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Neue Nationalzeitung · 1912-05-17 · Heft 10 (17.5.1912) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 10 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 „Neue National-Zeitung" Seite 7 d) Die Organisierung und mitwirkende Förderung von Hilfaktionen im Falle des Bedürfnisses (Emigration) etc. f) Die Förderung einer von echtem jüdischem Geiste erfüllten Presse und Literatur. f) Die Vertretung der thoratreucn jüdischen Gesamtheit nach außen und die Abwehr der gegen die Thora und ihre Bekenner als solche gerichteten Angriffe. In der nunmehr nach Kattowitz einberufenen geschlossenen Konferenz sollen die Grundlagen des großen Unternehmens noch einmal durchgesprochen, die Grundzüge der Organisation die auf breitester volkstümlicher Basis ruhen wird, vereinbart und nach erfolgter Konstituierung die vorbereitenden Maßnahmen zu umfassender Propaganda getroffen werden. Frankfurt a. M., den 13. Mai. Das Programm der auf den 27. und 28. Mai nach Kattowitz einberufenen Konferenz zur Begründung einer Weltorganisation der gesetzestreuen Judenheit sieht für Montag, den 27. Mai, von 3 Uhr an eine zwanglose Zusammenkunft der Teilnehmer im Sitzungsaale der Synagogengemeinde Kattowitz vor. Die eigentlichen Beratungen beginnen mit Rücksicht auf die von weiterer Entfernung kommenden Teilnehmer erst Dienstag Früh um 9 Uhr in dem gleichen Saale. Die Tagesordnung lautet: a) Begrüßung; b) Bericht des „Provisorischen Komitees"; c) Generaldebctte; d) Konstituierung der „Agudath Jisroel", Festsetzung der Vollmachten des „Provisorischen Komitees" und Beschlußfassung über Ort und Zeit der ersten Hauptversammlung; e)Neuwahl des „Provisorischen Komitees", sowie Wahl verschiedener Kommissionen für die Vorbereitung von Programm und Statut, für die Propaganda in den einzelnen Ländern und für die zunächst in Angriff zu nehmenden Gebiete der praktischen Arbeit. Die gewählten Kommissionen treten Dienstag Nachmittag von 4 Uhr an zu ihrer Konstituierung und ersten Beratung zusammen. Das allseitige, zum Teil stürmische Interesse für die Bewegung, das sich in allen Ländern kundgibt, und das dem „Provisorischen Komitee" zahlreiche Gesuche um Zulassung zu der Konferenz brachte, hat das Komitee veranlaßt, auf den vertraulichen Charakter der Beratungen zu verzichten und die Öffentlichkeit, soweit es die Raumverhältnisse gestatten, zuzulassen. Karten sowohl für die geladenen Teilnehmer als auch für die Zuhörer, werden vom „Provisorischen Komitee" in Frankfurt a. M., Große Eschenheimerstraße 23, soweit verfügbar, ausgegeben. Frankreich. Das Zentral-Komitee der „Allianee Israelite Universelle". Paris. Am 30. April d. J. hat eine außerordentliche Sitzung des Zentral-Komitees der „Allianee Israelite Universelle" stattgefunden. Außer den meisten Pariser Mitgliedern sind erschienen: Rabbiner Dr. Frank-Cöln, Gumpertz -Hamburg, Philippsohn- Brüssel. Den Vorsitz führt Prof. Dr. Netter. Zuerst verlas der Sekretär den Bericht über die Tätigkeit der Allianee im Jahre 1911. Dann wurde im Sinne der neuen, bekanntlich vor der Opposition heftig bekämpften Wahlordnung zur Wahl für das ausscheidende Drittel und zur Designation von neuen Mitgliedern geschritten. Ergebnis: Carvallo, Oberrabbiner Dreyfus, G. Leven, Gaston Mayer, Ferd. Meyer, Raoul Montefiore, Eugen See, sämtlich in Paris; Dr. Baerwald, Dr Blau, Dr, Nobel, sämtlich in Frankfurt a. M.; Oberrabbiner Dr. Löw- Szegedin; Cl. Montefiore-London; Rabbiner Dr. Moses-Newyork; Rabbiner Dr. Salvendi-Karlsruhe; M. de Sola-Curacao und Rabbiner Dr. Vogelstein-Königsberg. Da Salamon Rein ach erklärt, mit Rücksicht auf die gegen ihn in der jüdischen Presse veröffentlichten Angriffe die Stelle des Vizepräsidenten nicht mehr anzunehmen, wird der Vorstand nunmehr wie folgt gewählt: Narcisse Leven (Präsident), Dr. Netter und E. See (Vizepräsidenten). Schließlich berichtet der Vorsitzende über einen am vorigen Tage von einer Delegation des Zentral-Komitees bei dem französischen Ministerpräsidenten wegen der Geschehnisse in F e z erstatteten Besuch. Rußland. Das jüdische Massenelend in Odessa. (90.000 Juden haben nicht auf Mazzos.) Odessa. In einer der letzten Nummern des „Odessky Listok" finden wir einen Aufsatz, der uns tief erschüttert, und den wir hier in deutscher Übertragung wiedergeben. Der Verfasser desselben, Herr Abraham Naumenko, schreibt folgendes: „Mit Entsetzen lesen wir den soeben erschienenen Bericht über die Tätigkeit der Kommission für Unterstützungen zu den Osterfeiertagen. Es wurden in Odessa zehntausend Pud Mazzos verteilt. Jede Person erhielt viereinhalb Pfund. Folglich neunzigtausend Juden nahmen ihre Zuflucht zur Wohltätigkeitshilfe. Diese Ziffer ist an und für sich eine schreckliche und erdrückende. Aber dieselbe wird geradezu zu einer unheilverkündenden, wenn mann bedenkt, welchen Prozentsatz der ganzen jüdischen Bevölkerung Odessas diese neunzigtausend ausmachen. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung der südlichen großen Handelsstadt wird verschieden geschätzt: die einen beziffern sie auf hundertfünzigtausend, die andern auf zweihunderttausend Seelen. Wenn die ersteren recht haben, so sind es 60 Prozent, wenn die Schätzung der letzteren richtig ist, dann sind es 45 Prozent der jüdischen Bevölkerung, die derart verarmt sind, daß sie nicht imstande sind sich durch eigene Mittel zu ernähren! Es ist klar, daß der Odessaer jüdische Organismus erschöpft und blutlos ist. Da haben wir alle Symptome der ökonomischen und physischen Degeneration. Man kann sich leicht vorstellen, welcher Gesundheit diese neunzigtausend Menschen sich erfreuen, welche Kinder sie erzeugen und welchen Stamm sie abgeben! Es entsteht eine schmerzhafte und große Frage: Wovon und wie leben diese Menschen das ganze runde Jahr, wo es keine Mazzokommission gibt? Und die Antwort auf diese Frage ist deutlich und entsetzlich durch ihre Wahrheit. Sie leben nicht, sondern sie vegetieren in dunklen feuchten Erdgeschossen! Diese Bevölkerung lebt nicht, sondern hungert, bettelt und stirbt. Es ist wahrlich höchste Zeit, daß etwas Rationelles geschieht, um den ferneren Fortschreiten dieses Übels abzuhelfen. Zunächst erwächst den jüdischen Gemeindevertretern die Pflicht, ernstlich über die zu ergreifenden Mittel zur Verminderung und Linderung des fürchterlichen Elends der Bevölkerung nachzudenken. Was man auch darüber sagen möge, aber das Statut der Gesellschaft zur Unterstützung der armen Juden ist breit genug, und kann als Arena für eine verschiedenartige und furchtbare Wirksamkeit dienen. Bei einer zweckdienlichen Vereinigung und Organisation wird vieles erreichbar und möglich sein. Besonders aber muß es den jüdischen Reichen ein-

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