Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 11 (31.5.1912)
- Date
- 1912-05-31
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 „Neue National-Zeitung" Seite 9 ALLEN WEIttCiLCN Dr. Arthur Schnitzler hat am 15. Mai 1912 sein 50. Lebensjahr vollendet und wurde aus diesem Anlasse von literarischen Körperschaften sehr geehrt. 1862 als Sohn eines Professors der Medizin in Wien geboren, wählte er dann das Studium der Medizin und war 1886—1888 Sekundararzt im allgemeinen Krankenhause. Von seinen Dichtungen erweckten hauptsachlich die Dramen Interesse, namentlich: „Anatol", „Liebelei", „Der grüne Kakadu", „Lebende Stunden", »Der Schleier der Beatrice„Der Ruf des Lebens*, „Komtesse Mizzi", „Das weite Land". 1899 und 1903 erhielt Schnitzlei den Bauernfeldpreis. Dr. Schnitzter ist Jude auch aus Überzeugung. Er hat sich zu Beginn der Herzl'schen Betätigung für den Zionismus ungemein interessiert. Darüber hinaus ist es allerdings bei Dr. Schnitzler nicht gekommen. Konferenz der israelitischen Kultusgemeinden in Bulgarien. In Sofia tagte jüngst eine Konferenz der Delegierten der israelitischen Kultusgemeinden des Königreiches, bei der sämtliche 24 Kultusgemeinden Bulgariens vertreten waren. Gegenstand der Verhandlungen waren die vorhandenen Meinungsverschiedenheiten über die Einberufung eines Gemeinde-Kongresses der bulgarischen Juden und die von gewisser Seite gegen die Person des Großrabbiners gerichteten Angriffe. Das Ergebnis der zweitägigen Beratungen der Konferenz war, daß 19 Gemeinden sich über die Art der Einberufung des Kongresses einten und ein einmütiges Vertrauensvotum für den Großrabbiner und das Konsistorium gaben, indem sie ihm Dank und Anerkennung für seine bisherige erfolgreiche Tätigkeit ausdrückten und ihn im Namen der Juden Bulgariens baten, die unbegründeten Angriffe nicht zu beachten und seine Tätigkeit in derselben selbstlosen Weise fortzusetzen. Der Bürgermeister von New-York über Isidor Strauß. Der durch seine besondere Judenfreundlichkeit bekannte Bürgermeister Gaynor von New-York hat an den gewesenen nordamerikanischen Handelsmr'm'ster Oskar Strauß folgenden Brief gerichtet: „Ich benutze den ersten freien Augenblick, meine tiefe Trauer über den Tod ihres Bruders Isidor und seiner Frau anläßlich der „TitaniC-Katastrophe zum Ausdrucke zu bringen. Während der langen Jahre meiner Bekanntschaft mit dem Verstorbenen wuchs nicht nur meine grenzenlose Hochachtung vor ihm, sondern auch meine wahie Freundschaft zu ihm, denn er gehörte zu den aufgeklärtesten und in des Wortes vollem Sinne besten Menschen, die ich je im Leben kennen gelernt habe. Einer meiner Freunde, Mr. Abraham, ist vor einem Jahre heimgegangen und jetzt ging auch Ihr Bruder. Die Art, wie wir kommen und gehen, hängt von Gottes Willen ab. Und wir dürfen niemals murren. Wir müssen alle sterben. Ihr Bruder starb, weil in ihm der Wunsch, das Leben anderer zu retten, mächtiger war, als die Sorge um die Sicherheit des eigenen Lebens. Und seine edle Frau entsagte der Möglichkeit, ihn auf dem sinkenden Schiffe allein zurückzulassen. Und diese beiden großen Menschen, diese beiden edlen Seelen gingen gemeinsam in den Tod ins Jenseits hinüber. Ich bitte Sie, den Ausdruck meiner Sympathie auch Ihrem Bruder Nathan und allen Mitgliedern Ihrer Femilie übermitteln zu wollen'" Eine jüdisch-nationale Studentenversammlung fand am 18. d. M. im Hotel Continental behufs Stellungnahme wider die Relegiernng jüdischer Studenten statt. Nach einer heftigen Debatte, an der sich aach Abgeordneter Dr. Straucher beteiligte, wurde nachstehende Resolution angenommen: „Die am 18. Mai im Hotel Continental tagende jüdische Massenversammlung nimmt mit Entrüstung zur Kenntnis, daß seitens des akademischen Senates Wiens jüdische Hochschüler relegiert, ihrer Existenz beraubt werden, weil sie sich gegen niedrige Beschimpfungen seitens deutschnationaler Antisemiten zur Wehre setzen, während ihre Beleidiger straffrei ausgehen. Sie erblickt darin eine krasse Verletzung der akademischen Gesetze, deren Tendenz unmöglich die sein kann, die Beleidigten und systematisch in ihrer Ehre Gekränkten hart zu betrafen, weil sie sich von begreiflicher Erregung haben fortreissen lassen, den Provokateuren aber Straffreiheit zusichern. Die Versammlung erblickt in der Propagierung des berüchtigten Waidhofener Beschlusses, demzufolge der Deutsche den Juden als ein von Geburt an ehrloses und niedriges Subjekt zu betrachten und zu behandeln hat, eine unerhört freche Beleidigung eines österreichischen Volksstammes. Auf dem Boden der Universität frank und frei betrieben, ist sie geeignet, die Hochschulen zu Brutstätten der Rohheit und Unmenschlichkeit zu erniedrigen. Die Versammlung fordert die Behörden und die akademischen Senate auf, aus der bisher beobachteten und unverantwortlichen Reserve herauszutreten und unnachsichtlich alle jene Personen und Korporationen zu verfolgen, die diese unmoralische und den Staatsgrundgesetzen hohnsprechende Tendenz zu vertreten wagen." ZEITSCHRIFTEN-RUNDSCHAU. Ungarn gegen den Handelsvertrag mit Rußland. Die Bewegung der Kaufmannschaft gegen den Handelsvertrag mit Rußland hat nun endlich auch Ungarn ergriffen. Die dortige Kaufmannschaft und insbesondere die jüdischen KauUeittc haben sich endlich aufgerafft, um gegen die russischen Chikanen zu protestieren. , , Wir lesen hierüber im „Neuen Pester Journal": Die ungarischen Kaufleute jüdischer Konfession, die behufs Abwicklung ihrer Geschäfte nach Rußland gehen, sind dort äußerst zahlreichen Plackereien, ja sogar Brutalitäten ausgesetzt. Da dieser Zustand nicht bloß vom Standpunkte des ungarischen Handels, sondern auch in Hinblick auf die Autorität des ungar. Staates gfavaminös ist, richtete die „Ungarische Kaufmännische Landes Vereinigung" an die (Regierung die Bitte, sie möge im Interesse des Schutzes der ungarischen Kaufleute israelitischer Religion gegenüber der Wilkür der russischen Behörden energische Schritte unternehmen. Die Landesvereinigung berief sich in ihrer Repräsentation auch darauf, daß auch seitens der Vereinigten Staaten, England und Deutschland in dieser Sache energische Interventionen stattfanden. NOTIZEN. Außerordentliche Staatslotterie. Ueber kaiserliche Ermächtigung veranstaltet die k. k. Lottogefällsdirektion eine außerordentliche Staatslotterie, deren Reinertrag für Wobltätigkeitszweckc der k. k. Landwehr bestimmt ist. Die Ziehung dieser Lotterie ist für den 4. Juli anberaumt. Um diesem ebenso patriotischen als wohltätigen Unternehmen eine möglichst lebhafte Teilnahme zu sichern, wurde der Spielplan dieser Staatslotterie überaus günstig gestaltet, indem 21.146 Gewinste in barem Gelde im Gesamtbetrage von K 625.000 mit einem Haupttreffer von K 200.000 ausgesetzt wurden; der Lospreis beträgt K 4. Leider ist infolge eines Druckfehlers auf dem Umschlag der letzten Nummer statt des 17. Mai der 19. Mai angegeben worden. Möbel-JWerkur" zz= Umbau =r—.rgeräumt werden, es werden daher die Preise sämtlicher lagernder Möbel tief herabgesetzt! Besonders günstige Kaufgelegenheit! Bei nicht sofortigem Bedarf Einlagerung gratis! Auf Wunsch Zahlungserleichterung! VI., Mariahilf erstraße Nr. 31. 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