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Neue Nationalzeitung · 1912-06-28 · Heft 13 (28.6.1912) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 13 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 13 Die jüdischen Abgeordneten in Ungarn. lieber die Teilnahme der jüdischen Abgeordneten an der letzten Parlamentskrise in Ungarn schreibt die „Ungarländische jüdische Zeitung": „Im gegenwärtigen politischen Kampfe in Ungarn spielen die jüdischen Abgeordneten eine hervorragende Rolle. Von einer spezifisch-jüdischen Politik, für die das ungarische Judentum doch in erster Reihe prädistiniert wäre, ist keine Rede. Die jüdischen Politiker verfechten mit viel Geschick und Hingabe sowohl auf der Seite der gouvernementalen Partei, wie auch in der Opposition ihreUeberzeugung. Am berühmtesten ist wohl der Attentäter Koväcs geworden, der aus der angesehenen Familie Strasser im Somogyer Komitat entstammt und mit den orthodoxen Rabbinern von Tokaj und Debreczen in entfernter Verwandtschaft steht. Unter den wertvollsten Mitgliedern der Just-Partei, nennt man immer Samu B a k o n y i. Seine Hingabe für die Sache und sein bewährter Rat sind hochgeschätzt und er gilt als einer der populärsten Parlamentarier Ungarns. Auf der Seite der Regierungspartet hat sich der jüdische Abgeordnete Julius Vadäsz mit seinem Referate über die Verschärfung der Hausordnung einen gewissen Namen gemacht. Von der merirorischen Meinungsverschiedenheit abgesehen, muß gestanden werden, daß Vadäsz bei der Lösung seiner Aufgabe hervorragende politische Fähigkeiten gezeigt hat. Eine minder erquickliche Aufgabe hat D a r v a i als Referent des Immunitätsausschusses zuerteilt erhalten, der die Ausschließung von 60 Abgeordneten anordnete. Daß der Jude sich stets zum Sündenbock gut qualifizierte, zeigt die peinliche Affaire des jüdischen Abgeordneten N a g y, den „Pesti Hirlap" in unbarmherziger Weise bloßstellte. Nagy verlangte die Einrückung einer Erwiderung oder Satisfaktion, und überfiel, nachdem ihm beides versagt wurde, den Redakteur auf der Straße, angeblich mit einem Revolver. Hieraus resultieren zwei gegenseitige Klagen, in deren Verlaufe mehr Licht in die Sache gebracht werden wird. Väzsonyi, bisher der populärste der jüdischen Abgeordneten, glänzt bei diesem Kampfe mit seiner Zurückhaltung. Eine ältere, chronisch gewordene Verschnupfung mit der koalierten Partei hindert ihn an ein offenes Auftreten. Eine von ihm jüngsthin verfaßte Resolution für das allgemeine Wahlrecht vermeidet sonst jede Stellungnahme für die eine oder" die andere Partei. Der Justh-Parteiler Bela Kclemen zählt auch zu den ausgeschlossenen Abgeordneten, hat aber, trotzdem er oft und gerne gehört wurde, jetzt keine bemerkenswerte Rolle gespielt. Paul S ä n d o r hat seiner Loyalität damit Nachdruck verliehen, daß er aus der frondierenden Liga des Wahlrechtes ausgetreten ist, um nicht gegen Tisza zu demonstrieren. Im Vorjahre hat er zuliebe des allgemeinen Wahlrechtes gegen Tisza Stellung genommen. Jetzt aber geht er mit der Liga in der Kontremine und mit Tisza ä la hausse. Diese feine Empfindsamkeit für die Tendenz ist am Weizenmarkte ebenso glückbringend aisin der Politik." Personal-Nachricht. Herr Dr. Leopold Plaschkes wurde in die Verteidigerliste des Wiener Oberlandesgerichtssprengels eingetragen. Todesnachricht. Am 16. ds. Ms. wurde hier nach kurzem Krankenlager der im 68. Lebensjahre verschiedene Herr Salmen Deiches zu Grabe getragen. Krakauer von Geburt, ein Sohn des seligen Vizepräsidenten des Krakauer Kultusvorstandes, Salomon Deiches, nahm er in der polnisch-jüdischen Gesellschaft Wiens eine sehr geachtete Stellung ein. Er war seinerzeit Präses des Bethausvereines „Beth Israel", Ehren- und Vorstandsmitglied verschiedener humanitärer und gemeinnütziger Vereine. Beweis für die große Achtung und Liebe, deren der leider zu früh Verstorbene sich zu erfreuen hatte, war die überaus große Beteiligung bei seinem Leichenbefängnjsse. Herr Rabbiner Mayerso hn, ein persönlicher Freund des Dahingeschiedenen, hielt einen warm empfundenen, tiefergreifenden Nachrtt'. Für den Verein „Beth Israel" und für „Mazmiach Jeschua" sprach der Obmann Herr Ign. J o 11 e s. Namens des Zionistischen Zentralkomitees sprach Herr J. H. W a 11 tt c h herzliche Abschiedsworte. In hebräischer Sprache wurde vom Herrn S a m u e 1 y eine ergreifende Abschiedsrede gehalten. Herr Oberkantor S c h o r r mit Chor exekutierte die rituellen Gebete und Gesänge. Die „Neue Nation a I- Zeitung" verliert in dem Verstorbenen einen warmen Freund und eifrigen Anhänger. NOTIZEN. Außerordentliche Staatslotterie. Ueber kaiserliche Ermächtigung veranstaltet die k. k. LottogefMHsdirektion eine außerordentliche Staatslotterie, deren Reinertrag für Wohltätigkeitszwecke der k. k. Landwehr bestimmt ist. Die Ziehung dieser Lotterie ist für den 4. Juli anberaumt. Um diesem ebenso patriotischen als wohltätigen Unternehmen eine möglichst lebhafte Teilnahme zu sichern, wurde der Spielplan dieser Staatslotterie überaus günstig gestaltet, indem 21.146 Gewinnste in barem Gelde im Gesamtbetrage von K 625.000 mit einem Haupttreffer von K 200.000 ausgesetzt wurden; der Lospreis beträgt K 4. Liste der Ausgetretenen. Vom 11. bis 25. Juni 1912. (Nr. 267—295.) Beck Fritz, Hilfsarbeiter, geb. 3. Juli 1892 in Wien, XVII., Steinergasse 13. Deutsch Gisela, geb. 20. Juni 1889 in Neusiedl a. E., IV., Paulanergasse 14. Eisenberg Salomon Maibich, Bildhauer, geb. 14. Mai 1884 in Welazicz, XIII., Reinigasse 44. Has Richard, Kontorist, '4. August 1890 in Wien, IX., Müllnergasse 44, Kunwäri Ilona, Buchalterin, geb. 17. Juni 1885 in Zsablya, IX., Seegasse 21. Markstein Robert, Ingenieur, geb. 10. Juni 1886, XVIII., Karl Ludwigstraße 30. Rosenbauer Hermine, Köchin, geb. 17. Dezember 1883 in Ardanatz, Ungarn, IX., Liechtensteinstraße 2. Rölas Heinrich» geb. 30. Juli 1884 in Wien, III., Dapontegasse 9. Tafler Roland, Kreditanstalt-Beamter, geb. 1877 in Prag. Weiss Heinrich, Geschäftsleiter, geb. 15. August 1890 in Refahl, IX., Elisabeth-Promenade 23 a. Treusch Emma, geb. Auspitz, getrennt, Private, geb. 27. Juni 1878, VIII., Floriangasse (Hotel Hamerand). Münk Marie, ledig, Private, geb. 12. Jänner 1881, V., Sengergassc 52. Urban Elisabeth, ledig, Private, geb. 19. November 1879, XVIIL Antonigasse 21. Wolffers Iwan David, ledig, geb. 8. August 1888 in St. Gallen (Schweiz), XIV., Märzstraße 111. Auerbach Lina, ledig, geb. 2. August 1882 in Lemberg, II., Novaragasse 51. Trachter Etja Mindja, ledig, geb. 12. Juli 1883 in Rußland, X., Senefeidergasse 67. Theumann Sofie, ledig, geb. 29. Juni 1889, III., Bechhardg. 16. Popper Angela, ledig, Private, geb. Juni 1886, IX., Hörigasse 18. Koppel Laura, ledig, geb. 8. April 1884, IX., Eisengasse 23. Ostrin Faiwel, verfl., geb. 14. Jänner 1885 in Rußland, III., Radetzkystraße 5. Ostrin Genia Selda, geb. Lewkowitsch, geb. 1. Jänner 1886 in Rußland, III., Radetzkystraße 5. Suponizki Wulf, ledig, geb. 10. Juni 1882 in Rußland, III., Radetzkystraße 5. Dr. Feigl Oskar, Advokat, verh., geb. 25. August 1864, L, Biberstraße 22. Lipmann Arthur, ledig, Beamter beim Wiener Bankverein, geb. 11. Juni 1877, VI., Linke Wienzeile 12. Leichmann Franziska, geb. Eisner, verh., Schlossermeistersgattin, geb. 2, Mai 1853 in Böhmen, VI1L, Lindengasse 14. Spielmann Elenora. ledig, Private, geb. 14, September 1887, VIII., Alserstraße 57. Freund Valerie, geb. Traub, verw. Private, geb. 15. Juni 1877, I., Bognergasse 7. Forstein Schlome, verh., geb. 14, Oktober 1876 in Rußland, IL, Große Pfarrgasse 23. Kreutner Ernestine, ledig, Musikerin, geb. 9. April 1882 in Ungarn, II., Pillersdorfergasse 8. Möt)8l-„Merkur" Umbau geräumt werden, es werden daher die Preise sämtlicher lagernder Möbel tief herabgesetzt! Besonders günstige Kaufgelegenheit! Bei nicht sofortigem Bedarf Einlagerung gratis! Auf Wunsch Zahlungserleichterung! VI., MariahilferstraBe Nr. 31.

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