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Neue Nationalzeitung · 1912-05-17 · Heft 10 (17.5.1912) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 10 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 10 geschärft werden, über ihre Pflichten den Leidenden gegenüber nachzudenken. Aus dem Bericht der Mazzokommission ersehen wir, daß unsere Ärzte, Advokaten, Journalisten, die Zehn [ausende von Rubel jährlich verdienen, sich mit einer Gabe von 10—20 Rubel begnügt haben. Bei einer so ungeheuren Not sind derartige winzige Spenden beschämend und unschicklich. In den jüdischen Flecken würden derartige Spenden für „Moes-Chitim" (Unterstützung für Mazzo) ganz einfach nicht angenommen werden." Wenn man den Bericht über diese überaus traurige Lage der einst blühenden jüdischen Gemeinde Rußlands liest — und Odessa war eine der größten und wohltätigsten im unermeßlichen Zarenreiche, — so beschleicht es einen mit tiefer Wehmut und unwillkürlich denkt man an die jüngstvergangene Zeit, wo zu Pessach sich höchstens 6000 Arme an die Mazzokommission wandten.' Und nun sind es neunzigtausend'. Schrecklich, wie die Lage dort sich in einer kurzen Spanne Zeit, seit den gräßlichen schwarzen Novembertagen des unseligen Jahres 1905 verändert hat! Die blutigen Ereignisse jener schrecklichen Katastrophe haben tiefe Wunden, namentlich der jüdischen Bevölkerung Odessas geschlagen, die bis jetzt nicht bloß nicht vernarbt und geheilt sind, sondern im Gegenteil, wie man sieht, vergrößert und verstärkt wurden. Das Elend der armen Juden — dieser Parias der Gesellschaft — ist dort stabil geworden, und die dem Elend preisgegebenen Unglücklichen nagen, im vollen Sinne des Wortes, am Hungertuche. GSM£iN05=CN» VSReiNSNMRRiCIWW Wien. (Generalversammlung der Israelit. Allianz.) Die von der Wiener „Isr. Allianz" pauschalierten Blätter haben vorige Woche nachstehende Notiz veröffentlicht: „Die 39. ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Allianz zu Wien findet am Mittwoch, den 15. Mai 1912, um 6 Uhr abends im Saale der israelitischen Kultusgemeinde, 1., Seitenstettengstsse 4, 11. Stock, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1911. 2. Bericht über die finanzielle Gebarung im Jahre 1911. 3. Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern mit 4jähriger Funktionsdauer und Genehmigung der Kooptation von 3 Vorstandsmitgliedern. 4. Aenderung des § 6 al. 2 und 3, sowie des § 8 al. 2 der Statuten betreffend Zusammensetzung und Wahl des Beirates. 5. Etwaige Anträge der Mitglieder (§ 8 der Statuten). Der Eintritt in das Versammlungslokal ist nur gegen Vorweisung der auf Namen lautenden Einladungen gestattet. Für auswärtige Mitglieder gilt die Mitgliedskarte als Legitimation. Der Jahresbericht geht in den nächsten Tagen den P. T. Mitgliedern zu.** Zur diesjährigen Generalversammlung hat unser Blatt keine Einladung erhalten. Das ist die Rache für den verlorenen Prozeß ... Der Vorstand der „Allianz" und sein gleichwertiger Sekretär glauben offenbar, daß eine Vereins-General-Versammlung eine Art Familienunterhaltung ist, zu der nur Freunde und Pauschal-Bedienstete eingeladen werden können; für einen Sekretär, der aus allgemeinen Spenden bezahlt wird, ist das eine sehr komische Ansicht. Die oben sub 3 angeführten jüngst kooptierten Vorstandsmitglieder sind, wie man uns mitteilt, folgende Herren: Kultusvorsteher Dr. Breuer, Bankdirektor Salomon Fischer und der pens. Gymnasialprofessor Dr. Jerusalem, alle streng verläßliche Anhänger des K a h a 1-R e g i m e s, die gewiß durch originelle Einfälle oder besonderen Uebereifer die Harmonie im Vorstande der „Allianz" nicht stören werden. ftllSN weLtC«L6N Eine jüdische Realschule und höhere Töchterschule wurde jüngst in Leipzig eröffnet. An der Spitze des Kuratoriums stehen Geheimer Regicrungsrat Professor Barth aus Berlin und Reichstagsmitglied Justizrat Dr. Wa Idstein ans Altona. Die Leitung der Schule liegt in den Händen des Leipziger Rabbiners Dr. Carlcbach. Man versuche in Wien vom Oberrabbiner Güdemann und Hofrat Kuranda zu verlangen, daß sie eine jüdische Mittelschule gründen! . . . Die jüdischen Senatoren in Italien. Lieber die jüdischen Senatoren in Italien lesen wir in der Freiburger „Liberte"; Als Vertreter des Handels und der Technik erscheint zunächst A n g e l o Salmoiraghi, der Präsident der Mailänder Weltausstellung im Jahre 1906 war. Er ist im politischen Leben Mailands tätig und gehört zu den Führern der Linksliberalen. Er ist einer der Senatoren, die vor kurzem ernannt worden sind. Durch ihn ist die Zahl der jüdischen Senatoren auf 13 gestiegen, Padua, wo die jüdische Bevölkerung zahlreich ist, hat allein 3 Senatoren, den Grafen Ci11ade 11 a, den Advokaten Jaques Levi-Civita den Rechtsprofessor Victor Polacco, Pisa hat den Universitätsprofessor Alexandre v. Ancona, Pavia den Professor Hercules Vidari. Die Universität von Turin ist repräsentiert durch den Professor Pia Foä, ein berühmter Mediziner, und diejenige von Rom durch den Professor Vite Voltera. Die höhere Verwaltungsbehörde ist im Senate durch den Professor Ludowic Mortara, Gcneralprokurator des Kassationshofes in Rom, vertreten. Im Senat sitzen ferner die jüdischen Finanzgrößen Baron Albert Treves de Bonfigli aus Venedig, Leopold Franchetti von Ciftä di Castcllo und Uderic Levi von Reggia Emilia. Der englische Protest wider das Blutmärchen. Den Protesten der angesehendsten Persönlichkeiten Rußlands, Deutschlands und Frankreichs gegen die Ritualmord-Beschuldigung in Kiew hat sich nun auch England angeschlossen. Die Liste der Unterzeichner, welche die ersten Namen des vereinigten Königreiches enthalt, eröffnen die höchsten geistlichen Würdenträger des Landes, nämlich der Erzbischof von Ca nterbury, der Erzbischof von York, der E r z b i s c h of von Armagh und Primas von Irland und der Kardinalerzbischof von Westminster. Ihnen schließen sich an die Herzöge von Norfolk und Northumb e r I a n d, der frühere Premierminister Carl of Rosebery, Lord S e 1 b o r n e, der frühere Oberhauspräsident Earl of H a 1 s b u r y, der einstige Prokonsul von Aegypten Earl C r e in er, Lord L 1 a ndaff und Lord Milner, achtzehn Bischöfe und zehn andere Kirchenhäupter, Lord R a y 1 o i g h, Kanzler der Universität vom Cambridge, Lord C h e'y lestnore, Präsident des Londoner Grafschaftsrates, Lord W e 1 b y, Lord Redesdale und Lord C o u r t n e y. Außer James W. Lowther, dem Sprecher des Unterhauses, und Sir Thos. Boor Crosby, dem Lord-Mayor von London, haben hervorragende Parlamentarier den Aufruf unterschrieben, wie Arthur James Balfour, der frühere Premierminister, Austen Chamberlain, Alfred L y 11 e 11 o n und Walter Long. In der Liste glänzender Namen finden wir ferner den früheren Botschafter Frank C. L a S c e 11 e S, Gelehrte Wie Sir Henry E. Roscoe und Sir John R h y s, den Führer der Arbeiterpartei, J. Remsay Macdona I d, Rt. Hon. Sir Roland L. Vaug-

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