Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 11 (31.5.1912)
- Date
- 1912-05-31
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 .Neue National-Zeitung" Seite 5 Wenn es Ihnen gelingen sollte, uns unter diesen Voraussetzungen kräftige, tüchtige, jüdische Arbeiter zuzuwenden, würde uns dies recht freuen, und sagen wir Ihnen im Voraus für Ihre Bemühungen verbindlichsten Dank. Mit vorzüglicher Hochachtung'. Kattowitzer Akt.-Ges. für Bergbau und Eisenhüttenbetrieb gez. ppa. Gebhardt. gez. ppa. Kluger." Die Regierung, die bisher jüdische Ausländer aus Schlesien ausgewiesen hat, ist nunmehr mit der Heranziehung jüdischer Grubenarbeiter vom Auslande einverstanden; sie stellt lediglich als Bedingung, daß dieselben alljährlich für mindestens 4 Wochen das preussische Staatsgebiet verlassen müssen, damit sie nicht in Preußen den Unterstützungswohnsitz erwerben. Das Hilfskomitee beabsichtigt auf diese Weise in den schlesischen Gruben 1000—2000 jüdische Arbeiter einzustellen, und hofft diese Zahl bis sukzessive 6000 zu erhöhen. Alle Vorbedingungen für die Heranziehung und Erhaltung eines materiell sichergestellten, den jüdischen Traditionen treu bleibenden Arbeiterstandes wären nun geschaffen. An Arbeitern wird es nicht fehlen, es muß aber im Wege der gesamten jüdischen Presse, und zwar in allen Sprachen, dafür gesorgt werden, daß die wackere Tat des Kattowitzer Hilfskomitees bis in den breitesten Schichten der jüdischen Bevölkerung von Galizien, Bukowina, Rumänien und Rußland bekannt werde.*) Schon haben sich 200 Arbeiter aus Baluty, dem Zentrum der jüdischen Weber bei Lodz, gemeldet. Dieser Ort allein wird mit der Zeit das Zehnfache stellen. Denn die Lage der jüdischen Weber, über 10.000 an der Zahl, wird immer trostloser. Sie werden immer mehr von der Maschinenarbeit verdrängt, sie finden nur in der Hochsaison Arbeit zu Schundlöhnen. Die jüdischen Fabrikanten, allen voran die Familie Poinanski, haben für jüdische Arbeiter in ihren Fabriken keine Beschäftigung. Die Einstellung dieser 200 Arbeiter dürfte nächster Tage vor sich gehen. Der schwierige Frage der Auslagen für die Reise, Einkleidung und Pässe (für einen zur Reise ins Ausland notwendigen Gouverneur-Paß muß in Rußland jedermann über 20 Rubel zahlen) ist bereits gelöst: Kommerzienrat Feist in Frankfurt am Main hat vor einigen Tagen für diesen Zweck 25.000 Mark gespendet. Für einen österreichischen Juden wäre es zum verzweifeln, wenn uns nicht das Vorbild unserer Brüder im deutschen Reiche beweisen würde, daß Genieinsinn und Opfer Willigkeit im Judentum noch nicht ganz erloschen sind. SPREQHSflflL. Worüber Herr Dr. Ofner nicht spricht! Geehrter Herr Redakteur'. Der Abgeordnete der Leopoldstadt, Herr Dr. Ofner, hat auch anläßlich der jüngsten Debatte über den Mühlwerth'schen Antrag einer Strafgesetz-Novelle bewiesen, daß er ein tüchtiger Jurist ist. Aber das Parlament hat ja viele Advokaten und Juristen, und Dr. Ofner könnte auch diesen einmal das Fachsimpeln überlassen. Was aber der jüdische Abgeordnete Dr. Ofner, der sich so leidenschaftlich mit Strafgesetz- und Strafprozeß-Reform beschäftigt, anderen nicht überlassen sollte, das ist die Kritik der schändlichen Zurücksetzung der Juden in der Staatsanwaltschaft. In England und Italien stehen Juden an der Spitze der Generalprokur a t u r; in unserem lieben Österreich kann ein Jude nicht einmal Staatsanwalt-Stellvertreter werden. Darüber hatte der jüdische Vertreter der Leopoldstadt bei den letzten Strafprozeß- Debatten schon ein Wort verlieren können. Aber dazu hat man keinen Mut. Wer wird denn von solchen Dingen sprechen? . . . Und die Wähler sind zu indolent, um „ihren" Abgeordneten dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Mit aller Hochachtung Ein Rechtspraktikant. *) Man wende sich mit Anfragen an Herrn Siegfried Wiener, Kattowitz, Wilhelmsplatz 2. ÜBRReSPON&eNZgN Oesterreich-Ungarn. Eine Trauerkundgebung. Chrzanöw. Wir erhalten aus Chrzanöw-Jaworzno nachstehende Zuschrift, die wir ohne jede Änderung reproduzieren: „Wie ein Donner am hellichten Tage, traf uns die plötzlich traurige Nachricht vom Ableben des Herrn David v. Gut mann ^"7. Das Volk Israel hat einen großen Verlust erlitten! Eine schmerzliche Wunde durch den Tod des weltbekannten jüdischen Philantropen, der durch seine Lebensjahre immer um die Existenz Israels Sorge getragen hat! Immer opferungsvoll für das Judentum strebte und seine großen Millionen- Spenden in lobender Erinnerung bleiben wird! Leider aber, seine jüdischen Beamten und finanzielle Vertreter, welche die Möglichkeit haben für Juden zu leisten, die sich David v. Gutmann als Muster nehmen sollen, unterstützen nichtjüdische uns feindliche Unternehmungen undGeschafte, womit die Vernichtung eigener Brüder, der Juden herbeigeführt wird! Brüder! Beamten in höherer Stellungen! Gedenkt an Eure jüdische Glaubensgenossen, die von verschiedenen Nationen bedrängt und das Brot vom Maul herausgerissen wird! Unterstützt nicht mit Almosen JTQ"!3> urn uns zum Bettler zu machen, sondern mit Rat und Tat. Gibt uns Arbeit und Beschäftigung, Verdienst und Erwerb. Erteilt Aufträge in Arbeitsausführungen und Lieferungen an Juden! Versündigt Euch nicht an Eure eigene Brüder! Denn der Gott Israels ist der Gott der Barmherzigkeit und Gott der Rache! Wenn Ihr in den Fußstapfen Ihres jetzt dahingeschiedenen Chefs gehen wird, dann erst ist das große Werk vollendet und bleiben wird in ewiger hochschätzender Erinnerung! Friede seiner Asche! Jüdische Kaufleute und Fabrikanten." Deutsches Reich. Ein interessanter Ehrenbeleidigungs-Prozeß. Dresden. Unter der Spitzmarke „Professor Lydia Rabinowitsch" brachte die hiesige antisemitische .Deutsche Wacht" in Nr. 14 vom 18. Februar auvS Anlaß der Ernennung der Frau Lydia Rabinowitsch-Kempner zum Professor durch den Kultusminister Trott zu Solz einen Artikel, der Beleidigungen der