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Neue Nationalzeitung · 1912-06-14 · Heft 12 (14.6.1912) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 12 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „Neue National-Zeitung" 8. Im Verlaufe von zwanzig Jahren, vom Tage der Veröffentlichung dieses Gesetzes im Amtsblatte gerechnet, dürfen für Angola keine neuen Gesetze außer denjenigen, welche in der Provinz Angola schon heute in Kraft sind, promulgiert werden. 9. Jene Kolonisten, welche den Genuß des Gesetzes in Anspruch nehmen, haben spätestens nach Ablauf, von zwei Jahren dem Kolonialminister ihre Absicht, sich in Angola naturalisieren zulassen, offiziell bekanntzugeben. 10, Die Naturalisierung erfolgt in Anwesenheit des Vorsitzenden des Stadtrates oder seines Vertreters, it Hinzuziehung zweier Zeugen. 11, Kinder, die bei der Naturalisierung das zehnte Lebensjahr nicht erreicht haben, unterliegen der Militärdienstpflicht. Endlich hätte die Ito-Organisation ein Land für die Juden, das sie solange vergeblich gesucht hat. Sie wird aber die Juden für dieses Land nicht finden. Es geht nicht an, daß im Interesse der Itö-Reklame jüdische Volksmassen dem sicheren Untergange zugeführt werden. Vor Angola muß gewarnt werden! Für die jüdische Kolonisation in Angola kann nichts ins Treffen geführt werden, es sei denn die Zustimmung der portugiesischen Regierung. Diese aber allein genügt nicht, wenn alle anderen Voraussetzungen versagen. Um Sklavendienste in Zucker- und K a f f e e-P lantagen zu leisten, müssen die Juden nicht erst nach Afrika auswandern. Wenn „Angola als jüdisches Siedlungsland" nicht wirklich auf der Tagesordnung der Ito-Konferenz stände, man könnte das nicht für möglich halten. Ein Land, welches zum größten Teil ein ungesundes, heißes Klima hat, in dem unter 4,180.000 Einwohnern kaum 12, 285 (0-35%) Europäer, zumeist deportierte Verbrecher, wohnen, in dem ein schwunghafter Sklavenhandel betrieben wird und die meisten Einwohner unzivilisierte Neger sind, wo es gar keine Kultur und äußerst geringe Verkehrsmittel gibt; dieses Land soll dem jüdischen Volke eine Erlösung von seiner wirtschaftlichen und politischen Not bringen? Wir werden hören, wie Herr Zangwill und seine Anhänger der jüdischen Öffentlichkeit das Angola- Projekt plausibel machen werden. Die jüdische Presse, sofern sie sich nicht vom Parteistandpunkt, sondern von allgemein jüdischen Interessen leiten läßt, wird dann zu prüfen haben, inwiefern die Ergebnisse objektiver Forschungen durch diese Partei-Enunziationen, denen ein fachmännisches Urteil abgeht, widerlegt erscheinen. Mit Bluffs allein wird die Judenfrage nicht gelöst werden. Die Juden und die galizische Landtagswahlreform. Lemberg, im Mai. Die gesamte galizische Presse beschäftigt sich eingehend mit der Wahlreform. Der Ausgleich mit den Ukrainern wird möglicherweise zu einem beiderseits zufriedenstellenden Abschlüsse kommen. Zur Zeit sind die Herren der Landtagsmajorität sich noch nicht im Klaren, welche Art Wahlrecht in Ostgalizien zu schaffen; handelt es sich doch darum, die dortige polnische Minorität zu schützen und ihr eine Vertretung im Landtage zu sichern. Man plant für Ostgalizien einen nationalen Wahlkataster einzuführen, und zwar einen rtithenischen und polnischen; in den ersten kommen alte Griechisch-Katholischen, kurz die Ruthenen, in den letzten die Polen und andere. Nr. 12 Was geschieht dann mit den Juden OAgalizicns? Diese sind eben die »Anderen" und werden von vorneherein in den polnischen Kataster eingereiht werden. Da die Juden es bisher politisch stets mit den Polen hielten, werden sie den Polen zugezahlt und bilden fortan katastrferte Polen.. Die zionistische Presse fordert die Schaffung einer jü disc h en Kurie. Wie seinerzeit in der Bukowina, finden sich auch bei uns Gegner genug, welche den Zt'onisten vorwerfen, daG sie mit der jüdischen Kurie ein „neues Ghetto" schaffen wollen. Ohne daß auch nur im geringsten die Hoffnung auf eine jüdische Kurie vorhanden wäre, ist die Gegnerschaft schon da. Den galizischen Herren Wahlreformern ist es noch nicht eingefallen, an die .luden zu denken und schon ist das Gekläffe los. Wie die Verhältnisse jetzt stehen, haben die Juden Galiziens die schönsten Aussichten, im eventuellen neureformierten Landtage keine gesetzliche Vertretung zu haben. Es ist eben die Taktik des Statthalters Bobrzynski, keine jüdischen Wahlkreise zu schaffen. Sein Wunsch und Wille ist es, die jüdisch-nationale Bewegung im Lande total lahmzulegen, lind indem er keine jüdischen Majoritätskreisc schafft, benimmt er, wie er meint, den Jüdisch-Nationalen die Möglichkeit, politisch aufzutreten. Die eventuell gewählten „mosaischen" Polen werden dann nur aus Gnade in den Landtag geschickt und werden sich nie darauf bemfen können, von Juden gewählt worden zu sein. Der Standpunkt der Regierung in Frage 'einer jüdischen Kurie ist ja von der Bukowinaer Wahlreform her bekannt. Sie wurde abgelehnt, trotzdem sich in der Bukowina sowohl im Wahlreformausschusse als auch im Plenum eine Majorität für die jüdische Kurie fand, ein Faktum, das in absehbarer Zeit in Galizien sich nicht ereignen wird! Der ganze Wahlreformentwurf ist an sich eine Spottgeburt, ein Hohn auf die modernen demokratischen Prinzipien, entsprungen dem verkalkenden Hirne des reaktionären Starzynski. Viel weniger berechnet den breiten Massen, als vielmehr dem polnischen Chauvinismus und der polnischen Schlaehta gerecht zu werden, ohne im geringsten die Juden zu berücksichtigen. Das Verhalten der polnischen Machthaber in der WahJre/ormfrage den Juden gegenüber ist ein Faustschlag selbst für die Hausjuden. Wo ist der Lohn und die Dankbarkeit für die jahrzehntelang geleisteten schnöden Dienste? Unsere vitalsten Interessen hängen vom Landtage ab. Wenn schon die Hausjuden des Landtages die jüdischnationalen Forderungen nicht vertreten können oder wollen, dann wäre es ihre Pflicht und Schuldigkeit, eine schärfere Tonart im Landtage anzuschlagen, statt auf einen gnädigen Brocken der Machthaber zu warten. Mit Lauheit können sie ja ohnehin nichts erreichen. Allein auch mit dem- Misstrauensvotum der Zionisten ist in der Frage der Juden im Landtage ebensowenig etwas erreicht, wie mit den vielen telegraphischen Resolutionen an den Landmarschall. Soll zugunsten der Juden ein Erfolg er2ielt werden, so kann es nur in einem einigen Vorgehen der Juden liegen. Mit einem politischen Sich-in-die-Quere-laufen und Vernadern kann nichts erzielt werden. Schon heißt es im Kreise der Hausjuden, die Zionisten schädigen die Interessen der Juden und hemmen die Arbeit der „jüdischen Lendtagsabgeordneten". Wenn auch die Frage der Wahlreform als solcher noch problematischer Natur ist, dürfen die Juden Galiziens nfcht die Hände in den Schoß legen. Eine Parole muß es geben und die laute: Allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht für den galizischen Landtag und Schaffung gesicherter jüdischer Wahlkreise, der jüdischen Steuerleistung entsprechend! — Wenn die Hausjuden dafür nicht eintreten, dann werden sie erst recht der Verachtung der galizischen Juden anheimfallen. Unsere P. T. Abonnenten werden um die Begleichung der rückständigen Abonnements-Gebühr höflichst ersucht. Die Administration.

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