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Neue Nationalzeitung · 1912-05-31 · Heft 11 (31.5.1912) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 11 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 11 zugeführt. Es ist nicht das geringste Verdienst'dieser großartigen Organisation, daß im Vergleich zu den anderen Nationalitäten, bei den Juden die Zahl der verlassenen Frauen und Kinder in New- York so gering ist. Die Suppen und Brotanstalten sind so großartig eingerichtet, daß kein jüdischer Armer andere Volksküchen als jüdische aufzusuchen braucht. Ganz besonderen Eindruck auf den Kongreß machte der statistische Nachweis des Einwanderungsvorstands, daß er über alle in den letzten 20 Jahren Eingewanderten eine wachsame Kon" trolle ausübt. Er zeigt an der Hand seiner statistischen Tabellen, daß höchstens 8 Prozent der jüdischen Armen Amerikas auf das Konto der Einwanderung zu setze sind, daß zwei Drittel der Neuangekommenen zwar in Newr-York bleiben, aber höchstens für ein Jahr, bis sie mit Land und Leuten vertraut sind, daß sie aber dann über alle Staaten verteilt werden und meistens nach höchstens 20 Jahren einen Wohlstand erreicht haben, der der Allgemeinheit in Amerika zugute kommt; denn in dieser Zeit sind diese Neulinge vollständig amerikanisch und bilden in den kleinen Städten und auf dem Lande, wo sie sich niedergelassen haben, ein wertvolles neues Element. Der Vorstand verschafft jährlich mehr als 4000 Männern das amerikanische Bürgerrecht, das Erziehungsbureau verteilt jährlich über 30.000 Zeitschriften, veranstaltet Vorlesungen über amerikanische Geschichte, Geographie, Verfassungskunde und selbstverständlich englischen Sprachunterricht. Die glänzenden Erfolge der Kinder der jüdischen Einwanderer in den Schulen, wo sie die bedeutendsten Preise davontragen, sind ein beredtes Zeugnis zugunsten der Einwanderer. Dabei übt das Verteilungsbureau eine genaue und zuverlässige Prüfung über die Erwerbsverhältnise in 84 verschiedenen amerikanischen Städten aus, und wird dadurch in die günstigste Lage gesetzt, die Einwanderer in diejenigen Gegenden abzuschicken, wo sie die besten Chancen einer ruhigen Entwicklung vorfinden. Daß viele geeignete Einwanderer in der Landwirtschaft Untergebracht werden, konnten wir neulich berichten. Tatsächlich ist das jüdische Farmertum in Amerika schon so erstarkt, daß es Kongresse veranstalten kann. Ganz besonderer Wert wird auf möglichst baldige und möglichst dauernde Verbindung der Organisation mit den Einwanderern gelegt. Kaum 4 Wochen nach seiner Ankunft erhält der Einwanderer ein Schreiben der Organisation, das in den liebevollsten Ausdrücken sich nach seinem bisherigen Leben erkundigt, ihm Obdach, materielle Hilfe, Stellenvermittlung, Unterricht, Auskunft über die verschiedenen Gegenden und Orte und deren Verdienstmöglichkeiten sowie auch über die Reise dorthin und Stellenvermittlung anbietet. Brfiderlichkeit und Nobless^ gibt in dem Verkehr zwischen der Organisation und den Einwanderern den Ton an; die schönen von dem Einwanderungsvorstande erzielten Erfolge sind nicht zum wenigsten diesem taktvollen Benehmen zuzuschreiben, das mit dem Torawörte in Einklang ist, unter dessen Aegide sich die Gesellschaft für Einwanderer gestellt hat: „Ihr wißt, wie es einem Fremdling zumüte ist, denn ihr seid selbst einst Fremdlinge gewesen im Lande Egypten." Eine originelle Zeitung. An Bord des neuen Dampfers „Kaiser Franz Joseph" der Austro-Americana erschien während der Mittelmeerreise des Flottenvereins eine eigene Zeitung die an Bord gedruckt wurde und die ihre Neuigkeiten auf funkentelegraphischem Wege erhielt. Die Teilnehmer der Reise hatten morgens beim Frühstück ihre tägliche Zeitung und waren so in steter Verbindung mit der Heimat. Auch sonst verlief die Reise aufs Angenehmste. In Pola und in Ragusa wurden die Teilnehmer von den Militärbehörden festlich empfangen, in Corfu hat der Kaiser von Deutschland das Achileum zum Besuche freigegeben, in Malta war ein großer Empfang beim ÖSterr, Konsul von Kohen, im Seemannsheim begrüßte Präsident Andrew die Teilnehmer als Gäste der Engländer, die englische Musik spielte die österr. Hymne und wienerische und ungarische Weisen. Es gab eine wahre Verbrüderung zwischen Engländern und Oesterreichern. Tags vorher wurde am Deck ein Ball abgehalten, sodaß jeder Tag seine besondere Attraktion geboten hat. * * * Das Literarische Informationsbureau des Norddeutschen Lloyd in Berlin stellt uns einen Brief zur Verfügung, den der Begleiter der „I t o-E x p e d i t i o n" nach Galveston, Herr Dr. K r i t s c h e w s k y, an die Verwaltung der Jüdischen Emigrafions-Gesellschaft in Kiew gerichtet hat. „Sehr geehrter Herr! „ich benutze die Gelegenheit, um Ihnen einen Gruß von Philadelphia zu senden. Vorläufig bin ich mit der Reise sehr zufrieden. Die Beziehungen der Beamten — vom Kapitän bis zum Schiffsjungen — zu den Auswanderern sind vortrefflich. Ich schließe daraus, daß man die „Ito" respektiert. Ich habe meinen Platz (am Tisch) neben dem Kapitän, und mein Nachbar ist der Inspektor (ehemaliger Kapitän), der sehr freundlich zu mir ist. Der Steward ist sehr aufmerksam. Die Auswanderer werden sehr gut behandelt. Das Essen ist vorzüglich. Ich koste es jeden Tag. Das Essen ist besser als in der „Stadt Warschau*. Ich bin sicher, daß mancher Auswanderer zu Haus eine solche Verpflegung nicht gehabt hat. Die Matrosen verhalten sich sehr freundlich zu den Auswanderern, möchten nur die Auswanderer selbst sich so anständig verhalten, dann bliebe nichts zu wünschen übrig. Kurz gefaßt, ich bin sehr zufrieden. gez. Dr. Kritschewsky. G5MEiN&5=owo VSRSiNiNMRRiUWW Wien. (Enthüllung einer Gedenktafel für Lektor M, Fried mann). Die in der vorletzten Nummer unseres Blattes enthüllten Machinationen haben den Vorstand des „Beth-ha-Midrasch" veranlaßt, die Veranstaltung der Gedenkfeier selbst in die Hand zu nehmen und selbst die notwendigen Dispositionen zu treffen. Es hat unter Vorsitz des Herrn Dr. Leopold Kohn, in dessen Wohnung eine Vorstandssitzung stattgefunden und wurde auch der Beschluß gefaßt, den Lektor Dr. Rubin mit der Abhaltung der Festrede zu betrauen. Sonntag, den 19. Mai, fand in den Räumen des Wiener Beth-ha-Midrasch die feierliche Enthüllung der Gedenktafel statt. Man bemerkte in Vertretung des Kultusvorstandes den I. Vizepräsidenten, Herrn Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, in Vertretung des Beth-ha-Midrasch-Vorstandes die Herren Dr. Markus Spitzer, Dr. Leopold Kohn und Sekretär Fuchs, von der isr.-theol. Lehranstalt den Rektor Prof. Dr. A. Schwarz mit den Professoren Dr. S. Kraus und Dr. Aptowitzer, die Sekretäre kais. Rat Dr. Lieben und Dr. Adler, Rabbiner Dr. Feuchtwang und die Familie des verblichenen Gelehrten. Herr Dr. Markus Spitzer ergriff im Namen des Beth-ha- Midrasch-Präsidenten, Herrn Dr. Schmiedl, das Wort, um in temperamentvoller Rede die Festversammlung zu begrüßen und der Verdienste Lektor Friedmanns um das jüdische Wissen zu gedenken. Er rühmte die dankbare Pietät jenes edlen Geschwisterpaares, welches als Stifter dieser Gedenktafel in ihrem dahingeschiedenen Lehrer sich selber ehrte und sprach die Hoffnung aus, daß es niemals in Israel an solchen Lehrern und solchen Schülern gänzlich fehlen möge. Sodann hielt Lektor Dr. Rubin die Festrede, in welcher er den alten Satz von der Bedürfnislosigkeit des Thoraforschers ausführlich kommentierte. Mit dem vom Herrn Oberkantor Morgenstern meisterhaft vorgetragenen „El mole rachamim" schloß die erhebende Feier. Die Tafel (von der Firma Friedländer & Deutsch ausgefertigt) ist aus schwarzem Marmor, an der Westseite des Lehrsaales angebracht und trägt nebst den Widmungsworten: Bai Meir Ajin Lektor M. Friedmann eine längere hebräische Inschrift. Wien. (HumanitärerVereinzurUnter Stützung armer jüdischer Kurbedürftiger.) Am 8. Juni 1912, um 7 Uhr abends, findet im Restaurant Herlinger, Wien, II. Bezirk, Zirkusgasse Nr. 3, die VII. ordentliche General-Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Anträge, Interpellationen. 4. Eventuelles.

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