Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 9 (3.5.1912)
- Date
- 1912-05-03
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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„Neue National-Zeitung" Nr. 9 Hinterbliebenen gezeichnet werden, eine Versorgung zukommen wird. ♦ * * Die Katastrophe der „Titanic" und die Wiener „Israelitische Allianz." Wir haben in früheren Nummern die Behandlung, resp. Benachteiligung, welche den durch Wien reisenden russischen Emigranten in der Wiener Allianz zuteil wird, ausführlich besprochen. Die krasse Unkenntnis der Emit>rationsverhältnisse in der Leitung der Allianz zeigt sich aber, wenn wir die jüdische Emigrationsfrage von einem anderen Gesichtspunkte aus betrachten — vom Standpunkt der Sicherheit des Lebens der Emigranten. Die ganze Intervention der Wiener Allianz besteht darin, daß sie die nach Wien einlangenden russischen Emigranten in der von uns bereits geschilderten Weise nach Basel befördert, von wo sie über Frankreich nach Rotterdam expediert werden. Von da werden dann die Emigranten auf alten morschen Kästen der Schiffahrtsgesellschaft „Uranium", resp. „Atlantic Express" alle vierzehn Tage nach New-York eingeschifft. Die Gefahr dieser Ueberfahrt wurde jüngst vor dem Krakauer Schwurgerichte anläßlich des Prozesses des gewesenen Abgeordneten Pater Szponder gegen Direktor Okolowicz erörtert. Szponder, ein Agent des „Atlantic Expreß" wurde als Scharlatan entlarvt und sein Gegner freigesprochen. Diese beiden Gesellschaften sind in Oesterreich n i c h t zugelassen, eben aus Gründen der mangelhaften Sicherheit und es dürfen diese Gesellschaften daher auch in Oesterreich keine Kartenbüros eröffnen, resp. keine Schiitskarten absetzen. Nichtsdestoweniger werden solche Karten in Wien durch ein berüchtigtes Reisebüro verkauft. Die Karten stellen sich allerdings billiger, allein diese Emigranten Averden von den deutschen Grenzstationen zurückgewiesen und müssen auf dem Umwege über Basel und Frankreich nach Rotterdam reisen. Die Herren von der Allianz sollten diese Verhältnisse genau kennen und sollten es daher ablehnen, bei der Beförderung von Emigranten, die diese Route benützen, zu intervenieren. Die Katastrophe der Titanic, auf der trotz des prachtvollen und luxeriösen Baues Tausende von Personen untergegangen sind, weil zu wenig für ihre Sicherheit vorgekehrt wurde, lassen die ganze Gefahr erkennen, welcher die Emigranten durch die Allianz ausgesetzt werden. Die Spezial-Korrespondenz für das Auswanderungswesen „Atlas1' in Budapest warnt daher aus obigen Gründen vor der Benützung der in Oesterreich . nicht zugelassenen Linien. Zugelassen sind bekanntlich nur „Norddeutscher Lloyd" (Bremen), „Hamburg-Amerika-Linie" (Hamburg). „Red-Star-Linie" (Antwerpen), „Holland-Amerika-Linie" (Rotterdam) und „Austro-Amerikana" (Triest). In einer weiteren Nummer wiederholt der „Atlas" seine Warnung und macht darauf aufmerksam, daß die meisten Auswanderer für diese Linie aus — Wien kommen. Er berichtet, daß die holländische Regierung bereits für diese Auswanderer mit den Schiffskarten des „Atlantic Express" die Grenze gesperrt hat. Die Herren von der Allianz mögen also Acht geben, wenn sie nicht noch weiter eine schwere Verantwortung tragen wollen. Eine jüdische Emigrations-Konferenz in Wilna. Wie erinnerlich, hat die Petersburger Emigrationsgesellschaft in ihrer letzten Konferenz beschlossen, eine Delegation nach Amerika zu entsenden, um dort die Stimmung betreffend einen Emigrationskongreß in Europa kennen zu lernen und dieses Projekt in Amerika zu propagieren Die Delegation hätte ihre Reise nach Amerika im Frühjahre antreten sollen. Nun haben die Delegierten sich darin geeinigt, diese Reise erst im Herbste anzutreten, hingegen hat eine neuerliche Konferenz den Beschluß gefaßt, im Laufe dieses Monates eine Emigrationskonferenz der russischen Juden nach Wilna einzuberufen. Die Einberufer des Kongresses haben bereits die Bewilligung der Regierung für die Abhaltung desselben gesichert. G£MEiNö5onä VSReiNSNGUiRttraW Wien. (Brijritteiiauer i s r. T e m p o 1 - V c r c i n.) Donnerstag;, deu 2. Mai 1912, 7 Uhr abends, findet im Saale dor Restauration Hermann Kohn, XX. Heinzelmanngasse 1, eine außerordentliche Generalversammlung des Brigittcnmier israelitischen Tempel-Vereines statt. Tagesordnung: Bericht über den Stand der Rabbinorangelegenheit und Beschlußfassung über das weitere Vorgehen des Vorstandes. Wien. Am La.g-boomer, d. i. am Sonntag, den 5. Mai, findet in den Räumen des Bot-ha-midrasch, 11. Ferdinaiul.srraße, die feierliche Enthüllung einer dem verblichenen Leetor M. Friedman n von Freundesband gestifteten Gedenktafel statt. (Merkwürdig ist es, daß in dieser dor jüdischen Presse anonym zugesandten Notiz die Stunde der Enthüllung und die Person des Festredners nicht bekannt gegeben werden. Wie wir jedoch erfahren, wird diese Feier ohne Wissen d es V o r- Standes des Bet-ha-midrasch als eine Reklame für Rabbiner Dr. Bach von dessen Mailändern veranstaltet. Unmittelbar vor der Drucklegung wird uns mitgeteilt, daß diese Feier vorschoben wurde. Anm. der Red.) Wien. Tm polnisch-jüdischen Tempel-Verein ,.B 0 t h T s r a e 1" hat am letzten Sonntag anläßlich der Wahl von vier Vorstandsmitgliedern bei außerordentlich zahlreicher Boteiligung einesehr stürmische Generalversammlung stattgefunden. Es lagen zwei Listen vor: dor Anhänger und der Gegner des Rabbiners M a y o r s o h n. Es siegten drei Gegner und ein Anhänger. Infolgedessen legte der Obmann, Herr Rosenfeld, seine Würde nieder. m> flLLCN WCRCCiLEN Palästinische Stiftungen des Herrn Nathan Strauss. Der „N. J. K." wird aus Ohederah geschrieben: In den letzten Wochen bereiste Herr Nathan Strauß aus New-York — Bruder des auf der „Titanic" verunglückten Isidor Strauß und des früheren Botschafters in Konstantinopel Oskar Strauß — Palästina und informierte sich eingehend über die jüdischen Kolonisationsbestrebungen. Insbesondere wandte er sein Interesse den Gesundeitsverhältnissen des Landes zu und stellte der unter Leitung des Herrn Aaronsohn stehenden landwirtschaftlichen Versuchsstation Ahtit die Mittel zur Verfügung, um ein „Health-ßure a u" (Gesundheitsabteihmg) zur planmäßigen Bekämpfung der Malaria und der anderen endemischen Krankheiten Palästinas zu schaffen. Zum Leiter dieses Bureaus wurde Herr Dr. Wilhelm Brünn in Chederah berufen, wo das