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Neue Nationalzeitung · 1912-07-26 · Heft 15 (26.7.1912) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 15 (26.7.1912)
Date
1912-07-26
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 15 Leben zu widmen, eine noch weit größere Karriere eröffneten. Die Wiener Kultusgemeinde braucht keine Kämpfer, keine Stürmer und Dränger, sondern ruhige, abgeklärte, fleißige Männer, die es sich mit Niemandem, auch nicht mit den Antisemiten, verderben. Kann man einem Kultusvorsteher nachsagen, daß er selbst bei den Antisemiten in Ansehen stand, dann ist es gewiß ein Ruhmestitel und gibt die Anwartschaft auf den Präsidentenstuhl. Und ein solches Ansehen hat sich der Verstorbene auch dadurch erworben, daß er im DIE JÜDISCHE Das Verhandlungs-Protokoll der Auswanderungs-Enquete. Das Verhandlungsprotokoll ist nunmehr erschienen. Es trägt den Titel „Protokoll der im k. k. Handelsministerium durchgeführten Vernehmung von Auskunftspersonen über die Auswanderung aus Österreich." Es umfaßt 600 Quartseiten und enthält neben einem Personenregister auch ein sehr gründliches alphabetisches Sachregister. Es wurden 69 Experten einvernommen und die ganze Enquete in 12 Sitzungen beendet. Das in diesem Protokolle enthaltene Material ist nach jeder Richtung informativ, wenn auch selbstverständlich die Gutachten der Experten nach verschiedenen Richtungen auseinandergehen. Da die Polen und die Ruthenen den größten Teil der Experten bildeten, so ist auch ein sehr beträchtlicher Teil der Gutachten der Kontinental-Auswanderung gewidmet und dadurch ist ein Material gewonnen, welches für die Beurteilung der Voraussetzungen, unter welchen jüdische Arbeiter aus Rußland und Oesterreich in Preußen Arbeitsmöglichkeit erhalten könnten, sehr brauchbar ist. Die Wichtigtuerei, mit der, wie wir an leitender Stelle näher ausführen, gewisse jüdische Blätter dem jüdischen Arbeitsamte in Kattowitz ungebetene Ratschläge erteilen, ist dadurch ad absurdum geführt. Vom jüdischen Gesichtspunkte kommen im Protokolle lediglich die Gutachten der Experten Dr. S. R. Landau und Dr. Straucher in Betracht, worüber wir bereits berichtet haben. Das jüdische Emigrationswesen in Galizien. Jn Krakau soll demnächst ein Landesverband für jüdische Statistik und Emigrationswesen entstehen. Die Haupttätigkeit des Verbandes wird sich nach folgenden Richtungen erstrecken: Interesse des Friedens im Vertreter-Kollegium des Kultusvorstandes für die Absendung eines Kondolenzschreibens anläßlich des Todes von Dr. Lueger gestimmt hat. So war denn der Verstorbene ein typischer Repräsentant des Wiener Kultusvorstandes. Das Judentum war für ihn in der Seitenstettengasse verkörpert. Dort konzentrierte sich sein Streben und sein Ehrgeiz. Schade, daß das Judentum außerhalb dieses Gesichtskreises für ihn gar kein Interesse hatte. CniQRflTION. 1. Sammlung und Veröffentlichung genauer statistischer Daten aus dem gesamten jüdischen kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Leben der Juden in Galizien. Dieses Material soll von Zeit zu Zeit im Wege einer periodischen Druckschrift der Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden. 2. Organisierung des Emigrationswesens durch Gründung von Emigrationsbureaux für Emigranten, in welchen den jüdischen Auswanderern genaueste und verläßlichste Daten über alle die Emigration betreffenden Fragen erteilt werden sollen. 3. Rechtschutz der Emigranten, besonders aber Schutz vor Ausbeutung durch gewissenlose Agenten, Gründung von Arbeitsvermittlungsbureanx etc. Eine Emigrantenbank in Galizien. Seit Jahren wird in den jüdischen Kreisen Rußlands die Gründung einer Emigrantenbank, leider vergeblich, angestrebt. Bei der letzten Auswanderungs-Enquetc in Wien wurde auch sehr viel davon gesprochen und eine solche Bank als eine Wohltat fü die Emigranten, die von den Agenten hüben und drüben ausgeplündert werden, hingestellt. Nun soll endlich eine solche Bank in Oaiizien entstehen. Zu diesem Zwecke hat sich Landsmannmi-rüster v. Dlugosz an den Direktor der galizischen Landesban'^, Herrenhausmitglied Dr. v. Zgorski, mit dem Vorschlage gewendet, an einer Aktion wegen Organisierung des Kredits für die galizischen Auswanderer nach Amerika, dann zur Einkassierung der aus diesem Kredite resultierenden Rückzahlungen und zur Regelung des ganzen üeldverkehres der Auswanderer mit Galizien teilzunehmen. Minister v. Dlugosz hat zur Mitwirkung an dieser Aktion die galizische Volksbank empfohlen, welche einen detaillierten Entwurf für eine derartige Organisation auszuarbeiten hätte. Direktor Dr. v. Zgorski erklärte sich bereit, der Sache näher zu treten, wobei er die Ansicht aussprach, daß die Errichtung einer besonderen Bank für den Auswandererverkehr nicht erforderlich sei, und daß die Angliederung einer Abteilung für Auswanderungswesen an ein in Lemberg bereits bestehendes Finanzinstitut (Galizische Landesbank oder Galizische Volksbank) dem Zwecke unzweifelhaft eher entsprechen würde. Die Galizische Volksbank ist eine Gründung der Wiener Länderbank. Das jüdische Emigrationsbureau in Warschau. Das Emigrations- und Auskiinftsbureau in Warschau hielt am 7. d. M. seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Goldffamm, entwarf in seiner Begrüßungsrede ein Bild der jüdischen Emigration und erhob schwere Vorwürfe gegen die großen Organisationen und die maßgebenden jüdischen Kreise, die der Emigrationsfürsorge nicht das nötige Interesse und die durch die Lage geforderte Hilfe entgegenbringen. Aus dem verlesenen Rechenschaftsbericht geht hervor, daß im Jahre 1911 1871 erwachsene Personen, die 1921 Kinder mit sich führten, die Hilfe des Bureaus in Anspruch genommen haben. In 2613 Fällen wurde Auswanderern Rat und Auskunft und auch

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