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Neue Nationalzeitung · 1912-04-05 · Heft 7 (5.4.1912) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 7 (5.4.1912)
Date
1912-04-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „Nyuc N»tiQnal3eitung" Hr. 7 DIE JÜDISCHE Analphabeten werden in Nordamerika ausgeschlossen. Wie der Peterburger „Jüdische Emigrant' in seiner letzten Nummer vom 15. (29.) März berichtet, hat die Einwanderungs-Kommission des nordamerikanischen Kongresses mit 8 Stimmen gegen 4 den Beschluß gefaßt, Analphabeten von der Einwanderung auszuschließen. Der Schlag, der dadurch der gesamten Einwanderung versetzt wird und die Rückwirkung dieses auf die Lage der auswandernden Massen ist unabsehbar. Allerdings hangt die Entscheidung noch vom Kongresse selbst ab. Im Falle, wenn selbst der Kongreß diese Einschränkung gutheißen sollte, ist zu erwarten, daß der Kongreß das Lesen und Schreiben in jiddischer Sprache als genügend erachten wird und dann würden*die jüdischen Volksmassen weniger empfindlich getroffen werden. Was die Zahle» der Analphabeten betrifft, rangieren die Juden an dritter Stelle, nach den Italienern und Polen: ebenso rangieren sie in Bezug auf Personen mit höherer Bildung an dritter Stelle, nach den Engländern und Deutschen. (Vgl. (* aros: „Auswanderung und Auswanderungspolitik in Oesterreich.") Bemerkenswert ist, daß in der Auswanderungs-Enquete der Vertreter des Ministeriums des Aeußern, Konsul von P1 o e n i e s, gegenüber Dr. Landau versichert hat, der Ausschluß der Einwanderung von Analphabeten sei fallen gelassen, eine Mitteilung, die mit den Zeitungsnachrichten im Widerspruch steht. * * \)io jüdische Einwanderung nach Argentinien. Diese Einwanderung ist stark im Wachsen begriffen. Es entstehen neue jüdische Kolonien. Die Ernte ist gelungen und es rinden auch zahlreiche jüdische Einwanderer als Feldarbeiter Beschäftigung. * . * Die jüdische Farm erbewegung in Nordamerika. Die. „Jewish agricultural and industrial aid Society" (Gesellschaft zur Unterstützung der jüdischen Landwirtschalt und Industrie) in New-York veröffentlicht ihren Jahresbericht für das Jahr 1911. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Beistellung von billigem Kredit an jüdische Farmer und so sind im letzten Jahre 334 Darlehen im Gesamtbetrage von Dollar (1 250.000 K) verausgabt EfllQKflTION. worden. Damit ist die Wirksamkeit dieser Gesellschaft noch nicht erschöpft. Sie erhält auch ein Arbejtsvermittlungsbureau für jüdisehe Feldarbeiter, belehrt die Farmer durch ihre Wanderlehrer und durob das Faehblatt „Der jüdische Farmer"; schließlich werden die begabteren Kinder der Farmer an landwirtschaftlichen Lehranstalten ausgebildet. * Verpflegung jüdischer Passagiere auf Lloyddampiern während de? Osferfeiertage. Wie uns mitgeteilt wird, hat die Verwaltung des Norddeutschen Lloyd in Bremen Vorkehrungen getroffen, (Jamit die jüdischen Passagiere während der Osterfeiertage in Bremen und auf den ausgehenden Lloyddampfern nach Amerika eine den Vorschriften der jüdischen Religion entsprechende, rituelle Osterverpflegung erhalten. J83R"ßiWNMNZffN Deutsches Reich. Der Kampf um das Koscher fleisch Berlin, Ende März. (Orig.-Mitt.) Während in Wien ö>r — verleihen Sie das herbe Wort — „konservative" Kultusvorstand und sein gleich konservativer Oherrabbiner in stumpfsinniger Weise zusehen, wie die jüdischen Wurstfabrikanten in ritueller Beziehung die jüdische Bevölkerung beschwindeln, während in Wien nach einer kurzen Episode eines rein formalen, ohne jeden autoritativen Nachdruck erlassenen Verbotes wieder unter der Bezeichnung „koscher" zumeist „trete" und „Aas" von den Wurstfabrikanten — nach dem Ausspruche des Herrn Rabbiner Mayersohn — verkauft wird, sehen wir hier das sonderbare Schauspiel, daß der in seiner Majorität liberal gesinnte Kultusvorstand diesen Mißständen hart an den Leib rückt. Jn dem Berichte dos Justizrates Cohn in der letzten Sitzung der Repräsentanten-Versammlung lesen wir folgende ergötzliche Geschichte: Von Firmen, die sich eines Ansehens in der Geschäftswelt erfreuen, denen man nicht zutrauen sollte, daß sie den guten Glauben des Publikums in arger Weise täuschen, wird in Sachen des Koscherfleisches ein arger Mißbrauch getrieben. Da sie dadurch aber auch die reellen, unter Aufsicht stehenden und unter schwere-» Bedingungen arbeitenden Koschertieischh&adler empfindlich schädigen, hat sich, da man ein wirksames Mittel, den Unfug zu steuern, leider trotz aller Bemühungen nicht gefunden hat, ein „Verein der unter Aufsicht stehenden Koseherfleiseh band ler" gebildet. Der Verein hat nun mehrere Personen beauftragt, in den verdächtigen Geschäften Ware einzukaufen; die Ware wurde zur Untersuchung an die amtlichen Stellen abgegeben. Es liegen Gutachten vor von dem gerichtlich vereidigten Sachverständigen, Hofschlächtermcister H ü b n e r-Chariottenbujg, UOd dem Leiter der Untersuchungsstation für animalische Nahrungß- und Genußmittel im Polizeipräsidium, Dr. Kurt Sehern. Die Untersuchung hat ein positive» Resultat ergeben. Bei 4 Proben waren gefüllte Schinken und Sch weinefett verarbeitet. Die Wurstpxoben von 2 Geschäften, die mit Namen genannt werden, enthielten sämtlich nichts weiter als Schweinefleisch. Zweifellos liegt hier ein arger Verstoß gegen das Gesetz, betreffend den unlauteren Wettbewerb vor und »uch gegen den Betrugs-

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