen sprach und Begeisterung erweckte. Gleichartige wirtschaftliche Organisationen wurden später durch Lina Morgenstern und Ottilie Bondy in Berlin und Wien in's Leben gerufen. 1880 übersiedelte Ida Barber nach Wien, und entwickelte hier auf dem Gebiete der Belletristik, eine intensive, bedeutende, schriftstellerische Tätigkeit; ihre große Popularität aber errang Frau Barber hauptsächlich als Verfasserin der bis dahin noch wenig bekannten Modeplaudereien. Anlässlich der Budapester Hochzeitsfeierlichkeiten des Kronprinzen Rudolf mit Kronprinzessin Stefanie ersuchten die damaligen Herausgeber der „Presse" Adolf R. v. Nassau und Edgar v. Spiegel Ida Barber, die glänzenden Hoffestlichkeiten und Toilettenpracht in Form von Feuilletons zu beschreiben. Nebst dieser rastlosen, stets schaffenden Tätigkeit wirkte Ida Barber im Kreise ihrer Familie, besorgte selbst den Unterricht und Erziehung ihrer drei heranwachsenden Söhne, welche dieser mütterlichen Sorgfalt ihre angesehenen Stellungen verdankten; dabei .irbeitetc die vorwärtsstrebende Frau gleichzeitig an einer großen Anzahl preisgekrönter Romane, wie „Der Mann zweier Frauen", „Der neue Monte Christo", „Verkaufte Frauen" etc., die in zahlreichen Auflagen erschienen. Der so seltene Typus einer rastlos schaffenden Frau wäre nicht vollständig geschildert, wollte man nicht ihrer bahnbrechenden Tätigkeit auf philantropi schem Gebiete gedenken. Hier hat Ida Harber Grosses geleistet. In den achtziger Jahren, als ein notleidender Wiener Student, Mimra, sich vor einen heranfahrenden Eisenbahnzug hinwarf und gerettet wurde, gründete sie den Allgemeinen Studentc n-U nterstützung s-V erein; sie richtete damals, mit flammender Begeisterung geschriebene Aufrufe an die Frauen Wiens, vielen Hunderten notleidenden, armen Studenten, durch Freitische und Lektionen zu Hilfe zu kommen. Ebenso wirkte Ida Barber gemeinsam mit Louise Meißner für die großen Wiener Ferienkolonie n-V ereine, führte durch Artikel Aufrufe und rührende Schilderungen den Ferienkolonien zahlreiche Freunde und Gönner zu, unter anderen Fürst Schwarzenberg und Baron Rothschild, die einige ihrer Schlösser dem Vereine für hunderte von erholungsbedürftigen Kindern zur Verfügung stellten. In den Ncunzigerjahren gründete Ida Barber, zur Unterstützung notleidender Künstlerinnen, den „Verein dcrSchriftstellerinnen und Künstlerinnen", durch dessen Hilfe viele notleidende Künstlerinnen weiter künstlerisch arbeiten konnten. Ida Barber kann auf eine fast 50jahrige, ausschließlich dem Dienste der Mitmenschen gewidmete Tätigkeit zurückblicken, und freuen wir uns, unseren Lesern Mitteilung machen ZU können, daß die geschätzte Schriftstellerin, nach wie vor, trotz ihrer 70 Jahre, körperlich und geistig rege an der Arbeit ist, Möge sie uns noch recht lange erhalten bleiben!