Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1912-06-14 · Heft 12 (14.6.1912) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 12 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2425679-2425857-2425870--2403-2428832
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 12 „Neue National-Zeitung" Seite 7 Landtagswahlen sind in Galizien öffentlich und mündlich. Dadurch ist jede dem polnischen Zentralwahlkomitee nicht genehme Kandidatur unmöglich. Es würde sich darum handeln, einen jüdischen Kandidaten zu finden, der sowohl dem polnischen Zentralwahlkomitee als auch der jüdischen Bürgerschaft sympathisch wäre und da liegt der Hacken. Das Zentralwahlkomitee will nur einen „Moschko" und die jüdische Bürgerschaft mag einen solchen nicht. Das Resultat ist daher nicht zweifelhaft; auf Unwegen wird das polnische Zentralwahlkomitee sein eigentliches Ziel erreichen, indem ein christlicher Kandidat gewählt wird. So sieht es in den politischen Rechten der galizischen Juden aus. GEMEiSUS=üNö VGRGiNSNÄtöRitßCW Berlin. Am 2. d. fand hier unter zahlreicher Beteligung die Gcneral-Versammliing des Vereins „Esra" statt. Der Vorsitzende Moritz Dorn erstattete den Bericht. Die Einnahmen haben 24.634 Mark gegen 17.004 Mark im Vorjahre erreicht. Die Bemühungen, die bestehenden Kolonien Palästinas mit jüdischen Landarbeitern zu versehen, haben zu einem großen Erfolge geführt. Es ist gelungen, etwa 650 Juden aus dem Yemen (Südarabien) zur Auswanderung nach Palästina zu veranlassen und daselbst in den verschiedensten Kolonien als Landarbeiter unterzubringen. Daneben hat der „Esra" seine Pläne zur Seßhaftmachung jüdischer Landarbeiter aus dem Osten Europas weiter betrieben und zu diesem Zweck vor kurzem 30.000 Frcs. überwiesen. Der Betrag wird zur Errichtung einer Krankenstation, Herstellung einer Wasserleitung, und Bau von 10 Arbeiterwohnungen in der Kolonie Chedereh verwendet werden. Auch der Bau von 12 Arbeiterhäusern in Kufr-Saba dürfte nicht mehr allzulange auf sich warten lassen, da die Aussicht vorhanden ist, daß die Lokalbehörden die nötigen Bauerlaubnisse endlich erteilen werden. Posen. DiejüdischenPalästinabestrebungen standen auf dem hiesigen XIII. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zur Beratung. Es wurde konstatiert, daß das Interesse der deutschen Juden an der Kolonisation des heiligen Landes in stetem Wachstum begriffen ist. Schon heute gibt es in Deutschland eine ganze Reihe wohlhabender Juden, die die Übersiedlung in das alte Stammland des jüdischen Volkes in ihr Lebensprogramm aufgenommen haben, und noch größer ist die Zahl derer, die durch Beteiligung an kommerziellen und landwirtschaftlichenXiründungen ein persönliches Interesse an dem Lande nehmen. An Opfern für gemeinnützige Palästina-Zwecke geben die deutschen Juden ihren Stammesgenossen in den anderen Ländern nichts nach. — Als wichtigste Aufgabe der nächsten Zeit wurde die Schaffung eines Agrarkredites bezeichnet, der durch Gewährung langfristiger Darlehen bei nieddrigem Zinsfuß die palästinensische Bauernschaft in ihrem schweren Existenzkampfe unterstützen soll. Die Vorarbeiten für diese Gründung sind bereits im Gange. Gemeinsam mit der Siedlungsgesellschaft „Erez Israel", die auf genossenschaftlicher Grundlage nach einem Vorschlage des Nationalökonomen Dr. Franz Oppenli e i m e r errichtet, jüdischen Bauern zur Selbständigkeit verhelfen soll und der „PalestineLandDevelopmentCompany* wird sie der Kolonisation einen starken Stützpunkt geben. — Die Frage der jüdischen Jugenderziehung beschäftigte des weiteren den Delegiertentag, der die Bedeutung der Turn- und Sportvereine in der jüdischen Jugendbewegung hervorhob. Die Arbeit der „Jüdischen Turnerschaft", die heute bereis 4000 Mitglieder umfaßt, wurde besonders anerkannt und die eifrige Pflege der hebräischen Sprache sämtlichen Zionisten empfohlen. Der bisherigen Leitung wurde der Dank und das Vertrauen der Versammlung ausgesprochen. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Rechtsnawalt Dr. H a n t k e, Berlin, wiedergewählt. im ÄIL6N W6l£CCiL6N Der französische Rabbiner-Verein wird im Monat Juni seine ordentliche Generalversammlung abhalten. Die Tagesordnung enthält folgende Punkte: 1. Der Religionsunterricht, Referent: Rabbiner Metzger in Paris; 2. Entwurf einer Pensionskasse der Rabbiner, Referent Rabbiner M. Liber in Paris; 3. Die Getfrage, Referent: Rabbiner H a g u e n a u in Paris; 4. Ueber die Gründung einer Gesellschaft für empfehlenswerte Bücher, Referent: Cberrabbiner Alfred Levy in Paris; 5. Einführung einer Feier in der Synagoge bei Todesfällen, Referent: Rabbiner Raphael Levy in Paris. Judaica in der Kongreßbibliothek zu Washington. Wie aus Washington berichtet wird, hat die Direktion der großen nationalen Kongreßbibliothek soeben die Verfügung getroffen, daß in der Bibliothek, welche eine der größten und reichhaltigsten der Welt ist, eine eigene große Abteilung für jüdische Literatur und Geschichte errichten werde. Für diese Abteilung hat der Staat die aus 10.000 Bänden bestehende jüdische Privatbibliothek des bekannten Schriftstellers und Reisenden Ephraim R e i c h a r d t, der gegenwärtig in Arlington wohnt, erworben. Diese Bibliothek umfaßt fast das gesamte Gebiet der jüdischen Literatur und aller ihrer Fächer. Die Werke sind in den verschiedensten Sprachen gedruckt. Die meisten wurden im Orient gedruckt und besitzen einen großen Wert. In der Sammlung befinden sich auch ungefähr 500 Bände, welche in Amerika gedruckt wurden, unter ihnen viele in jüdischer Sprache. Die Juden in Rhodos. Auf der Insel Rhodos, die gegenwärtig den Türken von den Italienern streitig gemacht wird, leben Juden bereits seit den ältesten Zeiten. Schon im ersten Buche der Makabäer wird der Juden aus Rhodos gedacht. Der jüdische Reisende Benjamin Detudcla hat im Jahre 1400 anläßlich seines Besuches auf der Insel daselbst 500 Juden konstatiert. Rottiers sagt in sein „Inscriptions et monuments de Rhodes", daß anlaßlich einer Judenvertreibung aus Spanien im Jahre 1280 Juden aus Taragon nach Rhodos kamen. Der Stadtteil in welchem die Juden in der Stadt Rhodos wohnen, ist uralt. Im Jahre 1851 hatte die jüdische Gemeinde in Rhodos viel unter Folgen eines Erdbebens zu leiden. Sie entsandte damals ihren Rabbiner Rachamim Franco nach Europa, um für die Wiedererrichtung des Judenviertels Spenden zu sammeln. Die Sammlung ergab 40.000 Francs. Im Jahre 1855 wurde ein Teil der Judenstadt infolge der Explosion des Pulverturms zerstört. Vier jüdische Abgeordnete im türkischen Parlament. Das neue türkische Parlament zahlt — wie die vorige Kammer — vier jüdische Abgeordnete. Von diesen ist der Abgeordnete F a r a g g i jüngst zum Vorsitzenden der Budgetkommission gewählt worden. Der Abgeordnete von Saloniki, Ca ras so, soll demnächst zum Senator ernannt werden. An seiner Stelle wird das jungtürkische Komitee Herrn Mo'ise Cohen aus Saloniki für das dort frei werdende Abgeordnetenmandat kandidieren. Sif Edward SasSoon — gestorben. Kurz nach Schowouth starb in London das Haupt des englischen Zweiges der Familie Sassoon, Sir Edwar Sassoon, im Alter von 56 Jahren. Schnell folgte er im Tode seinem vor einigen Monaten verstorbenen Onkel, Arthur David Sassoon. Mit ihnen verliert die Familie Sassoon in England ihre führenden Persönlichkeiten. Denn der einzige Sohn, den er hinterläßt, ist erst 24 Jahre alt, also zu jung, um eine bedeutende Rolle im gesellschaftlichen und politischen Leben zu spielen, und der älteste noch lebende Vertreter der Familie, der alte Frederik Sassoon, beschränkt sich ganz und gar auf seine geschäftliche Tätigkeit.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.