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Neue Nationalzeitung · 1912-06-14 · Heft 12 (14.6.1912) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 12 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 „Neue National-Zeitung" Seite 5 Nekrologe für „Notabein". Der pensionierte Hofmeister der Familie David Ritter v. Gutmann hat es für gut befunden, in dem Blatte des bekannten Dr. Bloch die „Neue National- Zeitung" wegen ihres Nekrologs über den verstorbenen David Ritter v. Gutmann anzupöbeln. In der Zuschrift des Dr. A. Kapraiik wird behauptet, daß der Nekrolog der „Neuen National-Zeitung" auf der Höhe der „Reichspost" stünde, es wird diesem Blatte, weil angeführt wurde, daß eine Tochter und eine Enkelin des Verstorbenen aus dem Judentum ausgetreten sind, „bewußte Lüge" vorgeworfen und es wird die Gelegenheit benützt, um mit einigen Schmähungen den Zionismus und die jüdisch-nationale Bewegung abzutun. Von den „radikal-nationalen Blättern" wird behauptet, daß sie alle „mit Koth bewerfen", die nicht zu ihren Fahnen schwören. Es würde sich für uns nicht verlohnen und wäre aucli nicht sehr ehrenvoll, mit einem Dr. Kapraiik, dessen geistiges Niveau und Eignung zum Erzieher seine Stilblühten am besten beweisen und mit Doktor Bloch, der bekanntlich in seinem öffentlichen Wirken und in seiner schriftstellerischen Tätigkeit nur vom Pauschalien-Standpunkt geleitet wird, zu polemisieren. Allein wir ergreifen gerne die Gelegenheit, um den Leuten, die hinter Kapraiik und Bloch stehen und ihnen Brosamen zuwerfen, um sie bei passenden Gelegenheiten loslassen zu können, nachzuweisen, daß wir die öffentliche Meinung nicht verwirren lassen und daß der Besitz von Millionen zwar unter den herrschenden desolaten Gemeindeverhältnissen in Wien den Besitz von Ehrenämtern gewährleistet, allein noch kein Recht darauf einräumt, unter Fälschung der Geschichte einen historischen Namen zu erhalten. Es mag ja ein ganz gutes Geschäft für gewisse Blätter sein, reiche Leute nach dem Tode mit der Aureole von Genialität und Philantropie zu umgeben. Aber ein anständiges Blatt hat ohne Rücksicht darauf, ob es radikal-national oder anti-national ist, sofern es nur im Dienste der Oeffentlichkeit steht, die Pflicht, auch Verstorbenen gegenüber die Wahrheit hochzuhalten und dadurch geschichtlichen Fälschungen vorzubeugen. Dieses Prinzip wird jedes Blatt, welches nicht mit Gesinnungen handelt, sondern in erster Linie die Wahrheit vertritt, für das allgemeine Interesse kämpft und geschichtliches Material vorbereitet, beherzigen müssen und darum reichen sie an uns nicht heran, die Sammler von Brosamen und Abfällen herrschaftlicher Tische. Und nun zu unserem eigentlichen Thema! David Ritter v. Gutmann verfügte weder über eine hervorragende Bildung, denn er absolvierte kaum die Volksschule, noch über ein talmudisches Wissen wie sein älterer Bruder Wilhelm. Das machten wir ihm auch nicht zum Vorwurf. Wir konstatierten weiters, daß er Million ärwar und bis auf die 3 Millionen, die er kurze Zeit vor seinem Tode für ein Kinderspital spendete, sein ganzes Leben hindurch nichts weniger als Phüantrop war. Auch das hätten wir ihm nicht zum Vorwurf gemacht. Wir hätten wahrscheinlich über den Privatmann David Ritter v. Gutmann kein Wort verloren. Aber D. v. Gutmann war Präsident der israelitischen Allianz, er war Präsident der Baron Hirsch'schen Schulstiftung, er war Kultusvorsteher u. s. w. Diese Ämter verpflichten einen über Millionen verfügenden Juden zu philantrophischen Leistungen. Sie verpflichten zur Wahrung jüdischer Interessen; sie verpflichten zur Förderung von Volksgenossen in eigenen Wirkungskreis. Nun durchblättere man die Jahresberichte der Organisationen, an deren Spitze David Ritter v. Guttmann gestanden ist. Er war durch 25 Jahre Präsident der Israel. Allianz und er hat während dieser ganzen Zeit nicht einen Heller für die Zwecke der Allianz gespendet. Er war Jahrzente an der Spitze der Baron Hirsch'schen Schulstiftung und er, der Kohlenbaron, war nicht dazu zu bewegen, für die jüdischen Volksschulen in Galizien resp. für die Abendschulen der Analphabeten auch nur einen Waggon Kohle zu spenden. In der Liste der Stifter der Chewra Kadischa findet sich sein Name nicht, ebensowenig unter den Stiftungen der Kultusgemeinde Wien insbesondere der so humanitären Institutionen wie die Alters- und Siechenversorgungsanstalt. Die israelitisch-theologische Lehranstalt, zu deren ersten Gründern sein Bruder gehörte, kann im Laufe ihrer 19 jährigen Wirksamkeit nicht eine einzige Spende des Verstorbenen aufweisen. Ja selbst das Waisenhaus in Döbling, auf das sich seine Lobhudler so gerne berufen, ist eine Gründung der Firma Brüder Guttmann. Die Idee hiezu ist von Wilhelm Gutmann ausgegangen und dieser hat auch den weitaus namhafteren Betrag hergegeben. Der kurze Nekrolog dieses Blattes wurde als in die „Reichspost" gehörig hingestellt. Auch das ist eine absichtliche Irreführung der öffentlichen Meinung. Die antisemitischen Blätter waren dem Verstorbenen sehr wohl gesinnt. War er ja doch Mitinhaber von Witkowitz, welches mit der Kommune Wien in Geschäftsverbindung stand, hat er doch in Witkowitz seinen Generaldirektor Schuster schalten und walten lassen, der jüdische Beamte und Arbeiter nicht aufnehmen wollte. Von aktueller Bedeutung dürfte es jetzt sein, daß während, wie aus der letzten Nummer dieses Blattes ersichtlich, die christlichen Kohlenbergwerkbesitzer in Schlesien jüdische Arbeiter in Tausenden aufzunehmen bereit sind, Herr David v. Guttmann, als ich ihm im Jahre 1898 eine Deputation der brotlosen Boryslawer Grubenarbeiter vorführte, die Aufnahme derselben in Witkowitz mit der kindischen Motivierung ablehnte, der Jude sei ein Balpached (feig). . . . Ich glaube genug gesagt zu haben. Ich halte es auch nicht mehr für notwendig, die Frage der Zugehörigkeit der Tochter und der Enkelin des Verstorbenen zum Judentum näher in Betracht zu ziehen, da es mir widerstrebt, gewisse intimere Familienvorgänge zum Gegenstand publizistischer Erörterung zu machen. Ich halte aber diesbezüglich meine Angaben aufrecht. Die Person des David Ritter v. Gutmann ist mir ganz gleichgiltig; er ist für mich lediglich der Typus der Wiener Großjuden, der Typus jener Leute, die unter Mißbrauch der vorhandenen Kultuswahlordnung nicht nur innerhalb der jüdischen Gemeinde die Vorherrschaft an sich reißen, sondern auch durch ihre Soldschreiber geschichtliche Tatsachen fälschen wollen. Dagegen werde ich ankämpfen, so lange ich die Feder führe. Dr. S. R. Landau.

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