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Neue Nationalzeitung · 1912-05-31 · Heft 11 (31.5.1912) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 11 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „Neue Naüona]-Ze\tungu Nr. 11 Aus dem Jahresbericht ist klar zu ersehen, daß die Allianz in keiner einzigen österreichischen Grenzstation ein Organ besitzt; bloß in Brody und Krakau sind Ehrenfunktionäre, die aber bekanntermaßen den Emigranten weder Schutz noch Hilfe angedeihen lassen. So ist es möglich, daß sich in Krakau die jüdischen Emigranten an den Missionär Friedenthal wenden, der den Leuten auch hilft und ihnen auf den langen Weg Traktätchen mitgibt. III. Die Juden in Rumänien. Die Tätigkeit der Allianz gegenüber den rumänischen Juden, deren Lage durch stets neue Verschärfungen immer ärger wird, bestand im Jahre 1911: 1. In der Subventionierung einiger Volksschulen mit...........K 1.901-60 2. Auslagen f. Emigranten-Beförderungen „ 12.899 04 Zusammen K 14.800 64 Es wurden hiefür 163 Emigranten über See befördert; weiters auch eine nicht näher angegebene Zahl repatriiert. IV. Die Juden in Palästina. Von Palästina weiß der Bericht nur zu erzählen, daß dort die „Edle von Lämmelschule" und der „Bezalel" besteht, die beide subventioniert wurden. Von dem kulturellen Zustand und Aufschwung, von den jüdischen Kolonien, von den wirtschaftlichen Verhältnissen dieses jedem Juden heiligen Landes finden wir im Berichte kein Wort. Glaubt denn der Verfasser des Berichtes, der durch diese Unterlassung seiner Gehässigkeit gegenüber dem Zionismus offenbar Ausdruck geben will, daß in den Kreisen der Allianz-Mitglieder für das heilige Land gar kein Interesse besteht? Die Allianz zählte im vergangenen Jahre in Wien 996 Mitglieder mit K 11.249*— Jahresbeiträgen; ihre gesamten Jahresbeiträge erreichten K 26.493*— Von den Filialen stehen Czernowitz und Lemberg an der Spitze. Der Jahresbericht betont, daß selbst in den kleinsten Städten Galiziens sich in der letzten Zeit eine regere Betätigung kundgibt, „als in manchen gutsituierten Gemeinden in Böhmen, Mähren und Schlesien".....Offenbar wirkt der Bluff nicht mehr. Die Allianz könnte mit ihrem großen Vermögeu, das im letzten Jahre durch ein Legat des verstorbenen Baron Albert Rothschild per K 40.000-— und eine Millionen-Zuwendung des verstorbenen Jakob Adler bedeutend erhöht wurde, segensreich und in umfangreichem Maßstabe für die österreichischen und speziell für den hilfsbedürftigen galizischen Juden wirken, wenn — andere Männer in der Leitung wären; andere Männer, denen das Ehrenamt in der Allianz nicht bloß Zeitvertreib, Befriedigung der Eitelkeit und Sprungbrett zu anderen Ehrenämtern, sondern ein Stück Lebensaufgabe wäre; andere Männer, deren geistiger Horizont über den Tag hinausreicht und die Gesamtinteressen, die dauernde Hilfe für unse armen und verfolgten Brüder ins Auge fassen würden; andere Männer, die nicht bloß Amtsstunden abhalten, nicht erst bloß durch irgend einen Pogrom zu Sammlungen aufgescheucht werden, sondern wirklich dauernd arbeiten. Solche Männer hat die Allianz nicht in ihrer Mitte, sie ist eine homogene Gesellschaft. Zur besseren Illustration noch eine kleine Geschichte aus der letzten Zeit: Im Vorstande der Allianz saß viele Jahre als Mitglied, dann als Vize-Präsident der Arzt Doktor Sigmund Wahrmann. Dieser Herr starb im Laufe des letzten Jahres und hinterließ ein bedeutendes Vermögen. Er vermachte es an wohltätige Vereine in — Budapest. Der Allianz hinterließ er keinen Heller; er war viele Jahre ihr Vorstands-Mitglied. Jüdische Arbeiter — in den schlesischen Kohlenbergwerken. (Von unserem Spezialberichterstatter.) Kattowitz, 28. Mai 1912. Eine in ihrer Art einzige, für das jüdische Proletariat bedeutungsvolle Hilfsaktion hat soeben ein jüdisches Hilfskomitee dieser Stadt vollendet. Es ist demselben gelungen, bei den schlesischen Grubenbesitzern durchzusetzen, daß siejüdischeArbeiter aufnehmen und ihnen die Möglichkeit geben, rituell zu leben und am Samstag nicht zu arbeiten. Die Löhne sind nicht schlecht: 3 bis 4 Mark täglich für den Anfang, dann steigend bis 6 Mark. Der Entgang zweier Ruhetage (Samstag und Sonntag) wird dadurch teilweise wettgemacht, daß die Leute entweder eine Nachtschichte in der Woche oder täglich eine Stunde länger arbeiten werden. So erscheint ihnen der Lohn für 6 Tage gesichert. Sie werden in eigenen Baracken, zu je 50 Mann, wohnen; dort wird ihnen die rituelle Kost zubereitet. Das Schreiben der Grubenbesitzer lautet: u\ H. K. A. 921. Kattowitz, den 10. April 1912. Herrn Siegfried Wiener Kattowitz. Auf Ihren Wunsch bestätigen wir Ihnen folgendes ergebenst: Nachdem wir auf unserer Florentinegrube mit den seit einiger Zeit im Grubenbetriebe beschäftigten jüdischen Arbeitern durchaus zufrieden waren, wollen wir uns entschließen, auch auf unseren anderen Gruben einige Hundert jüdische Arbeiter, die die Bergarbeit verstehen und hierzu tauglich sind, einzustellen. Zunächst möchten wir aber erst auf unserer Myslowitz- und Carlssegengrube mit einer kleineren Anzahl einen Versuch machen; wir denken uns 50 Mann pro Grube. Wie wir Ihnen mitgeteilt haben, soll die Beschäftigung der jüdischen Arbeiter unter denselben Bedingungen und zu denselben Lohnsätzen, wie wir die ruthenischen Arbeiter beschäftigen, erfolgen. Ruthenische Arbeiter verdienen pro Tag Mk. 3-— bis Mk. 4*—, je nach der Art der Beschäftigung und Leistung. Wir haben weiter gesagt, daß, wenn die Leute in der Woche sonst fleißig arbeiten, wir durchaus nichts störendes darin finden, wenn sie am Sabbat die Arbeit aussetzen. Wir werden den jüdischen Arbeitern eine mit Kücheneinrichtung versehene besondere Baracke zur Verfügung stellen, und dafür Sorge tragen, daß dieselben in ihren religiösen, bezw. rituellen Verrichtungen nicht gestört werden.

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