Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 9 (3.5.1912)
- Date
- 1912-05-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 9 Neue National-Zeitung" Seite 7 Deutsches Reich. Der Vereinstag der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Frankfurt a. M., 16. April, Gestern fand hier unter s farlcer Beteiligung, namentlich seitens der auswärtigen Mitglieder, der ordentliche Veroinstag der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" statt. Nach der Begrüßung des Vereinstages durch den Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. Breuer, erstattete Herr Jacob Bosenheim den Geschäftsbericht über die zwei Jahre umfassende abgelaufene Geschäftsperiode. Der Bericht erwähnt zunächst die innere Organisation und die Propagandatätigkeit der Vereinigung, ferner die Entwicklung der Berliner Frauengruppe, die eine vielseitige Tätigkeit entfaltet hat und deren Vorbild zur Konstituierung von Frauengruj pen in anderen Großstädten Veranlassung geben soll. Weiten Kaum in dem Belichte nimmt die Tätigkeit der Vereinigung auf dem Gebiete der Gesotzg e b u n g und V e r av a H u n g ein, insbesondere die Erfolge, welche in Angelegenheit der Sonntagsruhe und des Schutzes der S cliechitah i m R eiche zu verzeichne n w a r e n. Großes Interesse fand der Bericht über die im Berichtsjahre erzielte Aufhebung des sächsischen S c h ä e h t v e r b o t s. Weitere Gebiete der Gesetzgebung, auf denen die Vereinigung tätig war, sind die religiösen Verhältnisse der jüdischen Soldaten sowie die fakultative Einführung der F e u e r b e s t a t, t u n g in Preußen. Der Bericht stellt in letzterer Hinsicht den Gemeinden, denen prozessuale Schwierigkeiten mit Bezug auf die Unterbringung ven Aschenurnen erwachsen, religionsgesetzlichen und juristischen Rat zur Verfügung. Der dritte Abschnitt des Berichtes ist der ländlichen AVohlfahrtspliege gewidmet, die Sieh SOWOhl auf die finanzielle Subventionierung der kleinen Gemeinden, als auf ihre geistig-religiöse Förderung, endlich auf die wirtschaftliche Hebung der ländlichen Verhältnisse erstreckt. Die „Kommission für Literatur und Presse'1 war mit dem Ausbau des ...Jüdischen Volksschriftenverlags1' beschäftigt, der sich in Entwicklung befindet. Den Schluß des Berichtes bilden ausführliehe Mitteilungen über die Tätigkeit der ..P a 1 ä s t i n a - K o mmission". Das Schulwerk der Vereinigung, das in kaum mehr als zwei Jahren eine durchgreifende Wirkung auf den religiösen Geist in den palästinensischen Kolonien ausgeübt hat, umfaßt insgesamt 9 Anstalten mit einigen oO Lehrkräften und über 000 Zöglingen und erstreckt sich auf Jerusalem. Haifa, Pethach-Tikwah, Ekron, Pechoboth. Kisehon le Zion und Katra. Die Unterrichtssprache ist durchgängig das Hebräische. Seit kurzer Zeit wird auch der Talmudunterrieht in einigen Schulen ausschließlich in hebräischer Sprache unterrichtet. In Pethach-Tikwah besteht neben der Schulanstalt selbst ein Fortbildungskursus für schulentlassene Zöglinge, Abendkurse für Erwachsene sowie eine Ausbildungsstätte für Lehrer mit einem zweijährigen Seminarkursus. Auf dem Gebiete der palästinensischen Mädchenerziehung hat die Kommission bahnbrechend dadurch gewirkt, daß sie die Bildung eines „Komitees zur Errichtung von Wirtschafts-sschulen für Mädchen in Palästina" angeregt hat. Das Komitee übernahm die kurz vorher in Pethach-Tikwah von der Vereinigung gegründete Mädchenschule, deren Programm das Hauptgewicht auf die wirtschaftliche Ertüchtigung der heranwachsenden Töchter, also auf die Heranbildung tüchtiger IColonistonfrauon Wert legt. Mit der ..Allgemeinen jüdischen Kolonisations-Organisation" steht die Vereinigung in einem Vertragsverhältiiis, das in der Berichtsperiode fortgesetzt wird. Der hierauf erstattete Kassenbericht balanciert in Einnahme und Ausgabe, unter Hinzurechnung der selbständig verwalteten Paiästina-Sohulknsso mit 05»,000 Mark. Der sich anschließende Wahlakt erga1» die Wühl der Herren Dr. Abraham Hirsch-Halberstadt und A. M. Loeb- Dieburg in den Vorstand, des Herrn Oberrabbiner Dr. Spitzer in Hamburg in den Ausschuß der Vereinigung. DIE JÜDI5CHE EniQRflTION. Die jüdischen Opfer der „Titanic4'-Katastrophe. Der entsetzliche Untergang der „Titanic" hat die ganze Menschheit mit Schrecken erfüllt und die tiefste Teilnahme wendet sich den Opfern zu und deren Hinterbliebenen. Auch viele jüdische Familien, Millionäre und Proletarier, haben den Verlust ihrer Väter und nahen Verwandten zu beklagen. Allen voran sei Isidor Strauß genannt, der Bruder jener Größen des amerikanischen Judentums, deren opferwilligkeit für jüdische Institutionen am Kontinente wenig ihresgleichen findet. An seiner S.dte, treu bis in den Tod, hat auch seine Gattin ihr Leben freiwillig eingebüßt, wiewohl sie leicht gerettet werden konnte: das wahre Vorbild eines jüdischen Weibes. Auch Benjamin Guggenheim, der Sohn jenes Meyer Guggenheim, der es vom Hausierer bis zum Milliardär und Minenkönig gebracht hat. verlor bei dieser Katastrophe sein Leben die Frau wurde gerettet. Wieviel jüdische Auswanderer das Zwisehenverdeek der „Titanic'' beherbergte, läßt sieh nicht mehr konstatieren. Die Zahl war verhältnismäßig nicht groß, da das Schilf am zweiten Tag Possach von Southanipton abdampfte; nach Angabe der jüdisch-amerikanischen Blatter und der Emigrations- Comitees der „JGA" in Mobilew dürften es zirka 50 gewesen sein. Kaum 11 wurden gerettet. Die anderen, die den Häschern des Czaren entronnen sind und eine neue Heimat suchten, haben mm ewige Jinhe gefunden. Wir wollen hoffen, daß auch ihren Angehörigen von den Riesensummen, die in England und Amerika für die