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Neue Nationalzeitung · 1912-04-19 · Heft 8 (19.4.1912) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 8 (19.4.1912)
Date
1912-04-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Neue National-Zeitung" Nr. 8 strebt und bemüht war, das Heil und das Wohl seines Volkes zu fördern, Unglücklichen beizustehen, betrübte Herzen aufzurichten, Thränen zu trocknen, Wunden zu heilen, sollen seine Nachstrebenden sich — and noch dazu in einer so j u b i- Jäumsreichen Zeit — 25 Jahre nach dessen Hinscheiden nicht mehr erinnert haben? Unglaublich! B. Z. Oesterreich-Ungarn« „Hilfsverein für Galizien". Wien. Sonntag, den 14. d. M. fand die General- Versammlung des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien statt. Wir haben bereits unseren Standpunkt diesem Wohltätigkeitsverein gegenüber wiederholt testgelegt. Die Herren, die dabei sind, haben den besten Willen, aber es fehlt ihnen jede Großzügigkeit und jede Energie, ohne die im Lande der Schlachta und der Moschkos nichts zu machen ist. Wenn diese Herren mit einem Schmelke von Horowitz oder mit einem solchen politischen Scharlatan, wie es Herr Dr. Nathan von Loewenstein ist, zusammenarbeiten wollen, dann gönnen wir ihnen diese „Ehre", aber jeder wahre jüdische Volksfreund hat dabei nichts zu suchen. Und damit erledigt sich auch die in der Versammlung vielfach erörterte Frage, warum der Hilfsverein unter den galizischen Juden in Wien so wenig Popularität besitzt. Der Leitung des Hilfsvereines fehlt jede volkstümliche Basis, es wird mehr die Philanthropie als die Selbsthilfe betont, und diese undemokratische, dem Wiener Kultusvorstande abgeguckte Art können die galizischen Juden in Wien nicht mehr goutieren. Interessant war die Frage des Herrn Dr. Zweig, wie sich der Hilfsverein zur neugegründeten galizischen „Selbsthilfe" stelle. Der Sekretär erwiderte mit Ernst, daß beide Vereine „die Absicht haben", einander soweit als möglich zu unterstützen. Dazu wird es aber kaum kommen. Die „Selbsthilfe", die als Produkt der Enquete des Landes-Ausschusses von den Mosch kos mit Hilfe der JGA gegründet werden sollte, ist b e r e i t s eingeschlafen Das Schlagwort der „Selbsthilfe" hat während der Reichsratswahlen seine Dienste getan und nun ist das kraftlose Ding von seinem eigenen Vätern verlassen worden; nicht einmal die reiche Tante in Paris nimmt sich seiner an. Wir lassen nunmehr den uns zugekommenen Versammlungsbericht folgen: Nachdem der Vorsitzende, Herr Moritz Sonnenschein, insbesondere die Vertreter der Vereine und Ortsgruppen und die Gaste mit freundliehen Worten begrüßt hatte, ergriff der Sekretär, Herr Dr. Wilhelm Löwy, das Wort und verliest den Jahres Bericht pro 1911, auf den •wir ausführlieh zurückkommen werden. Nach diesen Ausführungen nahm Herr Dr. Isidor Samuely als Delegierter des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien das Wort, um im Namen der Kultusgemeinde der Befriedigung über die Tätigkeit des llilfsvereines Ausdruck zu geben. Er würde nur wüi sehen, daß die bessersituierton Kreise in Galizien die Tätigkeit de* Vereine;? durch zahlreichere und größere Beiträge fördern. Herr Dr. Bloch gibt bekannt, daß er gelegentlich seine- Aufenthaltes in Amerika zu Anfang dieses Jahres, insbesondere unter den dort ansässigen Galizianern in mehreren Versammlungen für den Galizischen Hilfsverein Propaganda gemacht habe. Herr Josef Reiman bezweifelt, daß die hiesigen Galizianer veranlaßt werden können, dem Hilfsverein in größerer Anzahl beizutreten. Herr Meier Hübner, Delegierter der Ortsgruppe Nadwörna, Galizien, spricht dem Hilfsverein und dem Sekretär, Herrn Dr. Löwy, namens seiner Ortsgruppe den herzlichsten Dank für ihre Tätigkeit aus. Der vom Obmanne des Aufsichtsrates, Herrn Dr. Wilhelm Knöpfmacher, sodann erstattete Berieht über die finanzielle Gebarung der Vereinsleitung wird ohne Diskussion zur Kenntnis genommen und sein Antrag, ihr das Absolutorium zu erteilen, einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Der Sekretär beantragt hierauf im Namen der Vereinsleitung die Abänderung der Vereinsstatuten nach der Richtung, daß der Verein eventuell seine Tätigkeit auch auf die Bukowina auszudehnen in der Lage wäre. Die gestellten Anträge werden einstimmig angenommen. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden einstimmig gewählt, und zwar in die V e r e i n s 1 e i t u n g die Herren: Prof. Dr. S. Ehr mann, Siegfried Karpeles, Dr. Gustav Kohn, Dir. Wilhelm Kux, Kais. Rat Paul Lemberger, Prof. Dr. Arthur Mahler. Josef Mandl, Sigmund M a 3e r, Richard Petschek, Heinrich P 011 a k, Jakob S. Strassberg, sämtlich aus Wien, Dr. Karl Halpern, Stanislau, Dr. Hermann Hirsch, Krakau, und Dr. Nathan von Löwen stein, Reichsratsabgeordneter, Lemberg. In den Au fsichtsrat wurden gewählt die die Herren: Siegfried Engl, Siegmund F r a 11 k 1, Dr. Wilhelm Knöpfmacher, Dr. Leopold Kohn, Ferdinand Löwy, Wilhelm P app en he im und Isidor Schwarz, sämtlich aus Wien; in das Schiedsgericht die Herren: Kais. Rat Wilhelm Anninger, Michel Benies, k. k. Notar Dr. Julius B e r m a n n, Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann, Dir. Alexander Hecht, Dr. Albert Kuh, Kais. Rat Leopold von Sachs, Dr. Alfred Stern, Julius Wolf und Kommerzialrat Dir. Josef Zucker. + * ♦ Oeffentliche Plenarsitzung des Kultus- Vorstandes. (Sensationelle Aenderung des Wahlrechtes,) Wien. Sonntag den 21. d. M., 10 Uhr vormittags, findet eine öffentliche Sitzung des Kultusvorstandes statt. Tagesordnung: 1.Rechnungsabschluß über die Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher unter Gemeindeverwaltung stehender Fonde und Anstalten für das Jahr 1911; 2. Statutenänderung: Streichung der alinea b) des § 2, Anhang I der Wahlordnung. Anmerkung der Redaktion: Die im Punkte 2 der Tagesordnung angeführte Statutenänderung betrifft die Streichung der nachstehenden ungemein lästigen, von der Opposition heftig bekämpften Bestimmung, welche lautet: „Ausgeschlossen vom aktiven Wahlrechte sind diejenigen, weiche am Tage des Ablaufes des kundgemachten Wahlreklamationstermines (§ 6), diesen Tag mitgerechnet, für das laufende Jahr die Kultussteuer nicht bezahlt haben". Diese Bestimmung hatte zur Folge, daß bei den beiden letzten Wahlen (1908 und 1910) von ca. 25.000 Wählern über 10.000 Wählern das Wahlrecht entrissen wurde. Nun soll dieses schreiende Unrecht endlich beseitigt werden. Zur Annahme dieser Statutenänderung ist bei dieser Vorstandssitzung die Anwesenheit von 22 und die Zustimmung von 18 Vorstandsmitgliedern notwendig. Dieser Punkt der Tagesordnung bildet, wie wir erfahren, für die meisten Vorstandsmitglieder selbst eine Ueberraschung, zumal die denselben zugekommene Einladung nur den 1. Punkt der Tagesordnung enthält.

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