Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1912-04-05 · Heft 7 (5.4.1912) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 7 (5.4.1912)
Date
1912-04-05
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2425679-2425857-2425865--2341-2428765
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 10 „Neue N&tiöfl&kZdtüng" Nr.. 7 Nach zweijähriger Pause ist im verflossenen Frühjahr Leo B. Eichhorn mit seinem, im Auftrage des Thronfolgers gemaltem Triptychon vor die Oeffefttlichkelt getreten. Das war wenigstens eine Arbeitsleistung, der man den Achtungserfolg nicht vorenthalten wollte, wenn sie auch malerisch viel zu wünschen übrig ließ. Aber diesmal stehen wir in der Tat enttäuscht vor seihen drei Bildern, die eine schlimme Verifrung bedeuten. — Kr. 205 „fcur Kirche" beispielsweise, im Vorwurfe so interessant, ist mit einer Oberflächlichkeit behandelt, die jedes tiefere Eingehen ausschließt, (Men betrachte, wie der Itopf einer Bäuerin auf diesem Bilde geradezu in der Luft schwebt.) Gustav Böhm (in Brunn am Gebirge zur Zeit lebend) bringt ein Aquarell »PlfttainTeitsch%dasfeinimTonist. Vor dem Ufebergatig feüm Porträt möchten wir noch das Bild Ludwig Kochs „Prinz Eugen bei Belgrad" besprechen* Der Künstler hat ein ungemeines Können und große Zeichnerische Qualitäten. Man betrachte das Pferd, wie ausgezeichnet in der Bewegung Umsomehr ist es m bediuern, dafl das Bild in der Farbe nicht am feinsten ist. Das FdrbenHünterbunt der Fuhnen ist zü beabsichtigt und auch Roß Und ftelter, trotz Hitee Und Sonn engl ut schon übet"! rieben koloristisch. Wir kommen jetzt zu den Porträtisten* Bevor wir auf das Einzelne eingehen, möchten wir noch ein paar Worte vorausschicken. Es ist eigentlich auffeilend, daß die Jüngeren in den letzten drei Jahren keine Wesentlichen Fortschritte aufweisen, als Wäre plötdich ein Stillstand eingetreten. 0 1er hat man sie vielleicht früher zu verwöhnt? Gewiß Ui nur, daß »Ho diese PortrÄts ein? gewisse Oberflächlichkeit zeigen und oft eine Inhaltslosigkeit, die bedrückend wirkt. Es Wäre hier fcu bedenken, daß man leichter aus der als in die Mode kommt Ein ehrliches Sichvertiefen könnte gewiß hier manch Gutes wirken. So sind die Porträts von Nikolaus Schattenstein nicht immer anregend. Öles gilt diesmal be* sonders von Nr. 71 »Porträt des Fräuleins P. U". Farben* geschrei, mag es noch so wild sein wie bei Nr* 69 vermag dies kaum zu verbergen. Am gelungensten ist ohne Zweifel das „Porträt der Fräti U, &*, Viktor Scharfs Porträt stellt eine Dame im grünen Kleid mit schwarzem Mantel Und Hut dar. Man hätte in Farbe und Stellung denselben Vorwurf fei* voller behandeln können. Gewiß hiebt langwellig ist Jehuda Epsteins „Doppelporträt*, Da geht es förmlich wild zu, die Farben scheinen miteinander Krieg zu führen. Eine solche derbe Roheit, wie sie auf* diesem Bilde herrscht, ist abschreckend. — Die Hände der beiden Personen auf dem Bilde, sind wie aus starrem Holz, außerdem die Körper verzeichnet. Und nun zu V. W. Krauß. Sein Porträt der Frau Z. Z. ist ungemein reizvoll, effektvoll in der Farbe und dabei fein im Ton. Dagegen ist das Porträt des Herrn Felix von Weingartner nicht auf derselben Höhe. Der Kopf ist zwar mit einer gewissen Durchsichtigkeit behandelt, aber nicht genügend studiert und vor allem der Körper mißglückt. V. W. Krauß scheint unter den Jüngeren am meisten fortzuschreiten. Vergessen wir nicht der Radierung Emma Löwenstarn ms. Zum Schlüsse wäre noch Leopold Hord witz, der diesmal nicht am glücklichsten vertreten ist Sein Porträt der Kammersängerin Frau Kurz-Halban ist ein wenig reizlos. Der Ausdruck dieses Gesichtes mit seinem süßlichen Lächeln ist starrkonventionell. Auch die beiden anderen Bildnisse können trotz vielfacher Qualitäten nicht unseren vollen Beilall rinden, k. k. Scholaum Aleichetns Die j-feimkehr zum Pessachfest. Fischel fährt immer zwei Mal im Jahre von Balta nach Chaschtewate zu seinem Weibe und den Kindern heim: zu Pessach und zum Laubhüttenfest Es war sein Los itn Leben, immer nur ah Gast bei .seiner Familie zu weilen. Ein willkommener Gast! Wenn auch nur auf wenige Tage. War das Fest zu Ende, dann ging auch Fische! wieder fort. Nach Balta. Zurück zum Unterricht, zur Gemarah, zu den verstopften Bubenköpfen. Ewiges Wanderleben. Wieder hinaus in die Fremde und in die stille Heimatsehnsucht Aber es gibt einen Lohn. Wenn Fischel, der Lehrer, daheim ist, ist er ein König. Basschewa, seine Frau, geht ihm entgegen, rückt sich ihr Tuch zurecht, wird rot wie Feuer. Ein paar sehnsüchtige Fragen. Aber in die Augen wagt sie ihm nicht zu sehen. ^,Was maehts du?" Und er antwortet: „Was machst du?" Und sein Srjhn Frauke — dreizehn Jahre ist er schon — begrüßt ihn und der Vater fragt ihn: „Wie weit bist du* mein Sohn* im Lernen?" Und Röserl) sein schönes Töchterchen mit dem «ierlich geflochtenen Köpfchen springt zu ihm heran und küßt ihn: „Was hast du mir mitgebracht, Väterchen?" . . Stoff zu einem Kleid und für die Mutter ein seidenes Umhängetuch . . . Hier, gib's der Mutter." Und Fischel nimmt aus seinem Tallesbeutel ein neues> seidenes Tuch (vielleicht ist es nur halbseidfett). Und Basschewa wird noch röter, rückt sich züchtig das Tuch noch tiefer über die Augen, macht Sich bald allerlei ZU scharten in der Stube und bleibt dann an feiner Stelle starr stehen. ,>Gib mal den Talmud her, Frauke! Wo hältst du? Ich will dich überhören." Und Fischet fragt ihn ab und sein Herz schwillt vor Freude: Ein feiner Junge, der Frauke! Ein fleißiges, begabtes Kind mit einem guten Gedächtnis. Der begreift! — Ein Juwel! „Wenn du ins Bad gehen willst, da Hegt ein frisches rlemdt" so sagt Basschewa und wagt noch immer nicht, ihm beim Vorübergehen in die Augen zu sehen. Fischel ist's dabei so wunderbar woht Wie einem, der eben aus dem Gefängnis heimkehrt in die freie, lichtige Welt, zu Lieben und Getreuen. Er denkt an das stark geheizte Bad, an die höchste Stufe, wo der heißeste Dampf hinaufwallt und an die Ruten, die auf ihn niedersausen. Und kommt er dann vom Bade, frisch, mit regsamen Gliedern^ wie neugeboren, dann holt er »ich zuerst die Bibel vor und liest den festtäglichen Wochenabschnitt, legt sich den Safobath-Kaftaü mit dem neuen Gürtel um und sieht mit einem hastigen, verstohlenen Blick auf Basschewa in ihrem neuen Kleide und dem seidenen Tuch. Wirklich, ein hübsches Weib^ sittsam und fromm . . . Und er geht nun mit Frauke ins Bethäus, grüßt nach allen Seiten: „Gott zum Gruß, Fischel, wie geht's?" — „Wie soll's einem Lehrer gehen? Man paukt mit den Buben." — „Was gibt's Neues auf der Welt?" — „Welt ist Weit" — „Was gibt's in Balta." — „Balta ist Balta." . , So gehf s jede» Jahr. Immer wieder die gleichen Fragen, die ^gleiche Antwort. Und wenn Nisselj der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.