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Neue Nationalzeitung · 1912-05-17 · Heft 10 (17.5.1912) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 10 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Seite 9 lian Williams, den Präsidenten des Appcilhofes, und viele andere der höchsten Richter Englands, die Staatskommissare für die südafrikanische Union, Westaustraiien, Neu-Seeland, Viktoria und Tasmonia. Andere Träger bedeutender Namen, die sich anschließen, sind die Feldmarschälle Lord Roberts und Sir Evelyn Wood, General Sir Neville Lyttelton, Admiral John Ful lerstone und General Sir Alfred Turner. Von den Universitäten ist Oxford durch 33, Cambridge durch 37, London durch 20 Mitglieder vertreten; Professoren der Universitäten Birmingham, Edingburg, Glasgow, Dublin reihen sich an. Den Schluß bildet eine große Anzahl der führenden politischen Publizisten Englands. Der Rabbiner von Lodz — gestorben. Mittwoch, den 1. Mai 1912, verschied in Lodz nach längcrem Krankenlager der Rabbiner Elias Chaim M e i s e 1 im Alter von 91 Jahren. Der Verstorbene war eine der angesehensten rabbinisclien Koryphäen der russischen Judenheit. Rabbiner Meisel wurde im Jahre 1821 in Horodok, Gouv. Minsk geboren. Schon in seinem 13. Lebensjahre erhielt er die Approbation als Rabbiner. Im 19. Lebensjahre wurde er zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde seiner Heimatstadt gewählt. Später bekleidete er die Stelle eines Rabbiners in Derctschin, Pruzany und l.omza, bis er im Jahre 1873 nach Lodz berufen wurde. Das Leichenbegängnis, das am 2. d. M. stattfand, gestaltete sich zu einer überwältigenden Trauerkundgebung. Von Nah und Fern waren die Arntsgcnossen und Verehrer des Verstorbenen, Deputationen der verschiedenen jüdischen Gemeinden und Körperschaften herbeigeeilt, um Rabbiner Meisel das letzte Geleite zu geben. Man schätzt die Zahl der Teilnehmer an dem Leichenzug auf 100.000 Personen. In mehreren, speziell konservativen Blättern wird dem Verstorbenen sein Wohlwollen gegenüber den jüdischen Arbeitern besonders nachgerühmt. Das ist eine Ueb ertreib ung und soll durch Abdruck nächstehender Stelle aus dem Buche von Dr. S. R. Landau, „Unter jüdischen Proletariern" (S. 78 ff) auf das richtige Maß zurückgeführt werden: „Hier (in Lodz) erfuhr ich eine Episode, die mir für die ökonomischen Gegensätze innerhalb der Judenschaft sehr bezeichnend erscheint und die für die Zukunft der jüdischen Weber ein wichtiges Prognostikon bildet. Als vorigen Jahres die monatelange Arbeitslosigkeit anhielt und die Weber am Hungertuche nagen mußten, beschlossen sie, um jeden Preis Arbeit zu suchen. In den Fabriken hatten sie bisher keine gefunden, weil sie am Samstag nicht arbeiten wollten. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als es jetzt zu tun. Und nun geschah das allercharakterischeste: sie bekamen trotzdem keine Arbeit. Der konservative Rabbiner (Meisel) wußte dies bei den Fabrikanten durchzusetzen. Er soll sogar, erzählt man sich, erklärt haben, so lange er in Lodz lebe, werden Juden nicht am Samstag arbeiten. Freilich, die Fabrikanten zu bewegen, jüdische Arbeiter aufzunehmen, die nicht am Samstag, sondern am Sonntag arbeiten würden, ist ihm nicht gelungen. Wahrscheinlich hat er es nicht einmal versucht." Der Tod des Ehepaares Isidor Strauß anläßlich der Titanic-Katastrophe hat in New-York tiefe Trauer errregt Herr Isidor Strauß war als Präsident der New-Yorker „Jewish Educational Alliance", dieser einzig dastehenden Bildungsstätte für die jüdischen Volksmassen, unter denselben ungemein beliebt und so fanden sich bei der Trauerfeier über 40.000 Menschen ein. Frau Strauß war wegen ihrer großen Wohltätigkeit ungemein verehrt und es wurden bereits Sammlungen eingeleitet, um ihr ein Denkmal zu errichten. Was ist „Lucionismus"? Dieses in der Redaktion der „Österreichischen Wochenschrift" neugeprägte Wort soll ein Insult sein. Im Zusammenhange damit wird erklärt, daß die Redakteure des Wiener zionistischen Organs „Preßlakaien" des Herrn Lucian Brunner sind. Die letztgenannten Redakteure haben gegen den verantwortlichen Redakteur der „Wochenschrift" die Preßklage überreicht, sie haben dann eine Revision in den Redaktionsräumen der „Wochenschrift" vornehmen lassen und das von Dr. Bloch korrigierte Original-Manuskript gefunden. Jetzt kann's lustig werden! . . . Der israelitische Friedhof in Döbling. In der ietz cn Sitzung der Bezirksvertretung Döbling bemerkte Bezirksrat Werner auf eine an ihn gestellte Anfrage, es bestehe ein Projekt, die Hasenaucrstraße über den israelitischen Friedhof in Döbling bis zur Döblinger Hauptstraße weiterzuführen. Die israelitische Kultusgemeindc wehrt sich gegen die Auflassung des Friedhofes, die jedoch auf Grund des Expropriationsgesetzes erzielt werden könnte. LITERATUR. Festschrift zum 40jährigen Amtsjubiläum des Rabbiners Dr. Salomon C a r 1 e b a c h in Lübeck (16. Juli 1910). Gewidmet von Freunden und Verwandten, herausgegeben von Moritz Stern. (Berlin, 1910, Druck von H. ltzkowski.) Ein stattlicher Band, etwas post festurn uns zugesandt, liegt vor uns. Und er enthält vieles und vielerlei, was die moderne jüdische Wissenschaft beschäftigt: in deutscher und hebräischer Sprache. Der greise Rabbiner mag sich über dieses ihm gewidmete Festgeschenk sehr gefreut haben, das ihm Freunde und Verwandte, auch seine Söhne darboten. Es ist vielleicht kein Gebiet der jüdischen Wissenschaft, das in diesem stattlichen Bande nicht vertreten wäre: Halachistisches und Exegetisches, Homiletisches und Liturgisches, Medizinisches und Naturwissenschaftliches, Pädagogisches und Philosophisches, Sprachenwissenschaftliches und Poetisches, sodaß man vor dieser Fülle von Wissen, die hier aufgestapelt ist, bewundernd stille steht. Aus allen Weltgegenden kommen die Gastgeschenke. Aus Lübeck, Würzburg, Berlin, Leipzig, Fulda, Köln, Eschwege, München, Oldenburg, Posen, Jerusalem, Lodz, Frankfurt a. M„ Wiesbaden, Altona, Emden, Mosbach, Darmstadt, Marburg, Ostrowo, Moskau. Wir bemühten uns, alle die Städte und Städtchen zusammenzustellen, aus denen Freundesworte den ehrwürdigen Carlebach in Lübeck grüßten, der an der Spitze des Buches mit seinem freundlichen Bilde uns grüßt. Freilich nicht alle diese Arbeiten sind gleichwertig. „Ueber die Bedeutung der Juden in der Medizin" wäre mehr und gründlicheres zu sagen, als dies der Dr. med. Ephraim Adler (ges. And.) in einem Vortrage, den er in Lübeck hielt, auseinandersetzte. Gelehrter spricht schon der Dozent Dr. J. Wo h 1gemuth in Berlin über das interessante Thema „Das Verdienst der Väter" (Sechuth Owaus). — Dr. Ephraim Carlebach, Rabbiner in Leipzig, liefert eine gelehrte und gehaltvolle Arbeit „Ueber die halachischen Kompendien im Urteil ihrer Verfasser"; der Kreisrabbiner Cohn in Esch wege einen sehr belehrenden Aufsatz „Ueber die Aussprache des Hebräischen". „Beiträge zur Methodik des Pentateuc h Unterricht s" gibt der Rabbinats-Kandidat David Carlebach zu Leipzig. — Dr. Meier Hildesheimer, Rabbiner zu Berlin, veröffentlicht sehr viel Interessantes aus dem Briefwechsel Israel Hildesheim e r-s (ges. And.)

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